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    Bauern müssen nachsitzen

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    Aufregung bei Südtirols Bauern: Wer bis zum 13. März keinen entsprechenden Fortbildungskurs besucht hat, verliert seine Traktor-Fahrerlaubnis.  

    Von Matthias Kofler

    Leo Tiefenthaler befindet sich in keiner beneidenswerten Position. „Wir haben in Südtirol 20.000 Traktorfahrer und über 30.000 immatrikulierte Traktoren“, sagt der Bauernbund-Obmann, „aber zu wenig Referenten, um ausreichend Kurse anbieten zu können.“ Leo Tiefenthaler hofft deshalb stark darauf, dass der Endtermin für den Traktor-„Patentino“ noch einmal aufgeschoben wird. Ansonsten könnten zahlreiche Bauern plötzlich vor großen Schwierigkeiten stehen.

    Laut dem Abkommen der Staat-Regionen-Konferenz von 2012 sind alle landwirtschaftlichen Betriebe zu einer spezifischen Ausbildung für die Verwendung von bestimmten Arbeitsmitteln verpflichtet. Die Regelung betrifft nicht nur Hebebühnen, Gabelstapler oder Bagger, sondern eben auch Traktoren. Bauern, die mindestens eine zweijährige Erfahrung haben, müssen bis spätestens 13. März dieses Jahres einen ersten Auffrischungskurs zur Verwendung ihres Traktors besucht haben. Der Kurs dauert insgesamt vier Stunden. Es gibt nach oben hin keine Altersbeschränkungen. Von der Regelung ausgenommen sind nur jene Bauern, die innerhalb des vergangenen Bienniums ihren Autoführerschein gemacht haben.

    Der Auffrischungskurs muss alle fünf Jahre absolviert werden.

    Nun sind viele Landwirte in großer Aufregung: Denn wer bis zum 13. März keinen Fortbildungskurs besucht hat, verliert seine Traktor-Fahrerlaubnis. Wer ohne den sogenannten „Patentino“ erwischt wird, muss mit einer Geldstrafe von 1.315,20 bis 5.699,Euro oder mit einer Gefängnisstrafe von zwei bis vier Monaten rechnen. Doch damit nicht genug. „Im Falle eines Unfalls wäre der Bauer, der ohne Fahrerlaubnis unterwegs ist, nicht versichert“, erklärt Leo Tiefenthaler.

    Der Bauernbund bemüht sich darum, die Bauern über ihre Verpflichtungen aufzuklären. Seit vier Monaten werden die entsprechenden Auffrischungskurse, teilweise von der Bauernbund-Zentrale in Bozen aus, teilweise auch von Genossenschaften in den Bezirken, angeboten. Allerdings ist die Teilnehmerzahl pro Kurs auf höchstens 24 Bauern beschränkt. Die Teilnahmegebühr beträgt 30 Euro plus Mehrwertsteuer. „Einige Tausend Bauern haben wir schon durch die Kurse geschleust, aber es fehlen noch etliche“, bekennt der Bauernbund-Obmann.

    Die Landesregierung greift den Bauern helfend unter die Arme. Am 27. Dezember wurde beschlossen, dass die Kurse auch von Zuhause aus mittels Elearning besucht werden können. Auch bei den Online-Kursen werden die theoretischen Traktor-Kenntnisse der Teilnehmer vier Stunden lang aufgefrischt. Danach erhält der Bauer ein Teilnahmezertifikat, den sogenannten „Patentino“. Es ist – wie beim „normalen“ Kurs vor Ort – keine Abschlussprüfung vorgesehen. „Interessenten können sich direkt beim Bauernbund melden“, sagt Leo Tiefenthaler.

    Bauern, die hingegen keine zweijährige Traktor-Erfahrung aufweisen, müssen laut der staatlichen Regelung zunächst einen Grundkurs besuchen. Dieser dauert acht Stunden und wird sowohl vom Bauernbund als auch von der Berufsbildung angeboten. Der Kurs setzt sich aus einem juridischen, einem theoretischen und einem praktischen Teil zusammen. Die Absolventen des Grundkurses müssen erst nach fünf Jahren den vierstündigen Auffrischungskurs besuchen.

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    Kommentare (14)

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    • andreas

      Eine Frechheit diese Hetzerei der Bauern, war ja erst seit 2012 bekannt, wer soll sich so kurzfristig organisieren?

    • einereiner

      Optimisten hatten noch die kleine Hoffnung, dass sie bei den Kursen etwas lernen…sie wurden alle enttäuscht. Man lernt nichts, es ist nur unwichtiges, uninteressantes Geschwafle.
      Mein Vater ist 82 und fährt seit 60 Jahren unfallfrei Traktor. Soll er sich jetzt 4 Stunden hinsetzen uns sich von einem rotzjungen Sesselfurzer erzählen lassen, wie man unfallfrei fährt?
      Diese ganze Geschichte ist nur eine Arbeitsbeschaffungsmassnahme für bewegungsfaule Schreibtischtäter und eine Drangsalierungsmassnahme für die arbeitende Bevölkerung.
      Pfui Staat-Regionenkonferenz, in der die Südtiroler federführend waren! Pfui pfui pfui!

      • vogel

        Genauso ist es! Die ganzen Sicherheitskurse sind ein gut laufendes Geschäftsmodell, bei dem sich die Anbieter eine goldene Nase verdienen. Aber die Bürokraten haben ja jede Menge Zeit sich alle möglichen Schikanen auszudenken, damit sie selbst eine Existenzberechtigung haben.

    • rota

      Wie viele Betroffene dieser Zwangsbeglückung haben schon dem Tiefenthaler die Leviten gelesen, aber der hat sich obrigkeitsfürchtig und systemgetreu für diese legalisierte Abzocke ausgesprochen und selbige als gute Einrichtung befunden. Ach ja, ich würde auf dem Teilnahmewisch auch noch eine Stempelmarke mit der Unterschrift von Landesrat Schuler annullieren lassen, gäbe ein noch besseres Bild ab.
      Jeder hat die Vertreter die er verdient.

    • sepp

      guet es Bäuerlein a so solls sein aussa mit die 30euro schule mochen und nett winseln
      kriegas do koan beitrog

    • gynne

      Warum sollten die Bauern wieder einmal eine Extra Behandlung bekommen?
      Mittlerweile muss schon fast jeder Arbeiter irgend einen bescheuerten Kurs absolvieren .Vom Kran-, Stapler- Baggerfahrer hin bis zum LKW Fahrer wobei ein Kurs um die 300€ kostet ,dazu noch Drogen und Alkohol Tests ,was auch bei den Bauern anzuwenden währe .
      Die Bauern sollen endlich aufhören IMMER nur zu Lärmen und zu Blären und sich immer nur als Opfer zu sehen und dazu sollen sie auch endlich je nach Größe des Hofes und einkommen Steuern bezahlen und nicht wie jetzt, NUR eine Eigene Erklärung zum Einkommen abgeben müssen .

      • rota

        und mit welchen Nachhilfekursen wollen wir unsere Politiker und Journalisten beglücken? Ach hätt es beinahe vergessen, die gehen zu den Bilderbergern zum Weltwirtschaftsforum und den Klausurtagungen auf Mallorca.
        Und unsere Ärzte, die werden von Pharmafinanzgruppen zu den Orientierungstagungen in Wellnesshotels eingeladen.
        Das einfache Volk kann zu Missionstagen pilgern, aber nur auf eigene Kosten.
        Und der Rest bleibt Zuhause und lamentiert sich, wie ich es tue , in anonymen Foren… bringt nix und kostet nix.

    • sepp

      den Bauern konn man lei sogen weiterhin fescht SVP wählen die schickanen mochen jo die kimp a neues gsetz ausser sei esEU oder ITAIEN ist es Südtirol sicher doppelt so streng wie überall anders genau des hobmo der SVP zu verdanken mir brauchen jo arbeitsplätze für die Studenten

    • Sinnlos oder sinnvoll – früher oder später trifft es jeden…
      Mal schauen, ob es den Bauern wieder gelingt, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen… denn 5 Jahre sind nun doch wirklich viel zu eng bemessen 😉
      Meine berufliche Weiterbildung muss jährlich nachgewiesen werden, und ich bekomme keinen Beitrag vom Land dafür 🙁

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