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Mit Blick nach Mekka

paul-christanellDer Naturnser EU-Fleischverarbeitungsexperte Paul Christanell hatte die Gelegenheit, das Schächten in Marokko zu beobachten. Er zeigt sich entsetzt über diese Schlachtmethode.

von Friedrich Haring

Paul Christanell aus Naturns ist EU-Fleischverarbeitungsexperte und kommt in dieser Eigenschaft in viele Orte Asiens und Afrikas.

Kürzlich besuchte er auf Anfrage die Stadt Meknés in Marokko, um dort Fleischproduzenten darüber zu unterrichten, wie man Würste und andere Spezialitäten herstellt.

Der Markt dafür ist in vielen Ländern im Wachsen.

Dabei hatte er auch die Gelegenheit, die Schlachtmethoden in diesem Land zu beobachten und zu dokumentieren. Paul Christanell ist selbst Metzger und hat dieses Handwerk viele Jahre ausgeübt. Für ihn war es also gar nichts Neues, sich in einem Schlachthaus zu bewegen. Dennoch möchte er der Meinung entgegentreten, dass das Schächten, wie es in diesen Ländern ausgeübt wird, eine tierfreundliche Methode des Schlachtens darstellt.

Gegenüber der TAGESZEITUNG sagt Paul Christanell:

„Was mich besonders entsetzt ist diese Gefühllosigkeit und Respektlosigkeit mit der Tiere ganz allgemein in diesen Ländern behandelt werden.

schaechten2Ich konnte die Angst und Verzweiflung der Tiere genau beobachten, wenn sie in das Schlachtgerät, übrigens ein in Österreich erzeugtes Gerät, eingezwängt wurden. Das Rind wird in einer Trommel seitlich zusammen gedrückt und dann umgedreht. Der Kopf des Tieres wird nach oben gedrückt, damit der Hals freiliegt. Dabei muss das Rind in Richtung Mekka blicken.

Dann kommt der Metzger mit einem langen Messer und schneidet den Hals auf, damit das Tier ausblutet, ein Vorgang, der mehrere Minuten in Anspruch nimmt, den die Tiere bewusst miterleben müssen. Ziegen, Schafen und anderen Kleintieren geht es meist noch schlimmer.“

Das traurige Fazit von Paul Christanell:

„Die Grausamkeit gegen die Tiere, die Achtlosigkeit gegenüber ihren Angstgefühlen und dem schier unerträglichen Leid ist meiner Ansicht nach ein großes Vergehen, das leider täglich und millionenfach geschieht. Die verzweifelten Schmerzensschreie der gefolterten Mitlebewesen möchte ich aus meiner Erinnerung verdrängen, aber es gelingt mit nicht.

schaechten1Zu diesen Quälereien zähle ich auch die zahllosen und oft sinnlosen Tierversuche unter dem Vorwand der Wissenschaft. Eine Schlachtung ist immer ein gewaltsamer Akt, bei dem einem Tier das Leben genommen wird. Ich denke jedoch, dass unsere Schlachtmethoden für das Tier wesentlich weniger Stress verursachen und unnötiges Leid ersparen helfen.

Überdies dürfte sich das auch auf die Qualität des Fleisches positiv auswirken. Schlachten ist ein professioneller Vorgang, der mit Religion nichts zu tun hat und nicht zu tun haben darf, aber vom Respekt für das Lebewesen getragen sein soll. Das sollte für die Menschen in allen Ländern gelten.“

 

 

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