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    Der verdächtige Brief

    methanol mordIm Mordprozess gegen Jana Surkalova taucht ein Schreiben auf, das die Angeklagte erneut in Schwierigkeiten bringt.

    von Thomas Vikoler

    Sie hat denselben Vornamen wie die Angeklagte und ist aus Tschechien angereist, eine Zeugenaussage über eine Gossip-Geschichte zu machen: Das vermeintliche Liebesverhältnis von Jana Surkalova mit dem Fußballtrainer eines ihrer Söhne.

    „Ja, sie hat es mir selbst gesagt, dass sie eine Beziehung mit ihm hat“, gibt Zeugin Jana, die Partnerin des Bruders von Robert Kotulek, dem Arbeitskollegen des im Dezember 2013 an einer Methanolvergiftung verstorbenen Josef Surkala, im Bozner Schwurgerichtssaal zu Protokoll.

    Sie bestätigt damit ein potentielles Motiv Jana Surkalovas, ihren Ehemann während eines Besuchs in dessen Pfattner Äpfelklauber-Wohnung zu vergiften.

    Bei der Verhandlung am Freitag am Landesgericht tritt ein weiteres mögliches Mordmotiv in den Vordergrund: Die Lebensversicherung Josef Surkalas. Seine des Mordes angeklagte Gattin hatte vor Gericht Folgendes ausgesagt: Eine Freundin der Familie, welche die Lebensversicherung vermittelt hatte, habe ihr vor dem Tod ihres Mannes mitgeteilt, dass die Versicherung wegen nicht bezahlter Raten verfallen sei.

    Der Brief der Versicherung, welche die Anklage übersetzen ließ und gestern dem Gericht vorlegte, enthält eine etwas andere Auskunft: Demnach war Surkalas Lebensversicherung am 1. April 2013 verfallen. Brieflich mitgeteilt hat dies die Versicherung allerdings erst am 3. Jänner 2014, also wenige Wochen nach dem Tod des tschechischen Äpfelklaubers im Bozner Spital.

    Es besteht der Verdacht, dass Jana Surkalova erst an diesem Datum von der Nicht-Wirksamkeit der Lebensversicherung ihres Mannes erfuhr und bis dahin davon ausging, dass die Polizze aktiv sei. Und folglich einen zusätzlichen Grund hatte, ihren Mann mit Methanol zu vergiften.

    Ihr Verteidiger Boris Dubini hält das für abwegig. Er war in den vergangenen Tagen in Tschechien, um die Vermittlerin der Lebensversicherung in einem Krankenhaus zu befragen. Sie soll dabei bestätigt haben, Jana Surkalova von dem Verfall der Versicherung berichtet zu haben. Vor dem Tod Josef Surkalas.

    Weil diese Aussage im Prozess nicht verwendbar ist, soll die Zeugin nun auf telematischem Wege vom Gericht darüber befragt werden. Termin dafür gibt es bisher keinen.

     

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