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    Die Milch-Pläne

    flash-milch-mit-joachim-reinalter-und-adalbert-braunhoferBergmilch Südtirol verzichtet nun doch auf Maßnahmen zur Drosselung der Milchmenge. Jetzt soll allerdings eine südtirolweit gültige Mengenbeschränkung eingeführt werden.

    von Heinrich Schwarz

    In Tirol gingen Anfang November die Wogen hoch. „Die Viehaffäre zwischen Nord- und Südtirol eskaliert“, schrieb die Tiroler Tageszeitung. Der Tiroler Bauernbund, die Landwirtschaftskammer und die Zuchtverbände hatten ein Protestschreiben an die Landeshauptleute Arno Kompatscher und Günther Platter gerichtet.

    Der Grund: Die größte Milchgenossenschaft Südtirols, die Bergmilch (Fusion Mila-Senni, Anm. d. Red.) hatte ihre über 2.700 Mitglieder im Frühjahr angewiesen, weniger Milch anzuliefern, um die europäische Milchkrise meistern zu können. Jene Milch, die nicht verarbeitet werden kann, solle nicht zu Spottpreisen verkauft werden müssen. Den Bauern wurde nahegelegt, für die Fütterung ihrer Kälber Kuhmilch anstatt Milchpulver zu verwenden und zudem kein ausländisches Vieh zuzukaufen.

    Jene Bauern zu sanktionieren, die einen Anteil an ausländischen Kühen von mehr als zehn Prozent im Stall haben, komme einem Importstopp gleich, so die Kritik aus Nordtirol. Es handle sich um eine „ungerechtfertigte Diskriminierung“. Sogar mit EU-rechtlichen Schritten wurde gedroht.

    „Viel Lärm um nichts“, lautete die Reaktion von Bergmilch-Obmann Joachim Reinalter. Er erklärte: „Wir haben gesagt, dass es eine Maßnahme zur Einschränkung der Produktion ist. Jeder Bauer kann weiterhin Vieh importieren, wenn er gleich viel Milch produziert wie im Vorjahr. Nur wer mehr produzieren will, sollte dies im Interesse der Genossenschaft überdenken.“

    Reinalter betonte im November, dass die Maßnahmen zur Milchmengenregulierung am Ende gar nicht in Kraft treten könnte. Die Bergmilch kündigte an, die Milchmengen der Monate Oktober bis Dezember zusammenzurechnen und mit demselben Zeitraum des Jahres 2015 zu vergleichen. Sanktionen werde es nur geben, wenn Menge angestiegen ist.

    Jetzt ist die Analyse über die Bühne gegangen. „Wir haben gesehen, dass es keine Überproduktion gab, weshalb wir keine Maßnahmen getroffen haben. Den Mitgliedern gilt ein großer Dank, da sie im Sinne der Genossenschaft gearbeitet und die Menge reduziert haben“, ist Obmann Joachim Reinalter erleichtert.

    Jetzt, so Reinalter, habe man es auf dem schwierigen Milchmarkt einfacher, was sich positiv auf den Auszahlungspreis auswirken werde. „Der Preis wird zwar zurückgehen, aber im Verhältnis zum restlichen Europa glaube ich schon, dass wir ein für die Bauern zufriedenstellendes Ergebnis einfahren können“, sagt Reinalter. Die Versandmilchmenge habe man reduzieren und die Verarbeitung steigern können.

    Die Entwicklung der Milchmenge will die Bergmilch auch in den nächsten Monaten genau beobachten. Europaweit hat sich die Lage auf dem Milchmarkt aber deutlich verbessert. „Ich hoffe, dass es allen Betrieben eine Lehre war, dass man nicht ohne Milchmengenvorgabe produzieren kann. Wenn jeder produziert, wie viel er will, werden wir alle gemeinsam abstürzen“, bringt es Reinalter auf den Punkt.

    Auch beim Milchhof Sterzing stand eine Mengenbeschränkung – bezogen auf die Fläche der Betriebe – im Raum. Man hat nun ebenfalls davon abgesehen. „Ich habe bei der Sitzung des Sennereiverbandes allerdings vorgeschlagen, eine südtirolweite Mengenbeschränkung einzuführen, um Nachhaltigkeit zu garantieren“, sagt der Sterzinger Obmann Adalbert Braunhofer. Es sei sinnvoller, wenn für jeden Bauer dieselbe Regelung gilt.

    Der Vorschlag ist im Dachverband der Südtiroler Milchhöfe auf eine grundsätzliche Zustimmung gestoßen. „In dieser Woche findet die Geschäftsführer-Sitzung statt, wo sicher noch einmal darüber gesprochen wird“, so Braunhofer.

    Joachim Reinalter, der auch Obmann des Sennereiverbandes ist, unterstützt den Vorschlag jedenfalls: „Man wird sich vielleicht nicht sofort einigen können, aber auf langfristige Sicht ist eine nachhaltige Milchproduktion, bei der es eine Beschränkung bezogen auf die Fläche gibt, sicher ein Schritt in die richtige Richtung – unabhängig von der Entwicklung auf dem europäischen Milchmarkt.“

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