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    „Unlauterer Wettbewerb“

    interior new loft, ethnic furniture, living roomHGV und Verband der Privatvermieter zeigen sich erfreut darüber, dass in Südtirol erstmals gegen illegale Wohnungs- und Zimmervermieter vorgegangen wurde. Die erstaunlichen Zahlen.

    von Heinrich Schwarz

    Die Vermittlungs-Plattform Airbnb ist ein großer Erfolg: Weltweit sind inzwischen über zwei Millionen Inserate für Zimmer, Wohnungen und ganze Häuser zu finden. Vor dem Tourismusland Südtirol macht der Erfolgszug keinen Halt: Laut einer Erhebung des nationalen Hoteliersverbandes Federalberghi wurden an einem bestimmten Tag im August 2016 insgesamt 1.070 Objekte – davon 764 ganze Wohnungen – angeboten.

    Die Funktionen bei Airbnb sind einfach: Wer einen freien Wohnraum hat, kann diesen kostenlos mit den wichtigsten Informationen inserieren. Gibt es einen Interessenten, stellt Airbnb den Kontakt her und kassiert bei erfolgreicher Buchung eine variable Servicegebühr von Gast und Gastgeber.

    So weit, so gut. Das Problem: Auf Airbnb tummeln sich etliche Zimmer und Wohnungen, hinter denen keine gewerbliche Tätigkeit steht. Der Vermieter zahlt demnach keine Steuern und entrichtet keine Ortstaxe – und kann dementsprechend günstiger anbieten als die legale Konkurrenz. „Ein unlauterer Wettbewerb“, klagt man beim Hoteliers- und Gastwirteverband (HGV) und beim Verband der Privatvermieter Südtirols (VPS).

    HGV-Präsident Manfred Pinzger bestätigt, dass es dieses Phänomen auch auf der international bekannten Buchungs-Plattform booking.com gibt, die hauptsächlich für Hotel-Suchen genutzt wird. Auf der Suche nach der günstigsten Unterkunft werden reguläre Betriebe also klar benachteiligt. „Die Plattformen sind nur für die Präsentation und den Buchungsvorgang zuständig. Für die gesetzlichen Voraussetzungen hat jeder selbst zu sorgen“, sagt Pinzger.

    Wie gestern berichtet, hat die Bozner Stadtpolizei der illegalen Wohnungs- und Zimmervermietung jetzt den Kampf angesagt. Gegen fünf Immobilienbesitzer im Zentrum von Bozen wurden Strafen verhängt. Diese hatten ihre Räumlichkeiten „über eine bekannte internationale Buchungs-Plattform“ ohne Lizenz vermietet. Die Immobilienbesitzer haben damit gegen das Landesgesetz Nr. 12/1995 verstoßen, das die private Vermietung von Gästezimmern und möblierten Ferienwohnungen regelt.

    Die Geldstrafen reichen laut Landesgesetz von 328 bis 1.300 Euro. Die fünf Personen wurden darüber hinaus wegen Steuerhinterziehung der Agentur der Einnahmen gemeldet. Es ist der erste Fall in dieser Form in Südtirol.

    Stadtpolizei-Kommandant Sergio Ronchetti hat angekündigt, weitere Kontrollen durchzuführen. Da sich auf Airbnb, booking.com genügend Fotos und Angaben zu den Unterkünften befinden, ist die Nachverfolgbarkeit nicht allzu schwer. Die TAGESZEITUNG hat gestern auf Airbnb auf den Bozner Stadtteil östlich der Talfer herangezoomt: Rund 100 Unterkünfte stehen dort zur Vermietung bereit. Im untenstehenden Bild sieht man einen kleinen Ausschnitt der Altstadt. Allein dort gibt es 18 Unterkünfte, wobei es sicher auch einige gibt, die regulär vermietet werden (die Preiskästchen zeigen nicht immer auf das richtige Haus, Anm. d. Red.).

    Bozner Altstadt auf Airbnb

    Bozner Altstadt auf Airbnb

    HGV und VPS haben bereits in Vergangenheit bei den Behörden vorgesprochen und mehr Kontrollen eingefordert. „Die jetzigen Signale gehen in die richtige Richtung. Der Druck steigt auch national und international. Es braucht die gleichen Voraussetzungen für alle, dann entscheidet der Wettbewerb“, so HGV-Präsident Manfred Pinzger.

    Die Präsidentin des VPS, Esther Mutschlechner, sagt: „Es ist Zeit geworden, dass sich etwas tut. Ich kann an jene, die ihre Wohnung für touristische Zwecke zur Verfügung stellen, nur appellieren, bei der Gemeinde eine Genehmigung einzuholen, um die Tätigkeit gesetzeskonform auszuüben. Ansonsten ist es ein unlauterer Wettbewerb gegenüber den fast 3.000 legalen Privatvermietern in Südtirol, die ihre Steuern zahlen und die Ortstaxe entrichten. Eine Genehmigung ist mittlerweile ohne Probleme zu kriegen, sofern die Bewohnbarkeit gegeben ist.“

    Und auch der Bozner HGV-Ortsobmann Stefan Mayr ist erfreut über die Aktion der Stadtpolizei: „Wer die gesetzlichen und steuerlichen Bestimmungen nicht einhält, hat enorme Wettbewerbsvorteile, sodass wir unmöglich mithalten können. Wir haben immer wieder bei der Gemeinde gefordert, die schwarzen Schafe herauszupicken. Grundsätzlich heißen wir jeden willkommen, aber es müssen für alle die gleichen Bedingungen gelten.“

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (10)

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    • ambedue

      Ja, warum entstehen Ideen ? Die Gründe dafür wissen die Unterkünfte-Anbieter schon. Selbst 5 Sterne Hotels bieten ihre Unterkünfte auf den Portalen an. Es leben die Erfinder von notwendigen Ideen.

    • meintag

      Habe erst vor zwei Tagen einen Bericht gesehen. Touristenbomm in Portugal. Die dortigen Hausbesitzer kündigen mit unerkärlichen Methoden den Mieter ihre Wohnungen nur um über AIRBNB die Wohnungen für Urlauber freizubekommen und Gewinnmaximierung zu betreiben. Die Wohnungssuche für die Einheimischen wird dadurch schwierig und fast unbezahlbar gemacht. Einige Wenige verdienen und der Staat drückt alle Augen zu weil das Geld solcher Tourusten anderweitig liegen bleibt.
      In Bozen könnte Ex Senator und jetziger HGV Präsident Pinzger auch bei den Preisen für Mieten anfangen. Somit hätte der Bürger mehr Verständnis für sein Handeln wenn es um unlauteren Wettbwerb im Tourismus geht.

    • tiroler

      die privatenvermieter bei airbnb sollten eine steuerpauschale zu entrichten haben, z.b. 10% und natürlich auch die kurtaxe abführen müssen. somit wäre das problem vom tisch. im übrigen profitieren ja auch gasthäuser und restaurants von diesen zusätzlichen gästen.
      der hgv soll nicht maulen, die zimmer in südtirol sind ja sowieo zu fast 100% ausgebucht.
      es ist doch immer dasselbe: was in der ganzen welt funktioniert, wird in südtirol verhindert. bei der taxiapp uber ist es genauso

    • florianegger

      Der Markt verändert sich, egal, ob es unsere Verbände wollen oder nicht. Es gibt auch andere Berufe, indenen Alle gleich sind, nur Südtirol ist gleicher.

    • andreas

      @tiroler
      Im Gegenteil, die Ablehnung gegen Airbnb bzw, vor allem gegen Uber, wird weltweit immer größer.
      Wenn dies der nächste Schritt der freien Marktwirtschaft ist, dass jeder ungeregelt und ohne Abgaben alles machen darf, graben wir uns unser Grab selbst, dumm genug wären wir anscheinend ja.
      Dass der Markt sich nicht selbst regelt wie angenommen, sollte eigentlich jeder mitbekommen haben.

    • anarchoseppl

      Wir müssen wieder die Großen, Fetten schützen.. Sonst könnte sich ein kleiner ein paar Kröten dazuverdienen, welche einem großen Fetten zustehen!

      Die kleinen sollen die Steuern zahlen, jene sind viele, da kommt was zusammen!

      Ein Hotelier kann doch keine Steuern zahlen.. Der brauch abschreibbare Porsches, abschreibbare Kredite, Gasrechnungen die eigentlich in ihrem Wert im Gegenzastz zu jenen der Bürger einfach nur bedrucktes Papier sind.. u.u.u.

      Na los.. machen wir weiter wie es Büchner schon propagiert hat:
      Friede den Palästen, Krieg den Hütten!

    • franzkarl

      Sich über Jahrzehnte hinweg mit öffentlichen Geldern massivst (!!!), und auch das ist nur ein Euphemismus, subventionieren lassen und jetzt über unlauteren Wettbewerb jener klagen, deren wirtschaftliches Angebot ohne Beihilfen auskommt (und auskommen muss), ist schon echt ein starkes Stück und wäre mir persönlich zu blöd, und auch zu peinlich. Wenn, dann ist es die „klassische“ Tourismuwirtschaft, die sich einmal Gedanken dazu machen müsste, ob nicht sie einen unlauteren Wettbewerb darstellt. Außerdem ist nicht zu erkennen warum ein paar kleine Zimmervermieter dem großen Tourismustreibenden in Südtirol, mit seinen konstant heraufbeschworenen höchsten Qualitätsstandards (die in diesem Land ja alles rechtzufertigen scheinen) wirklich von Schaden sein soll. Hier gehts nur wie üblich darum eigenen Pfründe zu sichern und keine Konkurrenz aufkommen zu lassen (so viel zum Adjektiv „unlauter“).

    • andreas

      @franzkarl
      Großstädte wie New York, Paris oder Rom sehen es als Problem und wollen Airbnb an die Leine nehmen, meinst die Städte sind auch von Südtiroler Steuerzahlern subventioniert?

    • franzkarl

      @andreas
      war schön, wenn die südtiroler Tourismusbetriebe im gleichen Ausmaß subventioniert würden, wie jene in New York, Paris oder Rom. Dann gäb’s vielleicht so etwas wie ein wenig belebende Konkurrenz. Dann würden die Betriebe auch durch ihre Innovationskraft auf dem Markt bestehen, während die defizitären nicht sofort nach der Politik schreien müssten, weil sie sich vor ein wenig Konkurrenz durch ein paar kleine Zimmervermieter fürchten (mit eh anderem Wirtschaftsmodell). Aber das ist das alte südtiroler Staatsverständnis mit dem Wunsch nach dem alle umsorgenden Vater, der seine Kinder versorgt: leider entsteht so aber keine gesunde Wirtschaft.

    • meintag

      Habe gerade Heute von deutschen Urlaubern welche seit Jahren Urlaub am Gardasee machen gelesen dass Sie bis auf Weiteres nicht mehr kommen werden weil die Preise massv gestiegen sind. Ausweichen werden Manche auf AIRBNB. Mal schauen wie sich die Provinzen am See dagegen zur Wehr setzen. Auch Südtirol muss sich der Frage stellen was für den Gast noch bezahlbar ist und welche Anreize der Tourismus selbst noch bieten kann.

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