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    „Eine Feigenblatt-Aktion“

    angonese-mit-barthArchitekten haben gegen den Abbruch des Barth-Pavillons in Brixen mobil gemacht. Was Walter Angonese und Robert Veneri zur Idee des Pavillons auf einem Betriebsdach sagen.

    von Erna Egger

    Architekt Walter Angonese war der Erste, der sich im August vergangenen Jahres öffentlich über den Abbruch des Barth-Pavillons in der Regensburger Allee in Brixen empörte.

    Der in den 60er Jahren errichtete Sitz der Brixen Tourismus Genossenschaft muss einem Neubau nach dem Projekt von Matteo Scagnol weichen.

    Angonese prangerte diese Entscheidung mit scharfen Worten an. Weitere Architekten pflichteten ihm bei, darunter auch Robert Veneri.

    Nun wird der Barth-Pavillon gerettet: Der Unternehmer Kurt Baumgartner hat das Gebäude abbauen lassen und will es auf dem Dach des Gewerbegebäudes SynCom in der Industriezone Brixen wieder aufstellen lassen.

    Haben sich nun die Gemüter der Architekten beruhigt?

    Die TAGESZEITUNG hat bei Walter Angonese nachgefragt. Seine harsche Reaktion: „Das ist keine Rettung, das ist eine Feigenblatt-Aktion. Ich halte von dieser Lösung nichts.“

    syncom-mit-pavillionDer Sitz sei im Kontext zur Hofburg und zum seinerzeitigen Tor zu Brixen entstanden.

    „Jetzt den Bau als Garten-Pavillon aufzustellen, finde ich nicht gut. Das ist nicht im Sinne der Sache. Es stellt sich die ewige Frage, wo ein Projekt hingehört. Diese Diskussion wurde schon öfters geführt: Projekte werden nicht so konzipiert, dass sie überall hin verschoben werden können. Im Falle vom Barth-Bau wäre das Wegwerfen und Einschmelzen zwar schlimmer, aber der Frevel ist mit der Verlegung nicht weniger minder. Architektur ist immer mit einem Ort verbunden, man nimmt dem Bau nun den Dialog mit seinem Umfeld. Die Legitimation, die der Pavillon am Ort hatte, für die Zukunft zu bestehen, ist jetzt nicht mehr gegeben“, ist Angonese überzeugt.

    Er wiederholt die Worte, die er schon vor Monaten gesagt hat: „Brixen soll sich schämen.“

    Robert Veneri wählt die sanfteren Worte: „Grundsätzlich glaube ich, sind wir mit einem ‚blauen Auge’ davongekommen: Die vorgeschlagene Lösung ist im Sinne der Erhaltung des gebauten Erbes von Othmar Barth sicher als positiv zu sehen. Ivo Barth und die beteiligten Akteure und Firmen werden sicher den Pavillon vorzüglich versetzen und wieder aufbauen.“

    Überschwänglicher Jubel kommt aber auch bei ihm nicht auf. Seine Kritik: „Was mich aber bei der Verlegung stört, ist, dass der Pavillon zum Design-Objekt und zum Museumsstück wird. Barths Haltung ist immer sehr stark vom Kontext geprägt, mit dem sich die Architektur misst, konfrontiert, reibt. Eine ‚Entkontextualisierung’ des Pavillons aus seinem Umfeld, für das es konzipiert wurde, stimmt mich traurig, weil die Prinzipien, an die ich glaube, infrage gestellt werden.“

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (1)

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    • george

      Gerade so wie ein Heiligtum muss man die Architektur von O. Barth auch wieder nicht behandeln. Auch mit dem Ort verwoben betrachtet, ist dieser Bau nicht etwa das Beste von Barth seiner Architektur. Dieser Dreiecksplatz vor der Hofburg zwischen Kassianstraße und Bahnhofstraße bedürfte insgesamt einer besseren räumlichen Gestaltung und jedenfalls frei von schwerfälligen Bauten.

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