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    Wieder eine Huppert

    Fangen wir mit dem Wichtigsten an. Bis kommenden Donnerstag ist Kaurismäkis „The Other Side of Hope“ noch zu sehen. 

    von Renate Mumelter

    Kaurismäkis Film verdient es, gesehen zu werden. Er ist gegenwärtig, schön, menschlich.

    In einer ganz anderen Welt, unserer bürgerlichen, ist Mia Hansen-Løves „Alles was kommt“ („L’avenir“) zu Hause. Die immer wieder umwerfende Isabelle Huppert spielt diesmal eine Philosophielehrerin in der späten Mitte ihres Lebens. Ihre alte Mutter ist depressiv und muss ins Altersheim, ihr Mann, ebenfalls Philosophielehrer aber etwas konservativer, zieht zu einer Jüngeren, die Kinder sind erwachsen und ziehen aus, und ihr Verlag verzichtet aus Marketinggründen auf sie.

    Nathalie muss sich ihr Leben neu einrichten. Dabei hilft ihr vor allem die Philosophie, auch wenn im gut gefüllten Bücherregal Schopenhauers „Die Welt als Wille und Vorstellung“ nicht mehr an seinem Platz steht. An diesen Kleinigkeiten ist nicht schwer zu erkennen, dass die Regisseurin mit Philosophie mehr als in Berührung gekommen ist. Mia Hansen-Løve ist als Kind einer Philosphielehrerin und eines Übersetzers in Paris geboren und dort aufgewachsen. Jetzt legt die 36-Jährige der alternden Nathalie so nachvollziehbare Sätze wie „ich bin zu alt für Radikalität, da bin ich schon durch“ in den Mund.

    Es ist wie immer ein Genuß, Isabelle Huppert beim Spielen zuzusehen, weil sie nie spielt sondern  zu sein scheint. In diesem Fall ganz im Einklang mit dem Film, der auch so tut, als würde er im Alltag zuschauen ohne zu inszenieren, mal fader, mal spannender, mal tränenreich, mal lustig, so dahin eben. Im Erzählstil erinnert Mia Hansen-Løves Film an die Filme von Olivier Assayas, die auch schlicht Leben erzählen. Die beiden sind übrigens ein Ehepaar. „L’avenir“  bekam 2016 den Silbernen Bären für die beste Regie.

    L’avenir (FR/DE 2016), 100 Min., Regie  Mia Hansen-Løve, mit Isabelle Huppert. Bewertung: Sehenswert

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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