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    Ruzowitzkys Hölle

    Thriller sind zwar nicht meins, „Die Hölle – Inferno“ des österreichischen Oscar-Preisträgers Stefan Ruzowitzky war den Ausflug ins Genrekino aber wert.

    von Renate Mumelter

    Meistens ist es Nacht, meist regnet es, die Wohnungen sind allesamt düster, die Stimmungen auch. Irgendwo da draußen ist ein Verrückter unterwegs, der Frauen abschlachtet, alles Muslimas, fast alles Prostituierte. Die Wiener Taxifahrerin und Thaiboxerin Özge wird zufällig Zeugin eines dieser Morde und gerät in höchste Gefahr. Der Killer macht Jagd auf sie. Özge versucht sich zu schützen, was gar nicht so einfach ist, weil ihr zunächst niemand glaubt. Deshalb verteidigt sich Özge selbst, zuschlagen kann sie.

    Die Grundstimmung der wortkargen jungen Frau ist so düster ist wie die Wohnungen, durch die sie zieht, Özge trägt eine Wut in sich, die von weit her kommt. Sie hat gelernt, niemandem zu vertrauen, nicht einmal ihrer eigenen Familie. Hinter dieser düsteren Fassade gibt es eine weiche, menschliche, verletzliche Özge. Hingebungsvoll kümmert sie sich um die kleine Ada, die keiner haben will, und um den dementen Karl Steiner (Friedrich von Thun) samt Hund. Steiner ist der Vater des Kommissars (Tobias Moretti), der Özges Fall bearbeitet.

    Bei Ruzowitzky darf Moretti mit dem unvermeidlichen Schnauzer und den kurzgeschorenen Haaren nicht nur „gschert“ sein sondern auch weich, eine schöne Rolle, die mit ein paar Genre-Klischees bricht. „Die Hölle“ ist spannend, bietet Action und fast immer glaubwürdige Wendungen und sie überrascht mit witzigen oder nachdenklichen Momenten, die den Thriller-Plot erholsam durchbrechen. Violetta Schurawlows Özge schließlich ist etwas ganz Besonderes, eine Frau, die sich wehrt.

    Die Hölle – Inferno (A, D 2017), 100 Min., Regie: Stefan Ruzowitzky, mit Violetta Schurawlow, Tobias Moretti, Friedrich von Thun, Szenenbild Isidor Wimmer, Bewertung: Empfehlenswerter Ausflug in den Genrefilm

    Was es sonst noch gibt: „LA LA Land“, „Bauer unser“, „Hannah Arendt“ (nur MI)

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