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    Kalte Füße

    theiner-rosalpine-dokDer verzwickte Fall Rosa Alpina in St. Kassian: Die Landesregierung hat eine Entscheidung wieder vertagt. Derweil drängen Bauern und Heimatschützer auf Grundsatzentscheidungen.

    von Silke Hinterwaldner

    Dass Bauern, Heimatschützer und Umweltschützer einer Meinung sind, kommt nicht besonders oft vor.

    Aber im verzwickten Fall des Hotels Rosa Alpina in St. Kassian bilden sie eine seltene Allianz, um auf Grundsätzliches hinzuweisen: das unlesbare Landesraumordnungsgesetz mit seinen vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten und das Höfegesetz. Beide schützen wohl ungewollt auch Landwirte, die längst keine mehr sind. Das führt immer wieder zu Streit.

    Und genau das ist der Kern der Debatte um die Baustelle in St. Kassian. Dort hat Hotelier Paul Pizzinini im Mai vergangenen Jahres eine Baukonzession ausgehändigt bekommen, die ihm die Errichtung eines Wohnhauses und eines Stadels gewährt – obwohl seit Jahrzehnten an Ort und Stelle nichts mehr an einen Südtiroler Bauernhof erinnert. Trotzdem bleibt ein geschlossener Hof im Grundbuch eingetragen und die damit zusammenhängenden Rechte haben Gültigkeit.

    Derzeit beschäftigen sich die Richter damit, ob Pizzinini weiterbauen darf, die Grundsatzdiskussion muss jedoch auf anderer Ebene geführt werden. Dieser Meinung sind auch die Heimatpfleger.

    „Dieser Fall“, erklärt Albert Willeit, „zeigt auf, dass unsere seit Jahren vorgebrachte Kritik über die vielfach so gewollte RaumUNordnung wieder einmal voll bestätigt wird. Der unlesbare Gesetzesdschungel lässt offensichtlich viele Interpretationsmöglichkeiten zu, sodass sich immer wieder scheunentorgroße Löcher auftun, welche die Spekulation anfeuern und die wundersame Kubaturvermehrung ermöglichen, um wie in diesem Fall, eine neue Hofstelle bauen zu können.“

    Der Vorsitzende der Pusterer Heimatpfleger hat seine Meinung in einem offenen Brief verschriftlicht und diesen an die Mitglieder der Landesregierung adressiert. Am Montagabend hat er dem Brief abgeschickt, wohl vor allem deshalb, weil sich die Landesräte am Dienstag Vormittag zur allwöchentlichen Sitzung treffen.

    Dabei sprach man am Dienstag – zum wiederholten Male – über den Fall Rosa Alpina. Aber wieder einmal musste dieser Tagesordnungspunkt vertagt werden.

    „Wir warten die Entscheidung des Gerichts ab“, erklärte Landeshauptmann Arno Kompatscher im Anschluss an die Sitzung.

    Und weiter: „Es wäre nicht sinnvoll, wenn die Landesregierung jetzt eine Entscheidung treffen würde. Schließlich entsteht kein Schaden, da die Bauarbeiten bis dahin ohnehin ausgesetzt sind.“ Vielmehr sei es genau umgekehrt: Jede Entscheidung der Landesregierung würde dem Rechtsfrieden schaden und zu neuen Prozessen führen. Das gilt es zu vermeiden.

    Die Forderung von Albert Willeit und den Heimatschützern bleibt trotzdem unumstößlich: Die Landesregierung soll das Gutachten der Kommission für Natur, Landschaft und Raumentwicklung respektieren und dieses Vorhaben unterbinden. Willeit: „Ansonsten wird dieser Präzedenzfall enorme Auswirkungen haben und viele neue Baumöglichkeiten im landwirtschaftlichen Grün eröffnen, was zu einer weiteren Zersiedelung führen wird.“

     

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    Kommentare (4)

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    • sepp

      landesräte die sich nett auskenn sollen giehn sein überfordert und diletanten

    • snakeplisskien

      „obwohl seit Jahrzehnten an Ort und Stelle nichts mehr an einen Südtiroler Bauernhof erinnert“

      Na ja, aber eine Art Stall ist es schon noch, weil darin zwar kein Vieh, dafür aber die Touristen ordentlich abgemolken werden.

      • yannis

        @snakeplisskien

        sicher ! Touristen sind weitaus bessere Melkkühe, schon allein deswegen dass sich Preiserhöhungen von Jahr zu Jahr von über 10% durchsetzen lassen.
        Davon kann der kleine „echte“ Milchbauer NUR träumen.

    • klecks

      Lieber eine „Blamage“ und die Landesregierung (und die Partei) stehen zu den eigenen Gesetzen mit einer klaren Botschaft, als sich hinter irgendwelche „Interpretationen“ von Rechtsanwälten und Verwaltungsrichtern zu verstecken. Den Rechtsfrieden hätten unsere Volksvertreter bereits vor Monaten herstellen können. Etwas mehr Rückgrad, liebe Landesregierung, Farbe bekennen!
      Die Planierung oder Entwässerung einer Almwiese eines Bergbauern abzulehnen ist für euch auch noch nie ein Problem gewesen.
      Vertretet ihr die Interessen der Allgemeinheit oder jene einer privaten Person?
      Die Wut der Bürger könnte wieder anwachsen.

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