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    Abgasschwindel bei Lkw?

    Lkw auf der Autobahn (Symbolbild)

    Lkw auf der Autobahn (Symbolbild)

    Das ZDF hat einen massiven Abgasschwindel von osteuropäischen Speditionsunternehmen aufgedeckt. Das könnte auch für die Brennerachse relevant sein.

    „Weiß man in Südtirol, wie viele abgasmanipulierte Lkw vorwiegend aus dem Osten auf Südtirols Transitstrecken unterwegs sind?“

    Diese Frage stellt der Landtagsabgeordnete Andreas Pöder (BürgerUnion) aufgrund eines aufsehendenerregenden Berichtes im deutschen Fernsehen (Frontal 21, ZDF, 17.01.2017), mit dem ein massiver Abgasschwindel von osteuropäischen Speditionsunternehmen aufgedeckt wurde.

    Rund 20 Prozent der offiziell abgasarmen Lkw sollen von den Transportunternehmen selbst manipuliert worden sein, um Kosten und Mautgebühren zu sparen. Der Negativeffekt für die Umwelt und die Bürger entlang der Transitstrecken: Eigentlich abgasarme Lkw werden zu regelrechten Dreckschleudern.

    Pöder will nun in einer Landtagsanfrage wissen, ob es diesbezüglich in Südtirol Kontrollen gibt und ob Manipulationen festgestellt werden bzw. wurden.

    Geschwindelt wird in Osteuropa beim Einsatz des Zusatzstoffs AdBlue in Dieselmotoren von Lkw. In modernen Dieselmotoren wird er in den Abgasstrang eingespritzt und senkt den Stickoxid-Ausstoß. Um die Kosten für die Anschaffung dieses Zusatzstoffes einzusparen, kaufen Speditionen Geräte, die die AdBlue-Einspritzung lahmlegen und der Bordelektronik des Lkw gleichzeitig vorspielen, mit AdBlue zu fahren – obwohl der Stoff gar nicht verwendet wird. Dabei handelt es sich um kleine Elektronikbauteile, sogenannte AdBlue-Killer.

    Andreas Pöder

    Andreas Pöder

    Dass diese Emulatoren eingesetzt werden, um die AdBlue-Anlage auszuschalten, ist dabei gängige Praxis und nicht per se illegal. Zum Beispiel, wenn ein Lkw mit integriertem AdBlue-System in ein Land verkauft wird, das dessen Einsatz nicht per Abgasverordnung vorschreibt. In diesen Fällen wird die Umrüstung allerdings in offiziellen Werkstätten vorgenommen und der Vorgang genau dokumentiert. Durch die Umrüstung verlieren die Lkw allerdings auch das Anrecht auf Vorteile bei Steuer- oder Mautabgaben, die sie bei aktiver AdBlue-Anlage hätten.

    In Osteuropa geschieht der Umbau deswegen oft in betrügerischer Absicht, betont Andreas Pöder.

    In einer Studie der Universität Heidelberg im Auftrag des ZDF und des Verbands für die Transportbranche, Camion Pro, fand Prof. Denis Pöhler heraus: Gut 20 Prozent osteuropäischer Lkw fahren mit extrem auffälligen Abgaswerten.

    Die Betreiber profitieren doppelt: Sie sparen zum einen bei der Anschaffung von AdBlue. Gleichzeitig zahlen sie in manchen europäischen Ländern zu wenig Mautgebühren. In einigen Ländern hängen die unterschiedlichen Mautklassen auch vom Schadstoff-Ausstoß eines Lkw ab.

    In Italien und somit auch in Südtirol gibt es diese emmissionsabhängige Mautberechnung derzeit noch nicht, soll aber in den nächsten Jahren eingeführt werden. „Die Fahrzeuge, die nun einen geringeren Ausstoß vortäuschen, würden dann auch bei uns in einer falschen, für die Speditionen günstigeren Klasse fahren, als sie eigentlich müssten“, so Pöder.

    Dadurch sparen die Betreiber derzeit in Deutschland Abgaben in Höhe von bis zu 110 Millionen Euro jährlich, so Expertenberechnungen.

    Die Auswirkungen für die Umwelt sind durch den Schwindel enorm, Experten halten den Schaden für doppelt so groß wie bei den durch die Manipulationen von VW verursachten Belastungen: bis zu 14.000 Tonnen Stickoxiden zusätzlich pro Jahr.

    „Bei zwei Millionen Lkw, die derzeit allein auf der Brennerachse durch Südtirol fahren, davon viele auch aus Osteuropa, ist auch für uns relevant, ob und im welchem Ausmaß Transportunternehmen an ihren Lkw Emissionswerte manipulieren, so Pöder.

    Der Text seiner Landtagsanfrage:

    1. Gibt es diesbezüglich Erkenntnisse über genannte oder ähnliche Manipulationen der Abgaswerte an Lkw, die auf Südtirols Straßen fahren – gab bzw. gibt es Kontrollen und Auffälligkeiten?
    2. Gibt es derzeit in Südtirol geltende und anwendbare emissionsabhängige Vergünstigungen für Transportunternehmen – wenn ja, welche? Und wie wird sichergestellt, dass es diesbezüglich nicht zu Manipulationen kommt?
    3. Wie will man künftig bei der Einführung von emissionsabhängigen Mautklassen garantieren, dass es hier nicht zu den massiven Betrugsszenarien kommt, die jüngst Gegenstand des Berichtes im deutschen Fernsehen waren?
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