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    Unterschätzte Gefahr

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    Rodeln wird immer beliebter und daher kommt es auch immer häufiger zu Verletzungen – weil sich viele der Gefahr nicht bewusst sind und Schutzkleidung bzw. Informationen oft fehlen.

    Rodeln ist beliebt. Rodeln gilt als einfacher Sport. Und Rodeln wird von vielen als relativ ungefährlich eingestuft. Dennoch ist das Verletzungsrisiko beim Rodeln größer als beim Skifahren, warnen Mediziner. Laut einer österreichischen Erhebung landen jährlich 1.200 Rodler mit schweren Verletzungen im Krankenhaus – nur knapp 20 Prozent der Verletzten haben einen Helm getragen.

    Fachärzte für Orthopädie bestätigen diese Daten. „Die unzureichende Schutzkleidung und eine Unterschätzung dessen, was man eigentlich beim Rodeln tut, hat oft schwere Verletzungen zur Folge“, sagt Carsten Ladiges, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Krankenhaus von Brixen. Aber auch die Kleidung an sich und das Schuhwerk werden von vielen Rodlern oft unüberlegt gewählt, beobachtet der Orthopäde. „Viele Leute wissen zudem nicht, wie man eine Rodel richtig lenkt – und schon gar nicht, wie man sie bremst“, kritisiert Carsten Ladiges.

    Er macht ein Beispiel: Mit einer Rodel auf einer vereisten und harten Piste eine relativ schnelle Geschwindigkeit zu erreichen, ist kein Problem. Wenn man dann allerdings nicht weiß, wie man eine Rodel steuert oder bremst und versucht mit ausgestreckten Beinen die Rodel an einer Bande anzuhalten, kann dies zu schweren Verletzungen führen.

    Auch die Erfahrungen von Mauro Martin, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie am Traumacenter Kronplatz, bestätigen die Daten aus Österreich: „Beim Rodeln verletzten sich die Patienten oft sehr schwer.“ Natürlich, so der Facharzt für Orthopädie und Traumatologie, überwiegen im Traumacenter die Skiverletzungen, aber man müsse die Relation sehen. „Es sind viel mehr Skifahrer auf unseren Pisten unterwegs als Rodler, aber dennoch sehen wir auch schwere Rodelverletzungen“, so Mauro Martin.

    Rodeln wird von vielen als ungefährlicher und einfacher Sport eingestuft – und die Gefahren werden einfach unterschätzt oder ignoriert: „Viele denken, dass sie auf einer Rodel tief sitzen und bei einem Sturz nicht viel passieren kann – was sie aber nicht bedenken ist, dass sie mit einer nicht gerade geringen Geschwindigkeit unterwegs sein könnten“, warnt Carsten Ladiges.

    Zu den Verletzungen gehören hauptsächlich Prellungen und Knochenbrüche. „Oft handelt es sich um schwere Verletzungen, um Trümmerbrüche und Sprunggelenkverletzungen, weil man es nicht rechtzeitig schafft zu bremsen und gegen die Banden prallt – dann ist der Fuß meistens katastrophal gebrochen“, erklärt Mauro Martin. Einige Unfälle können gar zu invalidisierenden Verletzungen führen.

    Stichwort Mondscheinrodeln und Alkoholkonsum: „Das Rodeln an sich ist schon nicht ungefährlich, wenn dann noch die Faktoren Dunkelheit und Alkohol ins Spiel kommen, ist das nicht unproblematisch, weil die Risikobereitschaft höher ist“, so Carsten Ladiges. Dies sogar in zweifacher Hinsicht: Einerseits gehen die Rodler bereits beim Fahren oft mehr Risiko ein, andererseits geht man im Falle einer Verunfallung ein größeres Risiko ein, da eine Bergung länger dauern könnte als am Tag und zusätzliche Verletzungen wie eine Unterkühlung daher leichter vorkommen können.

    Sensibilisierung wäre im Bereich des Rodelns sehr wichtig, betont Carsten Ladiges. „Man sollte sich der Gefahren beim Rodeln bewusst sein“, so der Facharzt. Einige Tipps: Gutes und stabiles Schuhwerk, sowie angemessene Kleidung tragen. Zudem sollte man Schutzkleidung wie einen Helm tragen. Und besonders wichtig ist in den Augen des Mediziners die Information: „Man kann sich ruhig auch informieren in welchem Zustand die Rodelbahn ist und wie man eine Rodel richtig lenkt und bremst.“

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