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Urteil im März

Gottlieb Taschler am Dienstag auf dem Gerichtsplatz in Bozen

Gottlieb Taschler am Dienstag auf dem Gerichtsplatz in Bozen

Gottlieb Taschler hat sich bei seiner Zeugenaussage am Landesgericht halbwegs unbeschadet aus der Affäre gezogen.

von Thomas Vikoler

„Ich spreche schlecht Italienisch, Daniel noch schlechter“.

Mit dieser kuriosen Aussage – auf Italienisch – begründet der Angeklagte im Zeugenstand sein besonderes Engagement für die Gesundheit seines sportelnden Sohnes Daniel Taschler.

Gottlieb Taschler, der Antholzer Biathlon-Papst, wollte im Frühjahr 2010 eine „zweite Meinung eines Arztes“ einholen, wie er bei seinem einstündigen Auftritt am Bozner Landesgericht erklärt.

Er rief ausgerechnet den Sportarzt Michele Ferrari an, der damals bereits vom italienischen Radsportverband gesperrt worden war (was der Anrufer laut eigener Aussage nicht wusste).

Taschler, der wie Ferrari der Beihilfe zum Doping angeklagt ist, bezeichnet den Arzt als „alten Freund“ aus den Tagen, als er selbst Biathlet war. Und dieser Freund habe ihm den Gefallen gemacht, sich kostenlos um die gesundheitlichen Probleme des B-Kader-Biathleten Daniel Taschler zu kümmern.

Welche Probleme? „Er war wenig robust, sehr krankheitsanfällig“, sagt Gottlieb Taschler über seinen Sohn. Immer wieder Magenprobleme, Grippe, Bronchitis, allgemeine Schwähe. Auffallenderweise sagt Taschler nichts von einem Schilddrüsenproblem. Ende 2014, als der Vorwurf öffentlich wurde, Taschler habe seinem Sohn bei Ferrari eine EPO-Doping-Kur bei Ferrari vermittelt, war dies seine Begründung für die Kontaktaufnahme.

Wie auch immer. Der Zeuge spricht immer nur von gesundheitlichen Problemen. Nie, auch nicht den Fragen von Staatsanwalt Giancarlo Bramante, ist von Doping die Rede und so zieht sich Gottlieb Taschler halbwegs unbeschadet aus der Affäre. Auffallend ist, dass er sich nicht an ein Ereignis vom 14. Jänner 2011 erinnert. Da erzielte Daniel Taschler mit einem 5. Platz beim Biathlon-Europacup in Altenberg das beste Ergebnis seiner bis 2015 dauernden Karriere. Lediglich ein Schießfehler, 30 Sekunden vom Podium entfernt.

„Es kann sein, dass er dort ein Top-10-Ergebnis erzielt hat“, lautet der lapidare Kommentar von Gottlieb Taschler im Gerichtssaal.

Die Anklage geht davon aus, dass der 5. Platz auch das Ergebnis einer ab Juni 2010 laufenden, von Michele Ferrari verordneten EPO-Kur Daniel Taschlers ist. Mit sogenannten Mikrodosen, wie aus den Abhörungen der Gespräche zwischen dem Athleten und dem gesperrten Sportarzt hervorgeht.

Gottlieb Taschler berichtet hingegen von einem Treffen am 6. Dezember 2010 in der Stadt Ferrara, bei dem er sich persönlich bei Ferrari für dessen Dienste bedankt habe. „Weil sich die gesundheitlichen Probleme nicht gelöst hatten, haben wir entschieden, dass sich Daniel wieder in der Sportmedizin in Bruneck behandeln lässt“, so Taschler.

Von Trainingsplänen Ferraris für seinen Sohn will Ex-Athlet Taschler hingegen nichts gewusst haben. Auch nicht von den Ergebnissen der beiden Besuche der Sportarztes in Antholz: Am 22. Juli und am 14. August 2010 kreuzte Ferrari dort auf, um sich mit Daniel Taschler in dessen Wohnung im elterlichen Haus zu treffen. „Ich war nicht dabei“, betont der Vater.

Das klingt sehr nach Schutzbehauptung, auch wenn sich das Gegenteil – eine Mitwisserschaft Gottlieb Taschlers über Doping-Praktiken – in diesem Prozess schwer beweisen lässt.

In den insgesamt fünf abgehörten Telefonaten, die der Biathlon-Boss mit Ferrari führte, ist von EPO nicht die Rede. Allenfalls von einem Ziel für den mäßig erfolgreichen und angeblich kranken Athleten Daniel Taschler: „Wir setzen auf den Weltcup“.

Die Staatsanwaltschaft verschont den Zeugen vor speziellen Fragen zum verbotenen Hormonpräparat EPO. Diese stellt die Ferrari-Verteidigung hingegen ihrem eigenen Zeugen, dem aus New York eingeflogenen Krebsforscher Paolo Boffetta. Dieser sagt, die Hämatokrit-Werte im biologischen Blutpass von Daniel Taschler seien „innerhalb der Norm“. Und dass er selbst eigentlich kein Doping-Experte sei.

Befragt werden auch der frühere Brunecker Sportarzt Alex Mitterhofer, der von Daniel Taschlers angeschlagener Immunabwehr und von Ferrari angeordneten Tests erzählt, und Astrid Taschler, der Ehefrau und Mutter der beiden Angeklagten. Sie erwähnt sehr wohl ein Schilddrüsen-Problem.

Das Urteil im Fall Taschler soll am 17. März fallen.

 

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