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    Tag der Entscheidung

    Alex Heuschreck und Ester Quici (Facebook)

    Alex Heuschreck und Ester Quici (Facebook)

    Heute fällt am Landesgericht das Urteil im Mordprozess gegen Ester Quici. Die Verteidigung fordert einen Freispruch.

    von Thomas Vikoler

    Der Verteidiger, der angesichts seiner Stimmstärke kein Mikrophon braucht, hält kurz inne. Eine theatralische Pause. „Glaubt nicht dem, was in den SMS steht. Jeder von uns, außer ihr Geschworenen, verwendet in Mitteilungen manchmal drastische Begriffe und schreibt, ich schlag dich nieder. Das ist normal“, ruft Beniamino Migliucci.

    Migliucci, einer der profiliertesten Strafverteidiger am Bozner Landesgericht, hält seine ganztägige Verteidigungsrede für die blasse Frau, die neben ihm sitzt: Ester Quici, 36, des Mordes an ihrem Lebensgefährten Alessandro Heuschreck angeklagt. Die Anklage hatte für sie am 20. Februar 24 Jahre Haft beantragt.

    Heute Nachmittag wird das Schwurgericht unter Vorsitz von Carlo Busato (Beisitzer: Stefan Tappeiner) sein Urteil zu diesem etwas verworrenen Fall verkünden. Ein Schuldspruch wegen Mordes ist ebenso möglich wie ein Freispruch, aber auch eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung oder unterlassener Hilfeleistung.

    Laut übereinstimmender Gutachtermeinung ist Alessandro Heuschreck im März 2015 in einer frisch gemieteten Wohnung in der Bozner Freiheitsstraße verblutet.

    Die Anklage wirft Quici vor, Heuschreck wegen einer Kleinigkeit (die nicht heraufgetragenen Pflanzen) mit einem Küchenmesser attackiert und darauf mit halbstündiger Verspätung die Rettung verständigt zu haben. Ein Mord durch Unterlassung.

    „Das ist eine reine Fiktion der Anklage, ihre Rekonstruktion der Ereignisse gründet auf Vermutungen“, behauptet Verteidiger Migliucci, diesmal weniger brilliant als bei anderen Mordprozessen.

    Für ihn ist die Mordthese ebenso unbegründet, auch weil jegliches Tatmotiv fehle. Hier zitiert Migliucci freilich aus SMS-Mitteilungen, in denen Quici ihrem Lebensgefährten ewige Liebe schwört. Auch das vermeintliche dunkle Familiengeheimnis – im Zusammenhang mit dem Zeugen Bruno Lazzerini – hält der Verteidiger für abwegig.

    Sein Appell an die beiden Richter und die sechs Geschworenen lautet also: Wenn es auch nur einen Zweifel an der Schuld seiner Mandantin gebe, müsse man sie freisprechen.

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