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    Frauen auf der Pirsch

    andrea-aster1Immer mehr Frauen legen sich in Südtirols Wäldern auf die Lauer. Andrea Aster ist seit sieben Jahren Jägerin und klärt auf, warum es in der Jagd weniger ums Schießen, als vielmehr um Wildpflege geht.

    Dunkle Hose, braun-grüne Jacke, langer dichter Bart, ein Hut mit Feder auf dem Kopf und ein geschultertes Gewehr. So stellt man sich einen Jäger vor, wie man ihn aus Filmen, Büchern oder Serien wie Forsthaus Falkenau kennt. Ein Mann, der sich im Wald auf die Lauer legt oder stundenlang mit dem Jagdhund durch die Wälder streift, um Rehe und Wild zu beobachten.

    Heute sieht der typische Jäger aber anders aus. Heute sieht man auch junge, hübsche Frauen mit rotlackierten Nägeln, die sich mit ihren Trophäen und Gewehr zeigen.Die ehemalige Miss Südtirol Andrea Aster ist eine von ihnen und seit sieben Jahren Jägerin. Seit 1990 hat sich die Anzahl der Jägerinnen in Südtirol fast versechsfacht: Während 1990 nur 55 Frauen als Jägerinnen aktiv waren, so sind es 2016 329 Frauen mit Jagdschein. „Ich glaube nicht, dass sich Frauen erst seit kurzem für die Jagd interessieren. In der Jagd ist es aber wahrscheinlich wie in vielen anderen Bereichen: Früher hat man gesagt, dass die Jagd nichts für Frauen ist und durch die Emanzipation haben sich nun auch Frauen in dieses Gebiet gewagt“, erzählt die Sarnerin.

    Warum die Jagd auch bei Frauen so beliebt ist? Ein Hobby in der freien Natur? „Nein, das Jagen ist kein Hobby“, möchte Andrea Aster klarstellen, „Jäger zu sein, ist eine Lebenseinstellung.“ Auf die Jagd zu gehen, habe nichts damit zu tun, das Gewehr zu schultern, in den Wald zu gehen und das erstbeste Tier zu erlegen, nur weil es einem Spaß macht. „Man erfüllt als Jäger einen Zweck und muss auch die Abläufe kennenlernen und einhalten“, betont Andrea Aster. Die Jäger im Land sind für das Gleichgewicht im Wald verantwortlich und müssen dafür sorgen, dass keine Tierart überhand nimmt.

    Die Jagd wurde der Sarnerin in die Wiege gelegt: Andreas Opa war Jäger, genauso wie ihr Vater auf die Jagd geht. „Ich wusste eigentlich schon als Kind, dass ich Jägerin werden möchte“, erzählt Andrea Aster.

    Andrea Aster

    Andrea Aster

    Auf ihre Jagdleidenschaft reagieren die Leute verschieden – aber nicht, weil sie eine weibliche Jägerin ist, sondern weil das Thema Jagd generell sehr kontrovers diskutiert wird. „Viele können uns nicht verstehen, haben ein falsches Bild von der Jagd im Kopf und verbinden Jäger automatisch mit Wilderern – obwohl das nichts miteinander zu tun hat“, weiß Andrea Aster. Darum hätten viele Leute, die sich nicht besonders mit der Thematik beschäftigen, kein sonderlich gutes Bild von Jägern.Früher hat man Andrea Aster mindestens einmal pro Woche im Wald angetroffen, heute als Mutter eines kleinen Jungen, wird es oftmals schwieriger. Aber selbst während ihrer Schwangerschaft ist sie ihrer Leidenschaft noch gefolgt. „Ich mag es einfach durch die Wälder zu gehen und das Wild zu beobachten“, sagt die Sarnerin. „Ich kenne nichts, was entspannender ist, als im Hochsitz zu sitzen, den Vögeln zu lauschen und das Wild zu beobachten“, schwärmt Andrea Aster.

    Fleisch kommt im Hause Aster sehr bewusst auf den Tisch, meist von Tieren, die vom eigenen Bauernhof stammen oder eben vom Wild, das Familienangehörige selbst erlegt haben. „Man weiß, wo das Fleisch herkommt und wie die Tiere zuvor gelebt haben und muss sich keine Gedanken über Zuchthäuser oder Schlachthöfe machen“, so die Sarnerin, die die Verarbeitung der erlegten Tiere mit ihrem Mann übernimmt. Am liebsten geht die junge Mutter auf Hirschjagd: „Man weiß nie, ob man das Glück hat, einen Hirsch zu sichten, da es bei uns im Sarntal kaum welche gibt, zudem muss man das Glück haben, diesen dann auch schießen zu dürfen. Ich mag die Hirschjagd aber trotzdem am liebsten, weil einfach die Spannung so groß ist“, schwärmt die Jägerin, die alle ihre Trophäen in Ehren hält und sich an jedes einzelne Tier erinnern kann. „Ich erinnere mich an jedes Tier und natürlich denkt man auch über jedes Tier nach, wenn man es im Gras liegen sieht“, erzählt Andrea Aster, die ergänzt wie schwierig es ist, jemanden, der nichts mit Jägern zu tun hat, zu erklären, was Jäger wirklich machen.

    Ein Jäger sei nicht nur fürs Schießen zuständig. „Der Jäger ist auch derjenige, der den Tieren im Winter Futter bringt und im Frühsommer auf- passt, dass die Jungtiere im hohen Gras nicht von Mähgeräten verletzt werden“, sagt die Sarner Jägerin. Ob Männer oder Frauen die besseren Jäger sind, darüber kann die Sarnerin nur schmunzeln: „Männer würden es wahrscheinlich nie zugeben, aber Frauen sind oft die besseren Jäger, weil sie mit dem Herzen denken und ein ruhigeres Händchen haben.“

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    Kommentare (10)

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    • kleinlaut

      Frau Aster, der 1. April war gestern!

      • brutus

        …sogar im Nationalpark Stilfserjoch muss das Rotwild jetzt reguliert werden, weil kein Jungwald wegen Verbiss mehr aufkam. Und ein veralteter Schutzwald erfüllt nicht mehr seinen Zweck, aber ich will nicht das eine Lawine unser Dorf gefährdet. Ob diese Alternativen, hässlichen Lawinenverbauungen im Park schöner und natürlicher sind, wage ich zu bezweifeln.

        • kleinlaut

          Das mag sogar stimmen, aber müssen diese Weiber deswegen wie „Hallali“ Modepuppen herumrennen und bei jeden „Event“ genauso waidmännisch durchgestylt auftauchen um diesen Zweck zu erfüllen!? Das ist doch reines Imponiergehabe und hat nichts mit hegen und pflegen zu tun…

          • kleinlaut

            Ach ja, bevor sich jemand über die Bezeichnung „Weiber“ mokiert: Frauen sind das in meinen Augen nicht die meinen , eine solche „Aufgabe“ übernehmen zu müssen!

    • watschi

      das einzige was mir auf den keks geht, dass frauen immer wieder betonen müssen eigentlich überall besser als die männer zu sein. das wäre da gleiche wenn männer behaupten würden, ja eigentlich bekommen die frauen die kinder aber männer kònnten das bestimmt besser, weil sie nicht so hysterisch sind. ist ja quatsch, oder?

    • fcpichler

      @watschi. Aber ohne einen „Beitrag“ vom Mann, nix Bambini.

    • richard

      Je mehr man vom Menschen erfährt, desto größeren Abstand nimmt man ein.
      Leben nehmen ist ein Verbrechen, daher kann man solchen Menschen keine Achtung schenken.

    • tre

      „Man weiß nie, ob man das Glück hat, einen Hirsch zu sichten, da es bei uns im Sarntal kaum welche gibt“
      Wenn es schon kaum welche gibt,warum muss man diese noch abschießen? Das selbe gilt für andere Tiere die keinen Schaden anrichten wie z.B. Spiel- und Auerhahn…

    • meinemeinung

      Wildpflege ist schon gemein , dass Jäger Hege und Pflege brauche ist allgemein bekannt ,wurde ja von unserem 1. Bürger im Land Jahrelang vorgelebt und gebraucht .
      Die Jägerinnen wurden gerufen und Sie sind gekommen (((-: zum Hegen und Pflegen

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