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    Der erste Straßenmord?

    auto-unfall-auto-waffeChristoph Piazza, der im Oktober einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht und 5.391 Unterschriften für die Wiedereinführung des Notarztdienstes in Gröden gesammelt hat, droht nun die erste Strafanklage in Südtirol wegen Straßenmordes.

    Von Thomas Vikoler

    Am 24. März unterschrieb Staatspräsident Sergio Mattarella ein Gesetz, das für jahrelange politische Diskussionen gesorgt hatte. Die Einführung des Strafbestandes des Straßenmordes („omicidio stradale“), angesiedelt zwischen vorsätzlichem Mord und fahrlässiger Tötung, begangen im Straßenverkehr. Strafrahmen: Von acht bis 18 Jahren Gefängnis.

    Nun wurde am Bozner Landesgericht die erste Ermittlung zu diesem Strafbestand abgeschlossen: Der Fall von Christoph Piazza.

    Staatsanwalt Axel Bisignano hält dem 45-jährigen Berufsfeuerwehrmann aus St. Ulrich einen Verstoß gegen den dritten Absatz des neuen Gesetzes Nr. 41 vor. Durch sein „den Umweltbedingungen nicht angepasstes Verhalten im Straßenverkehr“ habe er am 14. Oktober vergangenen Jahres den Tod der 63-jährigen Monika Messner verursacht.

    Der Unfall ereignete sich um 21.40 Uhr an einer Bushaltestelle der Grödner Staatsstraße bei Runggaditsch. Monika Messner, die gerade aus einem Bus gestiegen war, wurde von Piazzas Fahrzeug voll erfasst und stürzte zu Boden. Später, auf der Fahrt mit dem Notarztwagen ins Bozner Krankenhaus, verstarb die Frau aus St. Ulrich an den Folgen ihrer schweren Verletzungen.

    Und nun muss der Fahrer des Unfallfahrzeugs damit rechnen, dass gegen ihn Anklage wegen Straßenmordes erhoben wird.

    Der tödliche Verkehrsunfall ereignete sich nämlich im Bereich eines Zebrastreifens (eine Voraussetzung von Absatz 3), der Fahrer hätte seine Fahrweise laut Abschlussbericht des Staatsanwalts zudem den widrigen Umweltbedingungen (Dunkelheit und Regen) anpassen müssen. Überhöhte Geschwindigkeit oder Alkohol am Steuer werden Piazza nicht vorgehalten.

    „Der Vorwurf ist in zweifacher Hinsicht absurd“, kommentiert der Tatverdächtige, der am Tag nach dem Unfall den Ehemann der Verstorbenen aufgesucht hat, um mit ihm über das Vorgefallene zu sprechen. Mein sei sich einig gewesen, dass ein solcher Unfall jedem Autofahrer hätte passieren können, sagt Piazza.

    Er schildert die Unfalldynamik gut drei Monate später folgendermaßen: „Ich bin talauswärts gefahren, als es plötzlich einen lauten Tschepperer gemacht hat. Der Airbag ist aufgegangen, die Windschutzscheibe ist zerbrochen. Ich habe gedacht, ich träume. Dann habe ich jemand Monika rufen gehört und eine Person am Boden liegen gesehen“. Der Feuerwehrmann sagt, er habe die Fußgängerin gar nicht bemerkt, keine Chance gehabt, ihr auszuweichen.

    „Es war pechschwarz an der Stelle, die Beleuchtung über dem Zebrastreifen war ausgefallen. Der Unfall hat sich aber nicht auf diesem ereignet, sondern etwas weiter weg“, behauptet Piazza.

    Die Staatsanwaltschaft kommt zu einem anderen Schluss, Piazzas Verteidiger Martin Fill will dazu einen Gutachter beauftragen.

    Absurd findet der Grödner seine Situation auch deshalb, weil Monika Messner nach seiner Einschätzung möglicherweise hätte gerettet werden können. Bei einem schnelleren Eintreffen der Notarztes. Denn der aus Brixen angefahrene Notarzt verabreichte der Schwerverletzten um genau 22.43 Uhr, also 58 Minuten nach dem Notruf, das erste Medikament. Zuvor war sie von Sanitätern des Weißen Kreuzes, die nach sieben Minuten eintrafen, und Piazza selbst (erst ist Rettungssanitäter bei der Berufsfeuerwehr) erstversorgt worden.

    Christoph Piazza startete einige Wochen später eine bemerkenswerte Kampagne, die auch als Schuldbewältigung gesehen werden kann: Er sammelte Unterschriften zur Wiedereinführung des im August aufgelassenen Notarztdienstes im Grödental. Inzwischen hat er 5.391 Unterschriften beisammen, demnächst will er sie den Bürgermeistern des Tales übergeben.

    „Die Grundversorgung muss garantiert werden. Ich habe bisher aber leider festgestellt, dass der politische Wille dazu fehlt. Der Hubschrauber mag bei gutem Wetter eine Alternative zum fixen Notarzt im Tal sein, bei Schlechtwetter befinden wir uns aber im Mittelalter“, sagt der engagierte Unfallfahrer, der den Zuständigen Fahrlässigkeit im Umgang mit dem Problem vorwirft.

    Einstweilen durfte Christoph Piazza seinen Führerschein behalten.

    Im Falle eines rechtskräftigen Schuldspruchs wegen Straßenmordes droht ihm dessen Entzug für mindestens zehn Jahre.

     

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (14)

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    • andreas

      Die genaue Stelle des Unfalls sollte klar sein, es gab ja Zeugen.
      Stockdunkel kann es nicht gewesen sein, da er an seinem Auto wohl die Lichter eingeschaltet hatte.
      Die Aussage, dass er keine Chance hatte auszuweichen, da er sie nicht gesehen hat, spricht mehr gegen als für ihn.
      Die Schuld liegt wohl 100% bei ihm, da man laut Straßenverkehrsordnung immer nur so schnell fahren darf, dass man jederzeit allem ausweichen kann, auch wenn das unmöglich ist.
      Die möglichen Strafen sind aber zu hoch, da es kein Vorsatz war, Kammerlander hätte man dann mindestens lebenslänglich geben müssen.

    • zusagen

      wenn sich herausstellt dass es sich um „Straßenmord“ handelt, wer schützt uns dann vor all den weiteren Autofahrern die als zum Straßenmord bereit eingestuft werden müssen. Reichen die vom Gesetzgeber vorgesehenen Maßnahmen überhaupt aus um diese rechtzeitig auszuforschen und aus dem Verkehr zu ziehen?
      Und wohin mit all den Tatverdächtigen?

    • franz

      @zusagen
      Ein Glück für die Frau ?
      Bist Du besoffen? ( die Frau ist Tot, was für ein Glück für die Frau ? )
      “wer schützt uns dann vor all den weiteren Autofahrern die als zum Straßenmord bereit eingestuft werden müssen“ ?
      Wie würdest Du jemand als potenziellen Straßenmörderoder oder Mörder definieren bzw. als solchen erkennen ?.
      Schließlich ist jemand der einen Unfall mit Todesfolge verursacht ja kein IS Terrorist- Jihadist der durch seinen Predigt ankündigt die Ungläubigen zu ermorden. ( Selbst diese Trottel von Kopfabschneidern sind manchmal schwer als solche vorher zu erkennen.
      Ich denke Du solltest weniger saufen oder gras rauchen, zumindest dann nicht Autofahren.
      In der Tat wer zu viel Alkohol oder Cannabis -Marijuana ( THC ) konsumiert ist eine potenzielle Gefahr im Straßenverkehr für sich und für andere.

    • itler

      So ein Witz! Und ein Kammerlander der unter Alkoholeinfluss stand, dann abgehaun ist, gelogen hat und noch vieles andere was ihm negativ anzurechnen ist, läuft frei herum?
      Der hier betroffene hat erste Hilfe geleistet, sich direkt mit den Hinterbliebenen in Kontakt gesetzt etc.
      Straßenmord ist in so einem Fall einfach nur lächerlich!

    • abnormal

      Manchmal passiert wirklich ein Unglück auf der Straße. Eine Aneinanderreihung unglücklicher Umstände, die verhindert hätten werden oder nicht.
      Was ist aber, wenn jemand vorsätzlich sein Haus mit einem Messer in der Tasche verlässt um um sich herum zu stechen (Messerstecherei in Bozen)? Was wäre danndadie richtige Vorgehensweise? Die Messerstecher so lange mit Teddybären kuscheln lassen, bis sie zahm sind?

    • franz

      abnormal
      Die Meinungsfreiheit -Meinungsäußerungsfreiheit, wird in Verfassungen garantiert. Beschränkungen der Meinungsfreiheit dürfen in den meisten Demokratien keine abweichende Meinung unterbinden, sondern nur zum Staatsschutz oder zum Schutz anderer wichtiger Interessen wie dem Jugendschutz eingesetzt werden. Repression
      Der Schutz der persönlichen Ehre gegen Beleidigung oder Verleumdung oder sonstigen Blödsinn
      z. B
      Beim Auto fahren ist es ähnlich jeder der im Besitz einer Fahrerlaubnis ist, darf ein Fahrzeug lenken.
      unter der Bedingung , das er die Regeln des Straßenkodex respektiert. dazu gehört auch , dass Alkohol , Drogen wie Cannabis oder andere Drogen mit den Lenken eines Fahrzeuges nicht zusammenpassen.
      Während ein Glasl Wein oder ein zwei Bier zum Essen gesund sein kann,
      ( ausgeschlossen wer anschließend ein Fahrzeug lenkt, oder auch für Jugendliche und Schwangere. )
      Wenn jemand vorsätzlich sein Haus mit einem Messer in der Tasche verlässt und dabei niemand verletzt passiert nicht viel , wenn dabei jemand umbringt , ist es vorsätzlicher Mord, dafür gibt es unter Umständen bis Lebenslänglich .
      Wenn jemand mit seinen Fahrzeug einen Unfall verursacht weil er sich nicht an die Regeln gehalten hat und dabei jemand zu Tode kommt ( unter Einfluss von Alkohol Drogen oder zu schnelles Fahren ) dann ist das Mord.
      Immerhin sieht das Gesetz mildernde Umstände vor , wer den Opfern erste Hilfe leistet.
      In tema di comportamento del conducente in caso di incidente, l’art. 189.8 è stato sostituito dal seguente testo “Il conducente che si fermi e, occorrendo, presti assistenza a coloro che hanno subìto danni alla persona, mettendosi immediatamente a disposizione degli organi di polizia giudiziaria, quando dall’incidente derivi il delitto di lesioni personali colpose, non è soggetto all’arresto stabilito per il caso di flagranza di reato”.(……)

      • abnormal

        Ok, Franz
        Dann äußere ich meine freie VERMUTUNG, dass hier ein gewisser User ein unterbelichteter Höhlenmensch mit max 70 IQ ist, schon in aller frühe säuft und regelmäßig auf dem Bozner Boden den Prostituierten wegen einem gratis Probef… in den Ohren liegt und dann, wie immer die Zigarettenstummel aufklaubt und sich mit den Resten was zum Rauchen dreht. Irgendwann kommt dann immer ein Freier, der ihn für einen männlichen Prostituierten hält. Er steigt froh ein, endlich im Warmen zu sein und bekommt vom Rest nichts mehr mit. Am morgen tut ihm der Hintern so komisch weh. So geht das fröhlich weiter und wenn er nicht gestorben ist, dann trollt er hier noch heute.

    • franz

      Deinen Kommentaren nach könnte es sich bei den unterbelichteten Höhlenmensch mit max 70 IQ und einer hohlen Birne um den den User abnormal handeln ! 🙂
      Was Du am Bozner Boden manchst und wenn Dir dabei der Hintere so komisch weh tut ist zwar gesetzlich grenzwertig, aber so lange keine Jugendtliche betroffen sind ist es Deine Sache..

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