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    Auf rauer See

    milch-alarm-negativ-angst-milchTrotz leicht gestiegener Milchmenge konnte Auszahlungspreis mit im Schnitt 49,98 Cent pro Kilogramm Milch nahezu stabil gehalten werden. Im Jahr 2016 haben 91 Bauern die Milchproduktion eingestellt.

    Kaum einmal hat das Bild eines stabilen Dampfers in rauer See so gepasst, wie zum Südtiroler Milchwirtschaftsjahr 2016.

    Während vom internationalen Markt nur Hiobsbotschaften kamen – Überproduktion, zusammenbrechende Preise, Unsicherheit – konnte sich die Südtiroler Milchwirtschaft 2016 behaupten und trotz leicht gestiegener Milchmenge den Auszahlungspreis stabil halten. „Die Sorgen um die Zukunft nimmt uns das aber nicht ab“, so der Obmann des Sennereiverbandes, Joachim Reinalter, am Freitag auf der Vollversammlung.

    Leicht steigende Mengen, trotzdem stabiler Preis

    Der Milchwirtschaft wird in diesen Jahren keine Verschnaufpause gegönnt. Seit dem Wegfall der EU-Milchquotenregelung und steigenden Produktionsmengen auch außerhalb Europas herrscht global ein Überangebot.

    „Das drückt enorm auf die Preise, denn Großhandelsketten kaufen international ein“, so Reinalter, der heute für eine weitere Amtsperiode zum Obmann des Sennereiverbandes gewählt worden ist. Einen leichten Anstieg der Anlieferungsmenge um 3,6 Prozent auf 392,1 Millionen Kilogramm hat es im vergangenen Jahr auch in Südtirol gegeben.

    Trotz dieses Plus konnte der Auszahlungspreis mit im Schnitt 49,98 Cent pro Kilogramm Milch aber nahezu stabil gehalten werden: „Wir haben ein Minus beim Auszahlungspreis von gerade einmal einem Cent zu verkraften“, so der Obmann.

    Reinalter ist überzeugt, dass die stabile Entwicklung trotz der widrigen Marktbedingungen auf drei Gründe zurückzuführen ist. „Da ist natürlich die hohe Qualität, die Südtiroler Milch und Milchprodukte auszeichnet, da ist der gute Ruf, den unsere Genossenschaften bei Handelsketten und Konsumenten haben, und da ist die Tatsache, dass der größte Teil der Milch veredelt wird“, erklärt der Obmann.

    Trotz gestiegener Anlieferung konnte also die Versandmilchmenge gering und damit die Wertschöpfung hoch gehalten werden, sodass der Umsatz der zehn Milchhöfe sogar – wenn auch nur leicht – gestiegen ist.

    Ein Wermutstropfen ist indes der anhaltend negative Trend bei der Zahl der Lieferanten. „Es ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine gesellschaftliche Entwicklung, die immer mehr junge Bauern veranlasst, die äußerst arbeitsintensive Milchwirtschaft aufzugeben“, so Reinalter. Im Jahr 2016 haben so 91 Bauern die Milchproduktion eingestellt, womit der Sennereiverband südtirolweit noch 4795 Milchlieferanten erfasst. Weiter dominieren dabei die überschaubaren Betriebe, 15 Milchkühe und eine Anlieferungsmenge von 81.000 Kilogramm sind der landesweite Schnitt. 

    Nachhaltigkeit als wichtiger Wert

    Gerade weil das internationale Marktumfeld immer schwieriger wird und die Ansprüche von Handelsketten und Konsumenten steigen, geht der Sennereiverband neue Wege, um Südtiroler Milch und Milchprodukte von der Konkurrenz abzuheben. So wurde 2016 das Projekt Nachhaltigkeit auf den Weg gebracht, mit dem Südtirols Milchwirtschaft einen umsichtigen und verantwortungsbewussten Umgang mit natürlichen Ressourcen festschreibt und kontrolliert.

    „Wir werden damit nicht nur unserer Verantwortung den Kunden und der Gesellschaft gegenüber gerecht, sondern bauen unser positives Image bei den Handelsketten weiter aus“, so der Sennereiverbands-Obmann. Damit kopple man sich weiter von der international negativen Preisentwicklung ab, was vor allem im Exportgeschäft wichtig sei. Südtiroler Milchprodukte gibt’s mittlerweile schließlich in 30 Ländern.

    „Das Nachhaltigkeits-Projekt ist ein Beispiel dafür, wie sich die Anforderungen der Abnehmer verändern und dass man immer versuchen muss, der Entwicklung einen Schritt voraus zu sein“, so Reinalter, „denn unsere Befürchtung ist, dass der negative Trend auf den Märkten anhält, dass die Preise auch künftig enorm schwanken und damit Unsicherheit bei Lieferanten, Genossenschaften und Konsumenten ausgelöst wird“. Angesichts dieser Entwicklungen, des immer härter umkämpften Marktes und der stetig steigenden Herausforderungen blickt der Obmann mit einiger Sorge in die Zukunft und weiß: „Wir können unser bewährtes System der Milchwirtschaft nur halten, wenn Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft an einem Strang ziehen und die Leistungen unserer Bergbauern weiterhin gebührend anerkannt werden.“

    Jubiläumsjahr 2016

    Trotz aller Zukunftssorgen hat man im vergangenen Jahr beim Sennereiverband nicht nur nach vorn, sondern auch zurück geblickt. Am 7. November 2016 konnte der Verband seinen 70. Geburtstag feiern, und zwar in Anwesenheit der Spitzen von Verband, Milchhöfen und Sennereien, von politischen Vertretern, Zeitzeugen und Wegbegleitern. Von allen wurde dabei die Bedeutung des Verbandes unterstrichen, der sich in diesen Jahrzehnten vom Ein-Mann-Betrieb zum größten Dienstleister für die Milchwirtschaft und zum Kompetenzzentrum rund um die Südtiroler Milch entwickelt hat.

    Dabei ist die Qualitätssicherung der Hauptaufgabenbereich des Verbandes. Mit 761.518 entlang der gesamten Produktionskette gezogenen Proben wurde der Wert von 2015 um ganze 10.000 übertroffen, insgesamt wurden mehr als fünf Millionen Einzelanalysen durchgeführt, damit die Milchqualität nicht nur stimmt, sondern auch gegenüber den Abnehmern nachgewiesen werden kann. Über den Verband läuft auch die Beratung der Milchlieferanten in Sachen Qualität, Tiergesundheit und Hygiene. 2016 wurden nicht weniger als 2338 Höfe von den Beraterteams aufgesucht.

    Landesbester 2016

    img_6648Weil Qualität das nach wie vor beste Argument auf den Märkten ist, legen Sennereiverband und Milchhöfe größten Wert auf bestmögliche Rohmilch und fördern diese nicht zuletzt durch eine Koppelung des Milchgeldes an die Qualitätsparameter der gelieferten Milch.

    Dieses System macht es zudem möglich, den Lieferanten mit der besten Milch Südtirols zu küren.

    In diesem Jahr ist dies Thomas Steger vom 1385 Meter hoch gelegenen Felderhof in St. Peter im Ahrntal, in dessen Stall acht Fleckvieh-Kühe und zwölf Stück Jungvieh stehen. Seinen Hof bewirtschaftet Steger mit seiner Frau Verena und den Kindern Magdalena (10) und Franziska (7) sowie mit Mutter Anna und deren Lebenspartner Josef.

    Für den Landesbesten ist das Geheimnis von Südtirols bester Milch eigentlich gar keines: Fleiß und das richtige Futter nennt er als wichtigste Zutaten und seine Mutter Anna fügt hinzu: „Man muss im Stall und auf dem Feld alles zur richtigen Zeit machen, man muss Glück haben und das Wichtigste ist: man muss Freude an der Arbeit haben.“

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (10)

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    • josef.t

      „91 Bauern die Milchproduktion eingestellt“ ?
      Die haben vielleicht verstanden, dass Ihrer Arbeit Lohn schöne Worte sind
      und die sie aussprechen, riesige Gehälter kassieren……
      Interessant wäre auch zu wissen, wieviel ein 1L Milch dem Steuerzahler
      wirklich kostet ?
      Menschen wie am Felderhof, die im Jahr 365/6 Tage arbeiten, deren
      Stundenlohn im „Vergleich“ zum Obmann, sicher etwas bedürftig ausfällt ?

    • meintag

      Im Obervinschgau Zone Laas Schluderns haben fast Alle auf Äpfel umgesattelt. Sollte zu denken geben oder?

    • holzmichl

      das ist scahde,das die Bauern keine Alternative haben. Ich als Hotel-Angsteller sehen jeden Tag die Milchprodukte wie Jogurt – Milch – Butter und Käse werden von Österreich und Bayern bezogen,weil diese 3 Cent billiger sind,wieso nicht unsere Bauern fördern, die Gäste benützen ja deren Wald,deren Langlaufloipen. Liebe Gastwirte kauft einheimische Produkte,daß nützt uns allen….

      • meintag

        Die Gäste benutzen die Wege welche aber auf Kosten der Allgemeinheit in Stand gehalten werden. Kein Bergbauer hat ohne Landesbeitrag die Zufahrt zum Hof bekommen.

        • yannis

          @meintag

          so ist es, mit Geldern aus EU Töpfen die zu 27-30 % aus dem Land stammen woher auch die meisten Gäste kommen, ausserdem bezahlen sie die Infrastruktur via „Tourismus-Abgabe“ mit.
          Es finden sich sogar an den Wegen zu den Höfen Schilder die auf deren EU Finanzierung hinweisen.
          Wenn man sagen könnte „EU Gelder raus“ , was würde dann wohl noch stehen geblieben sein ?

    • blb

      Laut deiner Logik darf ich mich also bei jedem, der eine wohnbauförderung erhalten hat, ungeniert ins Wohnzimmer setzen.

      • meintag

        Im Gegensatz zum Bergbauern bezahlt der Arbeitnehmer im Laufe seiner Arbeitsjahre ein Zigfaches an Steuern für die Allgemeinheit. Schon allein dafür hast du kein Recht ungefragt in seinem Wohnzimmer Platz zu nehmen.
        Im Übrigen habe ich die Zufahrten zu den Höfen angesprochen. Du kannst aber mal bein Einen oder Anderen Bergbauern versuchen ob er dir ungefragt Platz anbietet. Es gibt auch dort Neubauten welche mit Landesgeldern finanziert sind. Vielleicht mehr als beim Arbeitnehmer.

        • yannis

          sage ich doch EU Gelder raus, und schauen was dann noch stehen geblieben ist.

        • einereiner

          @meintag
          Die Bergbauern zahlen mehr Steuern als ein normaler Angestellter! Sie können vom Bergbauernhof allein nicht leben und haben alle noch einen anderen Beruf. Somit zahlen sie dort Einkommenssteuer wie jeder andere. Und dieses bereits versteuerte Geld investieren sie in Maschinen. Da sie alle im Pauschalsystem sind, zahlen sie die MwSt voll! Also zahlen sie insgesamt deutlich mehr Steuern als DU!

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