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    Pavillon auf dem Dach

    syncom-mit-pavillionDer Sitz des Tourismusvereins Brixen wird gerettet: Der Barth-Pavillon wird auf dem Dach eines Gewerbegebäudes SynCom wieder aufgestellt. Viele sind empört.

    von Erna Egger

    „Wir sind sehr froh und glücklich mit dieser Lösung“, betont Markus Huber, Präsident der Brixen Tourismus Genossenschaft.

    Der derzeitige Sitz des Brixner Tourismusvereins wird zurzeit abgebrochen, damit muss ein vom bekannten Architekten Othmar Barth geplantes Gebäude weichen.

    Die Zerstörung des Ende der 60er Jahre errichteten Sitzes hat in Architektenkreisen eine Welle der Empörung ausgelöst.

    Barth hat für seine Stadt Brixen eine bedeutende Anzahl wunderbarer Bauten errichtet, Anfang der 1960er Jahre gelingt ihm mit dem Bau der Cusanus-Akademie ein Pionierwerk für neues Bauen im Alpenraum. Auch sein Pavillon – so die Meinung vieler Architekten – ist ein wegweisendes Beispiel moderner Architektur.

    Man suchte nach einer Lösung zur Rettung des Glasbaus. Mittlerweile steht fest: Die Zerstörung des Barth-Pavillons kann verhindert werden.

    Markus Huber hat schon vor Monaten angekündigt, dass man mit einem Unternehmer imGespräch sei, der den Barth-Bau abbauen und an einem anderen Standort wieder aufstellen will. „Jetzt hat sich alles konkretisiert“, zeigt sich Huber erleichtert.

    Mit einem Ad-hoc-Beschluss der Gemeinde Brixen und einer Blitzvereinbarung zwischen Werner Zanotti, Geschäftsführer des Tourismusvereins Brixen, und dem Unternehmer Kurt Baumgartner wurden die nötigen Voraussetzungen geschaffen, eine nachhaltige Lösung für den Abriss des vom ehemaligen Universitätsprofessor und Architekten Othmar Barth entworfenen Pavillons zu finden.

    „Ein architektonisches Juwel ist nun knapp seinem Todesurteil entkommen“, sagt der Bauunternehmer Baumgartner. Er interessiert sich seit Jahren für Architektur und Design und hat sich bereits während der Expo 2015 intensiv mit dem Thema des „Dismantling“, also der Demontage der Pavillons und deren Wiederverwendung innerhalb neuer architektonischer Strukturen beschäftigt.

    Kurt Baumgartner beim Pavillon

    Kurt Baumgartner beim Pavillon

    „Schon während meiner ersten Erfahrungen im Immobiliensektor hatte ich die Gelegenheit, den Architekten Othmar Barth mit fünf Projekten zu beauftragen, und schnell lernte ich seine Liebe zu einfachen, aber hochqualitativen Materialien schätzen, die in den heutigen Zeiten der Nachhaltigkeit eine wichtigere Rolle spielen denn je. Daher wäre es aus meiner Sicht eine Schande, die dem Pavillon eigene Architektur und die verbauten Materialien nicht an einem adäquaten Ort wiederzuverwerten und die damit einhergehende Geschichte dem Erdboden gleichzumachen“, betont Baumgartner.

    Daher möchte er im Rahmen seines Projektes „Built to build – Gebautes zum Bauen“ den Pavillon vor dem Abbruch retten und ihn auf dem Dach seines Gewerbegebäudes SynCom in der Industriezone Brixen wiederauferstehen und weiterleben lassen.

    syn-com„Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten“, ist Baumgartner überzeugt. Aufgrund der getroffenen Vereinbarung mit der Gemeinde Brixen und dem Tourismusverein kann zum einen der neue Sitz des Tourismusvereins wie geplant gebaut werden, zum anderen kann der Barth-Pavillon seine (Architektur-)Geschichte an einem anderen Ort in Brixen weiterschreiben.

    Im Gewerbepark SynCom sind Büros von Freiberuflern, ein Restaurant mit Bar, ein Fitnessstudio und auch Handwerker untergebracht.

    „Die Gemeinde hat die Abänderung des Durchführungsplanes bereits genehmigt“, sagt Baumgartner.

    Welcher Zweckbestimmung der Barth-Bau zugeführt werden soll, weiß der Unternehmer (noch) nicht. „Ich kann mich noch nicht festlegen. Ich hatte früher dort mal mein eigenes Büro. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich einen Teil der Struktur für mein Büro reserviere, die Immobilie könnte aber auch einer anderen Nutzung zugeführt werden“, kommentiert Baumgartner.

    Sicher sei jedoch, dass das Gebäude sichtbar sein wird, sowohl von der Staatsstraße als auch von Eisenbahntrasse aus. „Es ist kein öffentliches Gebäude, es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass es als Bar genutzt wird. Dann wäre der Pavillon sogar öffentlich zugänglich“, schließt Baumgartner nicht aus.

    Bereits in einem halben Jahr könnte der Bau auf dem Dach von SynCom zu sehen sein.

    Für die Abbauarbeiten wurde die Brixner Firma Barth Innenausbau, dessen Inhaber, Neffe des verstorbenen Architekten, den ursprünglichen Innenausbau gefertigt hat sowie das Stahlbauunternehmen Paul Frener beauftragt.

    „Baumgartner wird auf seine eigenen Kosten das Gebäude abtragen und wieder aufbauen. Wir sind erleichtert, dass wir den Barth-Bau nicht verscherbeln müssen“, so Huber.

    Die Kosten für den Rückbau, Transport, die Lagerung und besonders den Wiederaufbau werden nicht unerheblich sein – dessen ist sich Baumgartner bewusst. „Hinter diese Aktion steckt sicherlich keine wirtschaftliche Überlegung“, betont der Unternehmer.

    Mittlerweile ist der Abbau des Pavillons voll im Gange, vom Barth-Bau am bisherigen Standort ist nicht mehr viel zu sehen. In den nächsten Wochen soll dann auch gleich mit dem Neubau des Tourismusvereins nach einem Projekt vom Architekten Matteo Scagnol begonnen werden. „Ende November soll der Bau fertiggestellt sein“, kündigt Huber an.

     

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