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    „Jetzt reden wir“

    Ian Gerstgrasser und Tobias Gamper auf der Polizeiwache (Foto: express.co.uk)

    Ian Gerstgrasser und Tobias Gamper auf der Polizeiwache (Foto: express.co.uk)

    Die beiden Südtiroler Jugendlichen, die in Thailand wegen Fahnenschmähung verhaftet wurden, erzählen von „erhöhtem Alkoholkonsum“, der eigenen „Dummheit“ und den politischen Folgen.

    Seit rund einem Monat sind Ian Gerstgrasser und Tobias Gamper wieder zuhause.

    Die beiden Naturnser waren wegen des Vorwurfs der Fahnenschmähung, noch dazu auf einem Überwachungsvideo aufgenommen, im thailändischen Knast gelandet.

    Nur durch Interventionen des italienischen Außenministeriums kamen die Südtiroler Jugendlichen frei – nicht ohne vorher durch einen unüberlegten Satz der Entschuldigung („In unserem Land sind Fahnen nicht so wichtig”) einen wahren Shitstorm herauszufordern.

    bildschirmfoto-2017-01-09-um-14-27-27-1Lange verweigerten die Naturnser Burschen in den Wochen danach Gespräche mit den Medien.

    Erst jetzt erklärt Ian Gerstgrasser in einem langen Facebook-Post, was ihn bewegt. Er entschuldigt sich für ihr „unüberlegtes Handeln“ – und schießt scharf gegen die „vielen unfehlbaren Tastaturhelden.“

    Ian Gerstgrasser schreibt:

    „Für all jene, die uns in den letzten Wochen auf die ein oder andere Weise begleitet haben, und nicht zuletzt für uns selbst, eine Schilderung der Geschehnisse in Thailand, durch die wir diese Episode unseres Lebens zum Abschluss bringen und durch die wir auch die anhaltende journalistische Neugier ein für alle mal befriedigt wissen möchten:

    Abends in Krabi amüsierten wir uns in ausgelassener Stimmung in den verschiedenen Pubs, genossen unseren Urlaub und das unbeschwerte Feiern.
    Gegen Mitternacht nahmen wir dankend das Angebot eines Tuk-Tuk-Fahrers an, der versprach, uns in eine angesagte Disco zu bringen.

    Am Zielort angelangt, war bald klar, dass wir in diesem Viertel fast die einzigen Touristen waren, was uns aber nicht im Geringsten störte.

    Im Gegenteil, wir finden es sehr bereichernd, auch abseits der Touristen-Hotspots, Land und Leute in ihrer ,Originalität‘ zu erleben.

    Dass wir, als Touristen, in besagter Disco anstatt der angeschriebenen 20 Bath stattliche 100 Bath Eintritt entrichten mussten, nahmen wir mit einem leicht verstimmten Schulterzucken aber in Kauf.

    bildschirmfoto-2017-01-09-um-20-18-24Wir waren guter Dinge, wollten trinken, tanzen und Spaß haben.

    An der Theke und auf der Tanzfläche amüsierten wir uns prächtig mit den einheimischen Gästen, bis es irgendwann zu einem typisch, dem Alkohol zuzuschreibenden, Missverständnis kam, bei dem Tobias wegen einer Nichtigkeit von einem Mann grob angegangen wurde.

    Nach einer kleinen Rempelei fing ich mir einen Faustschlag mitten ins Gesicht ein, den ich allerdings unquittiert einsteckte, in der Hoffnung, nach Bereinigung dieses Missverständnisses, weiterhin Spaß zu haben.

    Zu diesem Zweck verließen wir mit besagtem Mann das Lokal, um den Vorfall friedlich zu klären. Leider kam es nicht dazu. Der Mann ignorierte uns und ging wieder in die Disco zurück. Uns hingegen wurde der erneute Zugang zur Disco durch den Türsteher verwehrt. Trotz mehrmaligen Nachfragen und der Bitte um eine Erklärung wurden wir nicht mehr beachtet.

    Hinsichtlich des ungünstig verlaufenden Abends, waren wir nun sehr enttäuscht und mittlerweile auch verärgert, nicht nur über den zehnfachen Eintritt, den wir bezahlen mussten.

    Screenshot/Ansa-Telenews

    Screenshot/Ansa-Telenews

    Diese „Ungerechtigkeiten“ wollten wir so nicht hinnehmen, weshalb wir versuchten unser Anliegen mit Hilfe der Ordnungshüter offiziell zu regeln. Die eintreffenden Polizisten nahmen uns natürlich kein bisschen ernst, sie forderten uns lediglich auf, sie in die Kaserne zu begleiten.

    Im Nachhinein ist uns selbstverständlich klar, dass dies sehr naiv gedacht war. Doch in Anbetracht der von uns als „Diskriminierung“ empfundenen Behandlung, wollten wir die Sache nicht so stehen lassen.

    Immer noch in der Hoffnung „Gerechtigkeit“ zu erfahren, und, weil mich die Polizisten zur Eile drängten, rannte ich schnell zu Tobias, der sich etwas abseits aufhielt. Leider rutschte ich dabei auf dem nassen Fliesenboden aus, stürzte unglücklich und prallte mit voller Wucht auf meine linke Schulter.

    Vor etwa drei Monaten zog ich mir genau an dieser Stelle eine schmerzhafte Luxation zu, die ich allerdings durch tägliches Training therapiert habe, sodass die Schulter wieder einigermaßen stabil war.

    Nun, durch diesen Sturz, renkte sich meine Schulter erneut aus. Während ich unter starken Schmerzen in die lachenden Gesichter der Polizisten sah und mir die Schulter wieder selber repositionierte, war auch Tobias wieder neben mir, und wir wurden auf die Polizeistation gebracht.

    1_2017110124718789_aaaozjnmrkjymvunbzlpkxbpsncctnwuowingwax_jpegDort wurden wir weiterhin ignoriert, bis die Beamten uns in sehr brüchigem Englisch zu verstehen gaben, dass sie uns zum Hotel bringen würden. Infolgedessen verließen wir in einer Nebenstraße unserer Unterkunft, völlig unverrichteter Dinge, das Polizeiauto.

    Enttäuschung, Wut, Schmerz und Zorn waren das, was wir fühlten. Verstärkt durch den übermäßigen Alkoholkonsum, empfanden wir den gesamten späten Abend als eine einzige Ungerechtigkeit.

    In beschriebener Verfassung kamen uns diese herunterhängenden Fahnen gerade recht, ohne nachzudenken und ohne darauf zu achten, um welche es sich handelte, ließen wir unseren angestauten Frust an ihnen aus.

    Im Hotel angekommen, fielen wir in unsere Betten und schliefen dort unseren sehr beachtlichen Rausch aus, dem ein ordentlicher Kater folgte. Wieder nüchtern und Herr unserer Sinne, ließen wir den Vorabend Revue passieren.

    Wir schämten uns ob unserer „Dummheit“, aber vor allem unseres begangenen Vandalismus wegen. Wir schämten uns vor uns selbst, denn sonst hatte uns keiner gesehen, wie wir zu diesem Zeitpunkt noch glaubten.

    Wir wollten unser törichtes Verhalten schnellstmöglich beiseiteschieben, ich suchte aufgrund meiner starken Schulterschmerzen einen Arzt auf und wir waren völlig überrumpelt, als die Polizeikräfte uns zwei Tage später im Hotel empfingen.

    Die beiden Südtiroler bitten um Entschuldigung (Foto: Facebook/ Pradit Rodkerd)

    Die beiden Südtiroler bitten um Entschuldigung (Foto: Facebook/ Pradit Rodkerd)

    Der Rest der „Geschichte“ dürfte hinlänglich bekannt sein, was vor allem der unverhältnismäßigen, pompösen Berichterstattung und den sozialen Medien zu „verdanken“ ist.

    Unsere Tat wurde zu einem „Schwerverbrechen“ hochstilisiert. Kein Lebewesen hat durch unsere Tat direkten Schaden erlitten, und doch sind unsere Namen, unsere Gesichter, unsere Arbeitsstellen, unsere Wohnorte mittlerweile jedem bekannt.

    Doch damit nicht genug. Jeder meint, auch unsere Intention zu kennen und uns damit politisch instrumentalisieren zu dürfen.

    Sämtliche Interpretationen jeglicher Richtung, möchten wir hiermit revidieren und klarstellen, dass wir zu keinem Zeitpunkt einen politischen Hintergedanken, weder Thailand noch Italien gegenüber, hatten.
    Die Aussage über die Flagge in unserem Land tut uns sehr leid und war nicht so gemeint. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

    In Anbetracht der unendlichen Nervosität, des Schockzustandes und der heillosen Angst, die Freiheit zu verlieren, waren wir, ohne die Möglichkeit uns darauf vorzubereiten, nicht in der Lage, uns in einer fremden Sprache verständlicher auszudrücken.

    Es war wirklich nie unsere Absicht, jemanden zu beleidigen.
    Absicht unterstellen wir hingegen den vielen unfehlbaren Tastaturhelden, die sich über sämtliche Kanäle lauthals zu Wort meldeten.

    Schadenfroh wurde uns das Schlimmste an den Hals gewünscht, gar nicht selten wurden wir „zu Tode verurteilt“ und unsere Familien bedroht.

    Wir unsererseits wünschen nicht einmal diesen „mutigen“ Kommentatoren, dass sie jene Angst durchleben müssen, wie wir es mussten. Wir wünschen ihnen, dass sie niemals in eine ähnliche Situation geraten. Wenn doch, erwarten wir uns von ihnen allerdings die Aufrichtigkeit und Größe, dann genau gleich zu argumentieren.

    Absicht steht aber auch hinter den Handlungen der wohlwollenden, helfenden Personen, die uns und unseren Familien in dieser schweren Zeit mit Rat und Tat zur Seite gestanden sind.

    In Thailand, wie auch zu Hause, gab es Menschen, die neben den offiziellen Interventionen, auch im Hintergrund für uns da waren. All diesen gilt unser größter Dank.

    Ian Gerstgrasser und Tobias Gamper auf der Polizeiwache (mit den T-Shirts, die sie in der Tatnacht getragen haben)

    Ian Gerstgrasser und Tobias Gamper auf der Polizeiwache (mit den T-Shirts, die sie in der Tatnacht getragen haben)

    In diesem Sinne möchten wir uns auch bei allen entschuldigen, die zu Hause um uns gebangt haben, allen voran bei unseren Familien und Freunden.

    Wir haben Fehler gemacht, die wir sehr bereuen und aus denen wir sehr viel gelernt haben.

    Wir wollen mit dieser Darstellung nichts für gut heißen oder beschönigen. 
    Es war uns aber ein Anliegen, unsere Sicht der Dinge in Worte zu fassen und damit diesen Fall zu beenden.

    Möge jeder seine eigenen Schlüsse daraus ziehen, und vielleicht ein nächstes Mal, in einem anderen Zusammenhang, etwas zurückhaltender berichten und urteilen.
    Wir werden weiterhin unseren Weg gehen und dabei ganz, ganz oft von diesen wertvollen Erfahrungen zehren. 

    Vielen Dank.“

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    Kommentare (34)

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    • ahaa

      Schlimm,schlimm so einen Fetzen Stoff zu schànden.Bei einem Kinderschànder wùrde man nicht an die Offentlichkeit gehen und ihn blosstellen.

    • ft

      Die Intelligenz dieser beiden Helden sieht man daran wie sie wieder versuchen die Leute für dumm zu verkaufen. Der „stattliche“ Eintritt in das Discopuff von 100 Baht entpuppt sich als Euro 2,70 (ja zwei siebzig) Da sie, wie sie angeben, kein Wort Thai verstehen frage ich mich wie sie sich so gut mit den Einheimischen unterhalten konnten.Die Schlägerei im Lokal wird schamhaft umschrieben.Aus meiner jahrzehntelangen Erfahrung in Thailand ist sie wohl nur dem rüpelhaften Benehmen der beiden Betrunkenen zuzuschreiben. Die Thais sind ein sehr herzliches und sehr höfliches Volk. Sie tirnken nicht und schlechtes Benehmen ist verpönt. Dass Schläger aus dem Lokal geworfen werden, ist auch hier bei uns ganz normal. Und um sich mit dem Gegner „friedlich“ zu einigen geht man mit ihm vor das Lokal ? Und kann kein Wort der Sprache des anderen ? Zuerst forderten die gerufenen Polizisten die beiden Schläger auf in die Kaserne mitzukommen, dann fuhren sie sie plötzlich ins Hotel. Was stimmt denn eigentlich von dieser ganzen Märchenerzählung ? Wohl herzlich wenig. Es wäre besser sie hätten geschwiegen, und endlich gelernt wie man sich auf der Welt gesittet benimmt. Bei solchen Typen wäre ein entsprechender obligatorischer Kurs dringend nötig.

    • flizzer

      ft – danke für deinen wirklich sinnvollen und guten Beitrag!

      #undwennsienichtgestorbensinddannlebensienochheute

    • sepp

      ft kensch die guit aus fliegsch a in thaipuff noa war i still

    • drago

      Da bewahrheitet sich wieder einmal der römische Ausspruch: Si tacuisses philosophus mansisses (Hättest Du geschwiegen, hättest Du weiterhin als Philosoph gegolten).
      Kein einziges Wort der Reue; Schuld an allem waren die anderen.

      • andreas

        Die Erklärung ist zwar suboptimal, ihr „Vergehen“ aber eine Banalität, wenn man es z.B. mit dem Verhalten von Kanmerlander in Suff vergleicht. Die beiden sind der Öffentlichkeit eigentlich keine Rechenschaft schuldig und müssen sich bei dieser auch nicht entschuldigen, deshalb sollte es gut sein damit den Burschen Vorwürfe zu machen.

        • drago

          Es stimmt, sie sind der Öffentlichkeit keine Rechenschaft schuldig. Aber in dem Moment, da sie selbst an die Öffentlichkeit gehen, um ihr Verhalten zu erklären, müssen sie auch akzeptieren, dass diese Erklärung bewertet wird.
          Im Übrigen habe ich auch damals bei Kammerlander angemerkt, dass er kein Wort der Einsicht von sich gab. Wobei ohne Zweifel ein himmelhoher Unterschied zwischen den beiden Vorfällen besteht.

          • andreas

            Die mediale Hetze mit Nennung des Arbeitsplatzes der Mutter war ein bodenlose Frechheit und manche Kommentare unter aller Kritik.
            Ich denke die Jungs haben genug abbekommen, mir tun sie jedenfalls leid.

            • Ja, da sind unsere Medien immer sehr genau.
              Bei der Recherche von Hintergründen hingegen wird dann nicht mehr ganz so vertieft gearbeitet.
              Einmal an den Pranger gestellt, interessiert es doch eh keinen mehr wie, was, warum, und überhaupt ob…
              Eben ganz so wie gestern Abend in Schweden…

    • neuesvp

      „schiesst gegen die unfehlhaften Tastaturhelden“
      Oh…. des sein jo Probleme… der Typ soll froh sein dassa et im Thaikanst sitzt…

      Generell solltn wir Südtiroler a bissl vom hohen Ross oakemmn !

    • franz

      …..anstatt sie gemäß art 292 c. p einzusperren

    • 100 statt 20 ist auch nur im Suff das zehnfache 😉

    • goggile

      Alessandro Bertoldis gehässiges fb-kommentar sollte strafrechtliche Relevanz verdienen.

    • drago

      Was haben die Taten der Beiden mit der illegalen Einwanderung bei uns zu tun?

      • ft

        Lassen sie doch dem armen franz seine Lust am Kommentar zu den
        Flüchtlingen. Einmal am Tag muss er es loswerden. Da die Flüchtlinge
        niemand mehr interessiert, hat er halt geglaubt er könne es hier unterbringen. Vergönnen Sie dem armen Mann seine bescheidene Freude.

      • franz

        drago
        “Die Aussage über die Flagge “ in unseren Land nehme man Fahnen nicht so wichtig“ [….] Damit hatten sie nicht ganz unrecht, angesichts dessen was in Italien passiert wenn Clandestini Primaten die Fahne zerreißen anzünden und drauf bissen. nur weil ihnen das Essen nicht schmeckt bzw. weil es nicht ihren hohen afrikanischen Lebensstandard entspricht !

    • franz

      “Die Aussage über die Flagge “ in unseren Land nehme man Fahnen nicht so wichtig“ [….] , war zwar nicht so klug,( ganz unrecht hatten sie jedoch nicht )
      Angesichts der Tatsache dass Immigranten die sich illegal in Italien aufhalten und vom Steuerzahler finanziert in Hotels wohnen und die Fahne anzünden und zerreißen nichts passiert. Obwohl es ganz klares Gesetz gibt , den art 292 c. p .
      http://www.ilgiornale.it/news/cronache/immigrati-stracciano-tricolore-protestare-contro-menu-1240596.html
      Ach wird kaum darüber berichtet ( mit wenigen Ausnahmen ) wenn sich solche Immigranten die sich illegal in Italien aufhalten zu solchen Taten schreiten.
      die Südtiroler Tageszeitung schweigt diesbezüglich auch.
      Genauso wie man Straftaten die von Immigranten verübt werden , am liebsten einheimischen Bürger anlastet. wie im Fall ( Brixner ) “brutaler-schlaeger“
      http://www.tageszeitung.it/2017/02/16/brutaler-schlaeger/#comment-341873

    • george

      Eine große Menge Gerede und viele Kommentare und habe doch nichts erfahren, was in diesem Fall relevant wäre zu wissen. Schade um die Tastaturanschläge.

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