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Schlimme Diagnose

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Die sieben Hausärzte des Tauferer Ahrntales beklagen arge Missstände bei der Betreuung der Kleinsten. Im Streit um die Kinderärzte würden alle Probleme auf sie abgewälzt. Wie sie sich jetzt wehren.

von Silke Hinterwaldner

Der Brief ist unterzeichnet von allen sieben Hausärzten im Tauferer Ahrntal, und er zeigt in jeder einzelnen Zeile, wie sehr sich die Mediziner über die bevorzugte Behandlung der Kinderärzte und über den Sanitätsbetrieb ärgern.

Im Schreiben an den Sanitätsbetrieb heißt es:

„Die Missstände haben ein Ausmaß erreicht, das uns Hausärzte ein weiteres stilles Warten und Hoffen auf Besserung nicht erlaubt.“

Aber warum sind Walter Stuflesser, Martin Oberhollenzer, Hermann Lunger, Birgit Lunger, Elisabeth Hofer, Waltraut Auer und Andreas Seeber derart aufgebracht?

Die Antwort auf diese Frage findet sich im Streit um die kinderärztliche Betreuung, der spätestens seit März immer wieder von sich reden machte. Weil die Kinderärzte Ewald Mair in Bruneck und Michael Panzenberger in Sand in Taufers mit einer Einkommensgrenze von 240.000 Euro arbeiten müssen und alle zusätzlichen Dienste nicht vergütet bekommen, hat der erste seine Praxis aus Protest im März geschlossen. Panzenberger folgt jetzt im Mai. Eine Gruppe von Eltern stützt diesen Protest mit Kundgebungen und der Forderung, dass für die Kinderärzte eine tragbare Lösung gefunden werden müsse.

Unter diesem politisch-wirtschaftlichem Hick-Hack leiden freilich in erster Linie die kleinen Patienten und deren Eltern, die nicht mehr wissen, an wen sie sich wenden können. Der Protest hat aber auch Auswirkungen auf die Kollegen. Vor einigen Tagen haben die sieben Basismediziner aus dem Tauferer Ahrntal ein Schreiben aus dem Sanitätsbetrieb zugestellt bekommen, in dem sie aufgefordert werden, in den nächsten Wochen die Betreuung der Kinder im Einzugsgebiet zu übernehmen (Zitat aus dem Brief der Hausärzte:

„Dies unter Verletzung der betriebseigenen Regelung der Patientenhöchstgrenze und obwohl derselbe Betrieb uns bis dato mit finanziellen Einbußen wegen Überschreitung dieser Patientengrenze gedroht hat.“) Die Basismediziner wollen nicht mehr länger als Lückenbüßer fungieren.

Das heißt: Die Anfrage des Sanitätsbetriebes wird abgelehnt. Im Brief steht: „Wir Hausärzte des Tauferer Ahrntales weigern uns, schon wieder für das Fehlverhalten des Pädiaters in die Bresche zu springen.“

Den Kinderärzten hätte man Narrenfreiheit gewährt, ihnen goldene Brücken gebaut, um sie herzulocken; die Hausärzte fühlen sich nun aber als Mediziner zweiter Klasse, die hinterher aufräumen müssen.

Um den Unmut der Hausärzte besser nachvollziehen zu können, muss man wissen, welches Auf und Ab sie in den vergangenen Jahren durchleben mussten. Bis Ende 2014 waren die Kinder des Tales, insofern von den Eltern gewünscht, von den Hausärzten betreut worden, weil es dort keinen Kinderarzt gab.

Mit 30. November 2014 wurden alle Kinder bis sechs Jahre von Amts wegen der neuen Praxis Panzenberger zugewiesen. Nur 16 Monate später aber teilte der Kinderarzt mit, er wolle seine Patientenzahl beschränken, keine Neugeborenen mehr aufnehmen und auf Nachtdienste verzichten. Seit einem Jahr müssen sich frisch gebackene Eltern für die Betreuung der Kleinsten an das Krankenhaus in Bruneck wenden.

„Das alles hat rein finanzielle Gründe“, ärgert sich Hausarzt Walter Stuflesser, „wir Hausärzte sollen und müssen Aufgaben übernehmen, die von den Kinderärzten nicht länger erfüllt werden wollen. Es kann doch nicht sein, dass dann alles an uns hängen bleibt.“ Er befürchtet, dass die Neugeborenen bald schon den Hausärzten im Einzugsgebiet zugewiesen werden, auch wenn man dies in der Vergangenheit zu vermeiden versucht hat. Bisher haben es die meisten Hausärzte abgelehnt, Babys aufzunehmen, zum einen, weil auch sie zu viele Patienten haben und zum anderen, weil sie meist nicht für die Betreuung der Kleinsten ausgestattet sind.

„Die Situation ist unerträglich“, sagt Stuflesser.

Das ständige Hin und Her macht nicht nur Eltern und Kindern, sondern eben auch den Ärzten selbst zu schaffen. Derzeit versucht man einfach nur irgendwie über die Runden zu kommen: Die Kinder werden im Krankenhaus oder von den Hausärzten übergangsmäßig betreut. Aber das ist keine Lösung auf Dauer.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (4)

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  • einereiner

    Südtirol wird zwar noch keine sizilianischen Verhältnisse haben, aber weit weg davon sind wir nicht mehr. In Nordtirol funktioniert das Ärztewesen hervorragend. Los von Rom und von Martha Stocker und wir können auch in diesem Bereich wieder besser werden.

  • robby

    Aber wenn schon, dann auch bitte auch los vom Schael

  • lillli80

    ich verstehe die hausärzte total. sie sind bereits seit jahren zu zettelschreibern und handlangern der sanitätsbetriebe degradiert worden. dazu sind sie viel zu wertvoll. die hausärzte sollen primär ärzte sein. dafür haben sie die ausbildung gemacht. die (genannten) kinderärzte wissen um ihre rolle im gesundheitssystem und nutzen diese aus. das ist nicht richtig – weder den kindern gegenübern, noch den kollegen, die ihren dienst als hausarzt erledigen.
    die achso armen kinderärzte, für die eltern sogar auf die straße gehen, sind dem veranstalteten theater nicht würdig.

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