Du befindest dich hier: Home » Gesellschaft » „Hatte keine Hintergedanken“

    „Hatte keine Hintergedanken“

    bildschirmfoto-2017-02-13-um-14-04-18Stephanie Venier entschuldigt sich bei den Südtirolern für ihren „Gott sei Dank“-Fauxpas bei der WM-Medaillen-Feier. Im Interview spricht die Tirolerin über die Welle der Empörung, die sie ausgelöst hat und ihre Verbindungen zu Südtirol. 

    TAGESZEITUNG Online: Stephanie, bei Ihrer Medaillenfeier wurde das Lied „Dem Land Tirol die Treue“ gespielt. Sie haben mitgesungen – auch den Passus „Gott sei Dank“. Was haben Sie sich dabei gedacht? 

    Stephanie Venier: Eigentlich habe ich mir gar nichts dabei gedacht. Bei uns hat man dieses Lied früher auf den Zeltfesten immer so gesungen und der Text ist mir einfach so im Kopf geblieben. Ich habe weder an die Geschichte noch an die politische Wirkung dieses Satzes gedacht. Mittlerweile weiß ich, worum es geht und ich hoffe, dass ich mit meiner Entschuldigung das alles aus der Welt schaffen kann. Ich werde das Lied sicher nie wieder so singen und werde auch alle meine Freunde und Bekannten darauf aufmerksam machen. Ich habe die Südtiroler Skifahrer volle gern und hatte wirklich keine Hintergedanken.

    Also haben Sie weder bewusst noch absichtlich diese Zeilen gesungen…

    Absolut nicht. Es ist halt auch schwer, wenn sich auf einmal jeder für dich interessiert und alles, was man tut, in den Medien landet. Früher hat sich niemand darum gschert und jetzt ist es auch für mich eine neue Situation, in die ich erst hineinwachsen muss. Ich weiß jetzt, dass das ein absoluter Sch… war, was ich da gesungen habe – man sollte wirklich erst denken und dann reden. Jetzt weiß ich es und es wird sicher nicht mehr vorkommen (lacht).

    Das Lied wird auf Tiroler Volksfesten noch sehr oft in dieser Version gesungen…

    Ich glaube, dass viele nicht einmal genau wissen, worum es im Lied wirklich geht. Ich werde mir aber sicher in nächster Zeit, wenn dieses Lied gesungen wird, meinen Teil denken.

    Wurden Sie nach diesem Fauxpas persönlich attackiert? Haben sich Südtiroler Fans gemeldet?

    Nein, eigentlich nicht. Ich wollte aber einfach klarstellen, dass ich diese Zeilen nicht mit Absicht gesungen habe. Ich möchte keinen Unfrieden stiften. Ich mag die Südtiroler. Mein Opa ist Bauer und mag Südtirol voll gern und auch unsere Vorfahren stammen aus Südtirol.

    Ihre Vorfahren stammen aus Südtirol?

    Der Name Venier kommt aus Italien. Der Opa meines Vaters hatte sehr viel in Italien zu tun.

    Was verbindet Sie heute noch mit Südtirol?

    Speck (lacht). Der Südtiroler Speck ist einfach etwas Besonderes, so etwas gibt es nicht alle Tage. Aber ich mag auch den Südtiroler Dialekt, der ist so sympathisch und ich fahre mit meiner Mama immer wieder über den Brenner um einzukaufen.

    In Südtirol haben politische Parteien und Vereine ziemlich verärgert auf diese Strophe reagiert. Hat Sie diese Welle der Empörung überrascht? 

    Naja, einerseits kann ich diese Empörung verstehen, jetzt wo ich den Hintergrund kenne, aber ich wollte sicher keine politische Botschaft senden. Ich hoffe, die Leute verstehen, dass ich es nicht böse gemeint und mir einfach nichts dabei gedacht habe.

    Sie sich für diese Passage „Gott sei Dank“ entschuldigt. War das Ihre persönliche Entscheidung oder wurde es vom Verband verlangt?

    Nein, das war ganz allein meine Entscheidung. Ich habe dieses Lied gesungen und nicht irgendjemand anders. Daher wollte ich, dass die Entschuldigung von mir persönlich kommt.
    Lederhosen, Tracht, moderner Patriotismus. Wie tirolerisch ist Stephanie Venier?
    Auf Festen trage ich recht gern auch mal ein Dirndl – ein bisschen Patriotismus gehört dazu (lacht).

    Wie sieht es eigentlich abseits der Piste aus? Gibt es ein großes Konkurrenzdenken zwischen Südtirol und Österreich? 

    Nein. Wir kommen mit den Südtirolern, mit Hanna Schnarf, mit Verena Stuffer und auch mit den Herren wie Dominik Paris super aus. Ich habe wirklich ein gutes Verhältnis mit ihnen und hoffe, dass sie sich nicht angegriffen gefühlt haben.

    Freuen sich die Österreicher über eine Südtiroler Medaille?

    Das glaube ich schon. Ich glaube, dass sich auch umgekehrt die Südtiroler mit uns mitfreuen. Meine Mama ist beispielsweise ein großer Fan von Dominik Paris (lacht).

    Wie haben Sie die letzten Tage seit dieser WM-Medaille erlebt?

    Ich war jetzt ein paar Tage Zuhause und habe mich von der Mama bekochen lassen. Dann habe ich die Reaktionen in Südtirol auf dieses Lied gesehen und ich muss sagen, das hat mir schon ein bisschen Zeit und Nerven geraubt, weil das ja wirklich nicht so wollte.

    Sie sind als Ersatzfrau für Anna Veith an den Start gegangen und haben sich WM-Silber geholt. Haben Sie diesen Erfolg mittlerweile realisiert?

    Ich habe überhaupt nicht mit dieser Medaille gerechnet. Ich habe mir im Super-G größere Chancen ausgerechnet. In der Abfahrt bin ich komplett ohne Druck losgefahren und habe schon während der Fahrt gemerkt, dass ich schnell bin. Als ich im Ziel das Ergebnis gesehen habe, wusste ich, dass es eine gute Fahrt war – ich wäre mit meiner Fahrt aber auch zufrieden gewesen, wenn es nicht für eine Medaille gereicht hätte.

    Und wie schön glänzt diese Medaille jetzt?

    Schon schön (lacht). Ich habe ja schon drei Medaillen von den Junioren-Weltmeisterschaften Zuhause hängen, aber diese ist noch viel größer und schöner anzusehen.

    Sie bezeichnen sich selbst als wilde Henne. Ist Ihr nächstes Ziel eine Olympia-Medaille?

    Man muss immer im Jetzt leben und schauen, was passiert. Ich weiß noch nicht, ob ich nächstes Jahr wieder so einen Lauf haben werde – aber eine Olympia-Teilnahme ist sicher mein Ziel.

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
    Clip to Evernote

    Kommentare (12)

    Lesen Sie die Nutzerbedingungen

    • martasophia

      Das Mädel hat einen Fehler gemacht und ich glaub ihr, dass ihr das leid tut und dass ihr das einfach unbedacht passiert ist, zumal das bekanntermaßen vor ihr schon viele bei Feiern und unter Alkoholeinfluss im heiligen Land Tirol genau so gemacht haben.
      Übrigens, auch im heiligen Land Südtirol werden bei Wald- und Wiesenfesten, beim Apres Ski u.ä. unter Alkoholeinfluss dümmliche Lieder gesungen und Parolen gelallt, die das eine und andere bzw. die eine oder andere Menschengruppe diskreditieren. Es wäre gut, wenn man auch daran öffentlich Anstoß nehmen würde!

    • yannis

      @martasophia

      stimme Dir voll zu ! das Problem dabei ist dass, bei Wald- und Wiesenfesten, beim Apres Ski u.ä. es sich um „no Names“ handelt wo keine Medien-Mikro´s rundherum aufgebaut sind.

    • kleinlaut

      Wie schon gesagt: das „Gitschele“ hat sich sicher nichts dabei gedacht und einfach mal das nachgesungen was in Tirol gang und gäbe ist bei dieser „Hymne“. .im Gegensatz zum Fettwanst neben ihr mit der Hand auf der Brust, der schon mehr als peinlich ist.

    • fronz

      kleinlaut, du solltest deinen Nicknamen vollaut nennen. Immer beleidigend sein und deinen Krampf beitragen.
      Denk a mol noch!!

    • kleinlaut

      …und du solltest einmal versuchen, was wohl kaum möglich sein wird, einen ordentlichen deutschen Satz zusammen zu bringen…

    • waldi

      Ja und, recht hat sie. Wir Südtiroler sind doch selbst schuld. Wir sind inzwischen leider alles normale „Walsche“ geworden. Überall wird nur noch walsch gesprochen, sei es in Bozen, Meran und sonst wo. Wir wollen es ja nicht anders.

    • sepp

      stephnie scheiss die nett feier deine medaile i bin südtiroler und lach drüber des isch lei in a poor augfollen die nix in kopf und holt a wau wau mochen sogor in Südtirol af festen gehört wo südtiroler die omunose Strophe miet gsungen hoben sell war woll no schlimmer sein tien mir koan walisch koan Österreicher koantiroler sonder Europäer sein mo froh das es koan grenzen mehr gib

    • thefirestarter

      Ja so ist Südtirol!
      Sich mit einem Mädel anlegen wegen einem Festzelt Sprüchl…
      aber in Rom auf Tauchstation gehen und ja nichts sagen… eventuell vergessen die Mafiosi daunten das es uns gibt.
      Das ist schon gar nicht mehr lächerlich sondern nur mehr peinlich und das in höchsten Maßen.

    • sabine

      wenn man im Zentrum der Öffentlichkeit steht sollte man eigentlich aber schon gscheid genug sein, sich solche Zusätze zu verbeissen….

    • ahaa

      Es hàngt wieder der grùne Frosch am Kreuz.Bald ist Sommer dann kommen die zweisprachigen Wegschilder. 😉

    • george

      Eine total schlechte Rolle von beiden Seiten und sehr viel Scheinheiligkeit.

    Kommentar abgeben

    Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

    2013 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | AGB | Cookie Hinweis

    Nach oben scrollen