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    „Ähnlich wie die Hippies“

    psytrance-und-goaNach der Schließung des Tanzlokals Weinstadl in Kaltern ist die Südtiroler Goa-Szene in die Kritik geraten. Zu Unrecht, wie Marco Covi, der Psytrance- und Goa-DJ und Veranstalter von diversen Partys findet.

    Tageszeitung: Herr Covi, was ist Goa und wie erkennt man einen Goa-Fan?

    Marco Covi: Goa ist eine Musikrichtung die aus Indien kommt. Der Style der Goa-Fans kommt eher aus der Techno-Szene. Einen Goaner erkennt man ohnehin eher am Charakter. Sie sind offener, ähnlich wie Hippies.

    Oftmals werden Goaner als Nachfahren der Hippies bezeichnet. Erkennen Sie einen Zusammenhang?

    Es gibt zwar schon eine gewisse mentale Ähnlichkeit, aber kulturell gesehen hat Goa eher etwas mit Buddhismus und Indien zu tun. Die Nähe zur Natur und das Gleichgewicht, sowie der Friede sind Ideale, die auch Goaner vertreten.

    Wieso kommt die Goaszene bei den Jugendlichen so gut an?

    Es ist Musik, bei der alle gemeinsam und immer tanzen können, man fühlt sich wie in einer großen Familie. Die Musik vereint und alle, die zu den Festen kommen, wollen einfach nur feiern und nicht irgendwelche Probleme machen, wie es sonst oft vorkommt.

    Häufig werden sogenannte Raves in Wäldern veranstaltet. Wieso werden dafür abgelegen Orte gesucht?

    Raves gibt es nicht nur im Psytrance, sondern auch im Rock, im Punk und so weiter. Viele Leute verbinden Raves immer gleich mit Drogen, aber das stimmt nicht. Raves werden als Alternativen zu Clubs, oder Lokalen genutzt. Diese sind meist nur auf Profit aus, während die Raves das Feiern im Mittelpunkt stellen. Hinzu kommt, dass es bei Raves keine begrenzten Zeiten zum Feiern gibt.

    Wieso betrachten viele Leute Raves als Gefahr?

    Wenn man sich immer wieder, Tag für Tag, auf irgendwelchen Raves befindet, kann man den Draht zum realen Leben verlieren. Das ist dasselbe Prinzip, wie mit der Spielsucht. Raves wirken wie ein gesetzfreier Ort, wo man sich um nichts Sorgen machen muss. Aber das Leben ist keine Party.

    Sie sind nicht nur DJ sondern auch Veranstalter. Ist es schwierig solche Partys zu organisieren?

    Ja, momentan schon. Das liegt vor allem an der Location. Früher haben wir für unsere Events den Club Halle 28 in Bozen gemietet, eine großartige Location mit bis zu 1200 Besuchern. Mittlerweile ist das nicht mehr möglich, es wird uns kein Raum mehr geboten und wenn doch, dann müssen wir schon um zwei oder drei Uhr aufhören. Dadurch bin ich auch Veranstalter geworden.

    Wenn man Feste organisiert, kommt es da zu Problemen?

    Also ich organisiere ja auch Partys in Lokalen. Mit meiner Marke Coviz Eventz veranstalte ich nur solche No-profit-Events, weil ich den Leuten eine Gelegenheit geben will, zu feiern, ohne viel Geld auszugeben. Wir Veranstalter haben ein reines Gewissen, weil von uns keine Gefahr ausgeht.

    Die Szene wird oft kritisiert. Es heißt die Leute auf den Partys würden häufig zu Drogen greifen. Wie äußern Sie sich zu dieser Kritik?

    Die Kritik an der Szene ist hier unangebracht, denn Drogen werden unabhängig vom Ort konsumiert. Das hat nicht zwingend mit Goa zu tun. Leider kann es immer wieder vorkommen, dass einige Personen –vor allem junge Leute – illegale Substanzen konsumieren. Unser Ziel ist natürlich, dass das nicht vorkommt, die Musik und die Atmosphäre sollen im Vordergrund stehen. Drogen oder Ähnliches sollten hier keinen Platz haben.

    Wie könnte man dieses Problem lösen?

    Man hört immer wieder, dass Drogen einen töten können, dass sie schlecht sind und so weiter, aber das weiß man ja schon. Es gibt eine Organisation, sie heißt LAB57. Sie klären dich darüber auf, welche Droge man gekauft hat, welche Auswirkungen sie auf dich hat und ob man sie konsumieren sollte oder nicht. Das ist viel sinnvoller als einfach nur zu sagen: Drogen sind schlecht.

    Interview: Markus Rufin

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