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    Die halbe Wahrheit

    Stefan perini

    Stefan perini

    Bei 31 Prozent der Südtiroler Arbeitnehmer reicht das Geld kaum oder nicht bis ans Monatsende. Und immer mehr Arbeitnehmer sind prekär beschäftigt.

    von Artur Oberhofer

    Stefan Perini wartet mit einer guten Nachricht auf: „Der wirtschaftliche Aufschwung festigt sich.“ Der AFI-Direktor schränkt aber gleich ein: „Südtirols Arbeitnehmer haben im Moment aber eher wenig davon.“

    Die schlechte Stimmung in der Südtiroler Arbeitnehmerschaft leitet das AFI von sieben Indikatoren ab. So geben beispielsweise 31% der Arbeitnehmer an, nur mit Schwierigkeiten über die Runden zu kommen, weil das Geld nicht bis ans Monatsende reicht.

    Zwar hat sich der Positiv-Trend am Südtiroler Arbeitsmarkt auch in den ersten Jahresmonaten 2017 fortgesetzt. Seit einigen Monaten liegt die Arbeitslosenrate wieder unter der Marke von 4 Prozent. „Diese Daten allein sagen aber nur die halbe Wahrheit“, erklärt AFI-Chef Stefan Perini.

    Denn noch nie sei der Anteil an Festanstellungen so gering wie derzeit gewesen: Im Jahr 1998 waren noch 82% der Arbeitsverhältnisse unbefristet und nur 18% befristet. Im Jahr 2016 machen die Festanstellungen nur mehr 74% aus, während die zeitlich befristeten Verträge auf 26% angestiegen sind. Der Beschäftigungszuwachs sei ausschließlich auf dem Vormarsch von Teilzeitarbeit zurückzuführen, so Perini.

    Die Zahlen: Die Vollzeit-Arbeitsverhältnisse bleiben zwischen 2002 und 2016 relativ konstant bei 140.000, die Teilzeitverhältnisse nehmen von 15.000 auf 52.000 zu.

    Die wieder anziehende internationale Konjunktur dürfte zwar auch auf Südtirol positiv abfärben – „trotzdem sind die Risikofaktoren so präsent wie noch nie“, so Stefan Perini. Die Südtiroler Wirtschaft begegne den Herausforderungen mit einem guten allgemeinen Gesundheitszustand, mit einer gefestigt positiven Grundstimmung und einem zuversichtlichen Arbeitsmarktausblick. Dies veranlasst das AFI, an seiner Wachstumsprognose von +1,4% festzuhalten. Damit wächst Südtirols Wirtschaft zwar etwas schwächer als die der Euro-Länder, aber stärker als Gesamtitalien.

    Im Frühjahrsbarometer hat das AFI auch die Zufriedenheit am Arbeitsplatz, die Bewertung von Belastungs- und Entlastungsfaktoren und die Einschätzung der körperlichen und geistigen Fitness. Die Zufriedenheit am Arbeitsplatz hat in den letzten drei Jahren von hohem Niveau aus etwas abgenommen.

    Die Verschlechterung zeigt sich quer durch alle Indikatoren, am stärksten aber was die Weiterbildungsmöglichkeiten, den Führungsstil des Vorgesetzten und das Ansehen der Arbeitnehmer in der Gesellschaft anbelangt. Ein steigender Anteil an Arbeitnehmern (62%) glaubt hingegen, mit 65 Jahren noch den derzeitigen Beruf ausüben zu können. Als zentrale Maßnahmen zur Verlängerung des Arbeitslebens werden folgende angesehen: weniger Stress, bessere zwischenmenschliche Beziehungen, faire Einkommen.

    Und was sagt die zuständige Landesrätin zu den neuesten AFI-Daten?

    Martha Stocker:

    „Der wirtschaftliche Aufschwung in Südtirol setzt sich fort. Die Entwicklung am Arbeitsmarkt ist recht zufriedenstellend, auch wenn nicht alles Gold ist, was glänzt – siehe die große Zahl von befristeten Verträgen.“

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