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    Weiße Ringe

    bru-reischach-loipeEine Loipe, ein Eisring und ein Rodelhügel: In Reischach lässt man es kräftig schneien, um die Menschen aus ihren Häusern zu locken. Gemeinden und Tourismusverein zahlen dafür 90.000 Euro.

    von Silke Hinterwaldner

    „Heutzutage“, sagt Martin Huber, „kostet alles viel Geld. Da ist es eine Wohltat, wenn man ausnahmsweise irgendwo keine Gebühren entrichten muss.“

    Insofern, sagt der Präsident des Tourismusvereines Bruneck, seien die Loipe, der Eisring und der Rodelhügel in Reischach ein Geschenk an den fleißigen Steuerzahler.

    Die Anzahl der Winter ohne Schnee mehrt sich. Trotzdem wollen die Südtiroler genauso wie die Touristen nicht auf das Erlebnis im Schnee verzichten. Da hilft nur eines, haben sich die Wirtschaftstreibenden gedacht: Wenn der Schnee nicht vom Himmel fällt, muss ihn die Schneekanone machen.

    In den ersten kalten Herbst- und Wintertagen wird deshalb gerade im Pustertal sehr viel Kunstschnee produziert. In erster Linie dient dieser Schnee den Pisten in den Skigebieten, aber mittlerweile muss technischer Schnee auch für Loipen und Rodelhügel gemacht werden. In Reischach etwa könnte man sonst Gefahr laufen, gar nicht mehr zum Langlaufen zu kommen.

    Mittlerweile sorgen vier Schneekanonen dafür, dass auf dem Plateau über Bruneck ein Wintermärchen wahr wird, auch wenn es nicht wirklich schneit. Mit diesem Kunstschnee werden sieben Kilometer Loipe präpariert.

    Dazu kommen ein kleiner Rodelhügel und ein 400 Meter langer und zwölf Meter breiter Eisring mit einem kleinen Eislaufplatz. Alles zusammen kostet 90.000 Euro.

    Davon bezahlt die Gemeinde Bruneck 45.000 Euro, die Gemeinde St. Lorenzen steuert 5.000 Euro bei, den Rest übernimmt der Tourismusverein. Für die Nutzer selbst sind die Anlagen kostenlos nutzbar, was vor allem viele Familien mit Kindern und viele Hobbysportler freut, die hier nach Dienstschluss oder in der Mittagspause trainieren können.

    „Zu 80 Prozent“, erklärt Martin Huber, „werden die Anlagen von Einheimischen genutzt. An guten Tagen können so insgesamt rund 2.000 Besucher gezählt werden. Das macht uns sehr zufrieden. Es geht nicht immer nur ums Geld-Verdienen.“ Der Erfolg gibt den Reischachern recht: Schließlich ist die Bewegung in der freien Natur selbst dann schön und gesund, wenn man mit dem Schnee ein wenig nachhelfen muss.

     

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (5)

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    • ahaa

      Sie könnten einen Sandstrand machen und ihn beheizen!Wäre doch sicher eine Attraktion.Die Kosten übernimmt die Gemeinde,die habens ja.

    • roberto

      Welche Gefahr droht denn eigentlich, wenn man in Reischach nicht mehr Langlaufen kann? In vielen anderen touristischen Destinationen ist der Wintersport, vor allem der Skisport, eingestellt worden, da die Kosten nicht mehr wirtschaftlich vertretbar waren. Pisteskifahren und Langlaufen auf Loipen rechnet sich nur, wenn der Naturschnee GRATIS!! im Winter von den Wolken in größeren Mengen fällt. Der Paradigmenwechsel, den sich letztlich die Tourismus- und Wirtschaftstreibenden eingefahren habe ist schon äußerst plamabel. Galten doch bis vor zehn/fünfzehn Jahren die Lift- und Pistenbetreiber als die Lokomotive der lokalen Wirtschaft in den Alpen, so sind es heute genau jene Betriebe, die um öffentliche Unterstützung und steuerliche Entlastungen für ihre Tätigkeit ansuchen. Man kann es drehen und wenden wie man will, sobald öffentliches Geld in den „supergewinnbringenden Wintertourismus“ gesteckt wird, hat dieses Wirtschaftssegment kapituliert – „der Hund hat sich in den Schwanz gebissen und frisst sich selbst von hinten auf“
      Zu lange hat man in den Alpen und auch im Pustertal auf das Modell Wintertourismus immer mit Schnee gesetzt, ohne jemals auf alternative Konzepte umschau zu halten. Das ist wohl auch ein Armutszeugnis für die Campus-Universität von Bruneck, wo Tourismus, Sport- und Eventmanagement gelehrt wird.
      Die „Schneetourimus-Überzeugten“ lade ich herzlich ein, sich eine große Feldflasche zu besorgen, diese mit Trinkwasser zu füllen, denn die Durststrecke wird lang sein die neuen Wege zu finden um touristisch und wirtschaftlich in den Alpen zu bestehen.

    • homoerektus

      Man kann es drehen wie man will, geht es in der Tageszeitung um den Wintertourismus oder Kronplatz melden sich immer wieder diese grüne super Sch…….er. Gebe es keinen Kronplatz so gebe es auch einen schönen Prozentsatz an Arbeitsplätze nicht. Können sich diese kritische Kunstschneegegner überhaupt noch erinnern wie es mit den Tourismus aussah vor 50 Jahre, eben nicht, sie sind alle grün mit dem Hemd auf der Welt gekommen. Wissen die vielleicht wie viele Südtiroler noch in den sechziger Jahren ihren Brot in Deutschland verdienen mussten? Das interessiert ihnen nicht weil sie heute in ein warmes Büro auf ein warmes Sessel den Tag verstreichen lassen können auf Kosten des Steuerzahlers. Ich nenne sie Proletarier!!!

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