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    Das Kartenhaus

    Die Ermittler am Tatort (Foto: l'Adige)

    Die Ermittler am Tatort (Foto: l’Adige)

    Der Auslöser der Tragödie von Trient waren wohl die finanziellen Probleme von Gabriele Sorrentino. Der Ex-Carabiniere soll die gesamten Ersparnisse verzockt haben.

    von Artur Oberhofer

    Es war die Mutter, die am Montag gegen Mittag, als sie von der Arbeit nach Hause kam, die makabre Entdeckung machte:

    Im Wohnzimmer, in einer Blutlache, lagen ihre beiden Söhne, zweieinhalb und vier Jahre alt. Beide tot.

    Wie sich später herausstellt: Erschlagen mit einem Hammer. Vom Vater.

    Die Familientragödie in der Via Costituzione in Trient hat für großes Aufsehen und Entsetzen gesorgt. Der Bischof von Trient, Lauro Tisi, sagte: „Es ist eine Familientragödie, die einem den Atem nimmt.“

    Auslöser der Tragödie waren offenbar die finanziellen Probleme, in die sich Gabriele Sorrentino verstrickt hatte. Der Mann soll nach seinem Ausscheiden als Hubschrauberpilot bei den Carabinieri vor ein paar Jahren seine gesamten Ersparnisse mit riskanten Börsenspielen verzockt haben. Ohne Wissen seiner Frau.

    Am Montagnachmittag hätten Sorrentino und seine aus Bozen stammende Ehefrau Sara bei einem Notar die letzte große Leasingrate für eine Wohnung hinterlegen müssen.

    Die Familie hatte über das Rent or buy-System ein 1,2 Millionen Euro teures Penthouse in bester Lage in Trient erwerben wollen.

    In der Luxuswohnung lebte die Familie bereits seit zwei Jahren.

    Nach außen hin vermittelte Gabriele Sorrentino den Eindruck eines erfolgreichen Finanzjongleurs, der seiner Familie einen Lebensstil auf hohem Niveau bieten kann.

    Spätestens beim Notar hätte Gabriele Sorrentino sich offenbaren müssen. Sein Lügengebäude wäre wie ein Kartenhaus in sich zusammengekracht. Er hätte seiner Frau sagen müssen, dass er das ganze Ersparte (das teilweise aus dem Verkauf eines Hauses in Mezzocorona herrührt) verspielt hat. Die Frau ist Tierärztin, sie arbeitet für einen Pharmakonzern in Südtirol.

    Gabriele Sorrentino hat seine (finanzielle) Situation wohl als aussichtslos empfunden.

    Am Montag hätte der Mann, so wie immer, seine beiden Söhne in die Kita bzw. zur Schule bringen sollen.

    Die Tochter, 16 Jahre alt, war in Spanien. Auf einem Schulausflug.

    Gabriele Sorrentino hatte seine beiden Söhne bereits angezogen. Dann hat er sie mit einem Hammer erschlagen. Den einen Sohn, das ergab die Autopsie am Dienstag, mit einem Schlag. Den zweiten Sohn mit drei oder vier Schlägen.

    Dann setzte sich der Mann in seinen teuren Volvo CC90 und fuhr nach Sardagna, wo er sich über eine Felswand hinunterstürzte.

    LESEN SIE AM MITTWOCH IN DER PRINT-AUSGABE:

    * Wie der Psychiater Reinhard Haller das Phänomen des Mitnahmesuizids erklärt

     

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    Kommentare (1)

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    • markp.

      Ich werde nicht über ihn urteilen, weil er Schulden machte und ich werde auch nicht über ihn urteilen, weil er sich das Leben nahm..

      Aber um Gottes Willen, warum muß manch Selbstmörder andere unschuldige – gar Kinder – mitreinziehen!

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