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    Die Kölner Blockade

    schwazer und dokFür die Überstellung der Urin-Probe von Alex Schwazer nach Parma muss nun ein Rechtshilfeansuchen an das Kölner Gericht gestellt werden. Der Leichtathletikverband IAAF will juristisch dagegen vorgehen.

    Von Thomas Vikoler

    Eigentlich tritt der internationale Leichtathletikverband im zweiten Strafverfahren wegen Dopings gegen Olympiasieger Alex Schwazer am Landesgericht Bozen als geschädigte Partei auf. Doch der Verband mit Sitz in Monte Carlo verhält sich derzeit wie jemand, der sich verteidigen muss. Der den Fortgang des Verfahrens verhindern will.

    Die Anwälte der IAAF, so das Kürzel des Verbandes, haben in den vergangenen Tagen insgesamt drei Anträge an den in Bozen zuständigen Richter Walter Pelino gestellt (die TAGESZEITUNG berichtete): Zunächst der Versuch, die für Montag geplante Öffnung der Urin-Probe Schwazers im Beweissicherungsverfahren zu verschieben.

    Der österreichische Sachverständige Günther Gmeiner, Leiter des Dopingkontroll-Labors in Seibersdorf, sei beim Minister in Wien verpflichtet, hieß es im Antrag. Mit dem zweiten wurde gefordert, lediglich einen kleinen Teil (zehn Milligramm) der im Kölner Labor für Biochemie beschlagnahmten Urin-Probe ins RIS-Labor nach Parma zu überstellen.

    Am Montag folgte ein weiterer Antrag der IAAF-Anwälte: Sie verlangen, dass die zur Übersendung bestimmte Probe versiegelt wird. Die Probe liegt unversiegelt seit nunmehr 13 Monaten im Kölner Labor, ohne dass dies der internationale Leichtathletikverband beanstandet hätte.

    Das sieht alles nach Obstruktion aus. Doch Richter Pelino ließ sich nicht beirren und lehnte alle drei Anträge der IAAF-Anwälte ab.

    Der nächste juristische Schauplatz wird das Landesgericht Köln sein. Wie berichtet, musste die Fortsetzung des Beweissicherungsverfahrens im RIS-Labor in Parma verschoben werden, weil die Urin-Probe im Labor für Biochemie nicht herausgegeben wurde (den Transport hätten Abgesandte der Welt-Antidopingagentur WADA besorgen sollen).

    Es fehle eine richterliche Anordnung, den Urin den WADA-Kurieren zu übergeben, lautete die Begründung im Kölner Labor. Das ist juristisch nachvollziehbar.

    Nun muss Richter Pelino einen weiteren Rechtshilfeantrag an das Landesgericht Köln bzw. die dortige Staatsanwaltschaft stellen, um die Überstellung der Probe zu erwirken. Die IAAF-Anwälte in Italien haben bereits angekündigt, dass sich beauftrage Kollegen in Deutschland juristisch dagegen stellen werden.

    Mit einem Antrag auf Unterbrechung der Vollstreckung des Bozner Rechtshilfeansuchens.

    Es wird also zu einer Verhandlung vor einem Kölner Richter kommen, wo geklärt werden muss, ob der Urin nach Italien „ausgeliefert“ werden kann oder nicht.

    Im Bozner Landesgericht geht man allerdings davon aus, dass sich damit die Überstellung allenfalls verzögern, nicht aber verhindern lässt.

    Doch Verfahrensfehler – wie etwa die fehlende richterliche Genehmigung über die Übergabe im Kölner Labor – treten immer wieder auf. Und einstweilen liegt die brisante Probe weiter dort.

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (9)

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    • So liebe Kinder heute spielen wir ein lustiges Spiel. Das Spiel heißt: Alle sind schuld nur der Alex nicht.
      Oh, ja super. Da wird sich der Alex aber freuen. Grins 🙂

    • einereiner

      @nosferato
      bravo, gut geschrieben.
      Was soll dieses ganze Theater? Schwazer ist ein Betrüger und hätte bereits beim ersten Mal lebenslänglich gesperrt werden sollen. Ab mit ihm in die mediale Versenkung. Als Zimmermann hätte er wenigstens einen respektablen Beruf.

    • prof

      An beide,nosferato und einereiner,wenn Schwazer schon schuld oder ein Betrüger sein soll,warum wehrt sich die WADA mit allen Mitteln ?
      Und jetzt mediale Versenkung? Die ganze Wahrheit soll ans Tageslicht kommen!!

    • goggile

      es gibt keine Gerechtigkeit mehr. sollten die richter trump stoppen so sieht man wer die welt regiert. die angelbliche Demokratie ist zur Diktatur geworden indem sesselkleber regieren. an die ersten inkompetenten schreiber, kehrt vor euerer eigenen haustuere ihr seid typische suedtiroler schleimis die der Wahrheit nicht ins gesicht schaugen, sondern nur auf sich selbst schauen. dank euch gehen wir in diesem Staat unter.

    • tiroler

      Mit verlaub: es wird dich nicht ein vernünftiger mensch davon ausgehen, dass die proben freigegeben werden bzw. die wahrheit ans licht komnt? Das wäre für den Weltverband der supergau! Schwazers fehker war, sich mit Russland anzulegen. Ein guter rat:Er sollte nicht mehr weiter die wahrheit suchen, wenn er nicht wie Litwinenko enden will.

      • goggile

        tiroler ich befuerchte ganz unrecht hast du nicht. sogar seppel der bekannte dopingjàger stand nicht eindeutig hinter schwazer… er kann wohl nicht als deutscher das deutsche Labor hinterfragen… der preis die Wahrheit herauszufinden ist definitiv zu hoch gegen diese diversen mächtigen der welt. sollte er aber ein comback in betracht ziehen sofern es eine anullierung der 8jahre geben kònnte (non niemand hat recherchiert ob dies mòglich wàre sollte zum Beispiel die manupulation herausgestellt werden) so soll er weiterkàmpfen

    • mannik

      Nosferato und einereiner, mit der Logik ist’s bei euch wohl nicht so weit her, oder?
      Welch bessere Vorlage sollten die IAAF und WADA wohl bekommen, um endgültig zu beweisen, dass sie in Bezug auf Schwazer richtig lagen und damit den Disput beenden? Weshalb wehren sie sich dann so vehement davor? Na? Kommt schon, so schwierig ist die Schlussfolgerung gar nicht…

    • josef.t

      In vielen Spitzensportarten ohne „Mittel“, sind heute Erfolge wohl nicht mehr
      möglich, wie es sich immer wieder herausstellt……..
      Die Sportler sind die Opfer, für die Doppelmoral der Verantwortlichen…….

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