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„Ich fühle mich sicher“

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Am Mittwoch hat ein Attentäter im Londoner Regierungsviertel drei Menschen getötet und rund 40 verletzt. Die in London lebende Bozner Studentin Charlotte Tomasi über die Stunden danach.

Tageszeitung: Frau Tomasi, wo waren Sie, als der Anschlag passierte?

Charlotte Tommasi: Ich war zum Glück zu Hause – ungefähr 15 Minuten Fußstrecke vom Ort des Anschlags entfernt – und habe es erst mitbekommen, als mich meine Verwandten besorgt kontaktierten. Als ich dann gegen 18 Uhr auf die Straße ging, habe ich bemerkt, dass etwas nicht stimmte: Mehrere Helikopter flogen über die Stadt und Polizeisirenen waren überall zu hören.

Wie war die Stimmung kurz nach dem Anschlag?

Anfangs schien in meinem Viertel noch alles normal zu sein. Bis zum Abend aber hatte jeder vom Anschlag erfahren: Die Straßen waren leer, nur Sirenen und Helikopter waren ständig zu hören.

Wie fühlt sich London am Tag danach an?

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Charlotte Tomasi

Es ist unheimlich. Der Unterschied zum sonstigen Alltag in London ist enorm: Nur wenige Leute nutzen die sonst überfüllte U-Bahn und andere öffentliche Verkehrsmittel. Die Polizei hat empfohlen, gewisse Orte, wie beispielsweise das Canary Wharf – ein großes Bürogebäude – oder die Zentralen von Facebook und Google, zu meiden. Solche Gebäude werden jetzt besonders gut bewacht. Auch auf Hauptstraßen, wie der Oxford-Street, die normalerweise randvoll mit Touristen sind, sind nur wenige Menschen unterwegs. Über den Anschlag spricht man aber nicht öffentlich, man hört niemanden darüber plaudern. Irgendwie ist es so, als würde man fürchten, dass noch etwas passiert.

Fühlen Sie sich in der Stadt noch sicher?

Ja, ich fühle mich noch sicher. Überall findet man Polizeibeamte, in der U-Bahn, am Flughafen, bei großen Plätzen, und an Bahnhöfen: Die Polizei ist jetzt omnipräsent. Und noch immer fliegen viele Helikopter über die Stadt, als würde sie sogar von oben bewacht werden.

Das war vor dem Anschlag noch anders?

Die Sicherheitsmaßnahmen waren sehr hoch. Ich habe mich auch vor dem Anschlag sehr sicher gefühlt, denn die Polizei war an potentiell gefährlichen Orten immer zur Stelle. Beispielsweise waren vor fast jedem U-Bahnhof Polizisten. Sogar meine Universität wird und wurde bewacht: Man erhält nur mit Studentenausweis Zutritt und die Kontrollen sind sehr streng. Trotzdem hätte der Anschlag wohl nicht verhindert werden können. Ich hoffe ganz einfach, dass in den nächsten Tagen wieder der Alltag einkehrt.

Interview: Julian Righetti

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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