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    Zitternde Anleger

    onecoinDie Schlinge um die in Südtirol weit verbreitete Kryptowährung OneCoin zieht sich immer weiter zu. Einzelne Südtiroler verdienen derweil Millionen.

    von Heinrich Schwarz

    Drei Millionen Menschen seien inzwischen Teil des OneCoin-Netzwerkes, wird im Internet gefeiert. Zweifelsohne finden sich darunter auch sehr viele Südtiroler. Denn beim Start der Kryptowährung OneCoin vor einigen Jahren sind hierzulande einige Personen eingestiegen, die seither laufend neue Mitglieder anwerben. Durch das besondere Geschäftsmodell und die lukrativen Versprechungen sind die Wachstumszahlen enorm.

    Das Geschäftsmodell

    Worum geht es bei der Kryptowährung OneCoin?

    Wer in dieses Geschäftsmodell einsteigen will, kann im Internet sogenannte Ausbildungspakete erwerben, die zwischen 110 und 27.500 Euro kosten. Diese Pakete enthalten „Token“, die dann in OneCoins umgewandelt werden können. Um Zugang zum Umwandlungsprozess zu haben, ist eine einmalige Gebühr von 30 Euro vorgesehen. Die Kryptowährung kann danach auf einer Plattform gehortet oder gehandelt werden.

    In Zukunft, so zumindest der Plan, sollen die virtuellen OneCoins auch ausgegeben werden können. Bis dahin, so heißt es in den Werbevorträgen, könne man von der Wertsteigerung profitieren.

    Sofort Geld verdienen kann man, wenn man andere Personen dazu bringt, Ausbildungspakete zu kaufen. Die Provision beträgt zehn Prozent des Wertes. Wie in den Vorträgen erklärt wird, kann man sogar auf vier Ebenen mitverdienen. Werbe ich also einen Freund an, der danach ebenfalls eine Person anwirbt, erhalte ich auch eine Provision auf die Käufe dieser Person – usw.

    Zehn Prozent beträgt die Provision für die ersten beiden Ebenen, 20 Prozent für die dritte und 25 Prozent für die vierte. Daneben gibt es noch weitere mögliche Bonuszahlungen.

    Südtiroler Multimillionäre

    Einzelne Südtiroler, die sich ein großes Netzwerk aufgebaut haben, hat dieses Geschäftsmodell steinreich gemacht. So etwa den Vinschger Anton Federspiel, dessen Vorträge und Stellungnahmen im Internet – etwa auf YouTube – zuhauf zu finden sind. Vor einem Jahr erklärte Federspiel, er habe seit seinem Einstieg bei OneCoin im April 2015 bereits 72.000 Partner gewonnen. Er verdiene pro Woche 50.000 Euro.

    Seither ist wieder ein Jahr vergangen. In einer Grafik mit den weltweiten Top-Verdienern, die auf OneCoin-nahen Seiten zirkuliert, scheint Anton Federspiel mit einem Monatseinkommen von 825.000 US-Dollar auf. Das ist Platz sechs!

    In dieser Grafik sind an der zweiten Stelle aber auch andere Südtiroler zu finden: die „Steinkeller Brothers“ mit insgesamt 2,55 Millionen Dollar pro Monat – 30,6 Millionen im Jahr.

    Anders als Anton Federspiel sind die Gebrüder Steinkeller – Aron, Christian und Stephan – keine Quereinsteiger im Network-Marketing. Das Internet ist voll von Berichten und Videos von und über die Steinkeller-Brüder. Seit bald 20 Jahren seien sie im Network-Marketing aktiv, unter anderem bei Herbalife, Organo Gold, mit dem eigenen Unternehmen Conligus und jetzt bei OneCoin. Seit vielen Jahren sind die Steinkeller-Brüder auf der ganzen Welt unterwegs.

    Ihr Erfolg in diesem Bereich ist schier einzigartig, wie auf Fotos und Videos unschwer zu erkennen ist.

    Die Ermittlungen

    Doch während sämtliche OneCoin-Leader davon schwärmen, dass die Zukunft der Zahlungsmittel OneCoin gehöre und immer mehr Menschen mit dieser Euphorie angesteckt werden, herrscht bei den Behörden Hochbetrieb. Verbraucherschützer warnen bereits seit langem vor OneCoin. Wer einsteigt, gehe ein hohes Risiko ein. Die deutsche Stiftung Warentest etwa hat OneCoin auf ihre Warnliste gesetzt.

    In Italien ist seit November die Wettbewerbsbehörde AGCM in Zusammenarbeit mit einer Spezialeinheit der Finanzwache aktiv. Wie bereits berichtet, hat die AGCM Ende Dezember gegenüber der bulgarischen Gesellschaft One Network Services Ltd. sowie den Betreibern der Websites onecoinsuedtirol.it und onecoinitaliaofficial.it eine vorbeugende Verfügung erlassen und damit den Stopp der Vermarktung und Verbreitung von OneCoin und der damit verbundenen Ausbildungspakete angeordnet.

    Die AGCM erklärte: „Aus den bisher gesammelten Erkenntnissen geht hervor, dass die höchst fragwürdige Darstellung der Vorteile in Wirklichkeit darauf ausgelegt ist, eine hohe Anzahl an Verbrauchern zum Einstieg in das System zu bewegen, was auf ein gesetzlich verbotenes Pyramidensystem hinweist. Niemand hat angemessene Erklärungen geliefert, um die Wahrscheinlichkeit der versprochenen Resultate und die Funktionsweise des Systems verstehen zu können.“ Verbraucher sollen noch vor Ende des Ermittlungsverfahrens vor eventuellen Schäden geschützt werden.

    Ende Februar hat die AGCM die vorbeugende Verfügung auf die Firmen OneLife Network Ltd. (mit Rechtssitz in Belize) und Easy Life Srl ausgeweitet. Bei Nicht-Beachtung der Verfügung drohen Verwaltungsstrafen von 10.000 bis 5.000.000 Euro.

    Eingefrorene Konten

    In Deutschland ist es die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die gegen OneCoin und die damit verbundenen Gesellschaften ermittelt. Und von der BaFin gibt es interessante Neuigkeiten:

    Sie verfügte an die „International Marketing Services GmbH“ (IMS), „das unerlaubt für Onecoin Ltd, Dubai, betriebene Finanztransfergeschäft mit OneCoin-Anlegern sofort einzustellen“ und ordnete die „Abwicklung der unerlaubten Geschäfte“ an. Die Zwangsgeldandrohung bei Zuwiderhandlung setzte die BaFin auf insgesamt 1,65 Millionen Euro an. Das noch vorhandene Bankguthaben muss an diejenigen Einzahler zurücküberwiesen werden, die zuletzt Zahlungen an die IMS vorgenommen hatten.

    Die BaFin erklärt den Hintergrund:

    „Die Onecoin Ltd, Dubai, steht in einem Verbund von Unternehmen, die unter der Marke OneCoin über ein mehrstufiges Vertriebssystem weltweit und auch in der Bundesrepublik Deutschland virtuelle Werteinheiten vertreiben, die sie als Kryptowährung deklarieren. Im Auftrag von Onecoin Ltd ließ sich die IMS International Marketing Services GmbH von Anlegern, die in den Besitz von Onecoins kommen wollten, die dafür zu leistenden Entgelte auf wechselnde Bankkonten bei verschiedenen Kreditinstituten in Deutschland überweisen und leitete die Gelder im Auftrag von OneCoin Ltd an Dritte insbesondere auch außerhalb Deutschlands weiter.

    Die Dienstleistung ist als Finanztransfergeschäft (…) zu qualifizieren, das als Zahlungsdienst (…) unter Erlaubnisvorbehalt steht. Die erforderliche Erlaubnis, die durch die BaFin zu erteilen gewesen wäre, hatte und hat die IMS International Marketing Services GmbH nicht.

    Insgesamt hat die IMS (…) aufgrund der mit der Onecoin Ltd geschlossenen Vereinbarung zwischen Dezember 2015 und Dezember 2016 rund 360 Millionen Euro angenommen. Davon liegen noch rund 29 Millionen Euro auf den derzeit gesperrten Konten.“

    Es geht also um enorme Summen, die über verschiedenste Konten ins Ausland weitergeleitet worden sind. Die bekannten, noch aktiven Konten waren durch die BaFin bereits im Februar gesperrt worden.

    Am Dienstag hat die BaFin schließlich auch die Firma OneCoin Ltd. angewiesen, seine Geschäftstätigkeit in Deutschland in Bezug auf die genannten Finanzgeschäfte mit IMS einzustellen. Andere Tätigkeiten rund um OneCoin sind demnach nicht betroffen.

    Nichtsdestotrotz zieht sich die Schlinge um OneCoin immer weiter zu. Immer mehr Anleger zittern um ihr Geld.

    Klappt es mit der angepriesenen Finanzrevolution? Oder bricht das OneCoin-System zulasten der kleiner Anleger zusammen, während die obere Etage ihre Millionen im Trockenen hat? Oder greifen die Behörden hart durch?

    In Italien wird jedenfalls gespannt auf die Ermittlungsergebnisse der Wettbewerbsbehörde gewartet.

    Die OneCoin-Exponenten lassen sich derweil nicht drausbringen und gehen ihren Weg weiter. Es seien der Staat und die Banken, so heißt es, die den Erfolg von Kryptowährungen mit allen Mitteln verhindern wollen.

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (8)

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    • ahaa

      Glaubt irgendjemand wirklich das die Elite eine andere Wàhrung akzeptiert?
      Gadaffi,Saddam…. wollten es vormachen. 😉
      Die Reichen leben von den Dummen und die von der Arbeit!

      • zz-flop

        es mag schon sein, dass die Elite keine andere Währung akzeptiert, die Frage ist aber, ob es sinnvoll ist, eine alternative Währung zu akzeptieren, die von einem Privatunternehmen ausgeht. Wenn schon eine Alternative, dann eine die tatsächlich vom Volk ausgeht. Ich halte es für sehr naiv, wenn man glaubt, dass Onecoin ein nachhaltiges Finanzsystem aufbauen will. Im besten Fall tauscht man eine Elite gegen eine andere aus.

    • hohflo

      Schneeballsystem den Letzten beißen die Hunde

    • ambedue

      … wer noch mehr zum Lesen und Staunen aufgelegt ist, bitte: https://www.gerlachreport.com/

    • erbschleicher

      Mir tut keiner dieser Anleger leid. Wenn jemand einen vernünftigen hausverstand hat, dann versteht er dass er mit solch einer Währung nie und nimmer reich werden kann.
      würde es sonst den Euro oder überhaupt eine Währung noch geben?
      Ich kenne Leute die sogar soo Dumm waren und einen Kredit aufgenommen haben um schnell reich zu werden. HA HA HA HA HA 🙂

      Wirklich DUMM gelaufen!

    • yannis

      so mancher mit an sich einen vernünftigen Hausverstand ist auf so Dinge wie OneCoin nicht hereingefallen, dafür aber auf einen echten Erbschleicher, was im Endeffekt immer einen oder mehrere Betrogene hinterlässt.

    • reiki

      Heinrich mir graut vor dir! Warum nur siehst du so schwarz? Wenn du nur mit einem winzig kleinem Nebensatz erwähnt hättest dass man im dealshaker.com tausende Produkte mit onecoin bezahlen kann, und dies wunderbar funktioniert, hätte ich nicht so vernichtend urteilen müssen! Schau einfach mal rein! Die Coins für eine schöne Handtasche für die Freundin spendier ich dir! Nur weiter so!

    • florianegger

      In Zukunft werden wir mehr als eine einzige Währung haben. Ob dies Onecoins sein werden, ist eine andere Frage.

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