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    Der Schlussstrich

    8-katzenbabiesSechs Südtiroler Tierschutzvereine fahren ihre Tätigkeiten radikal zurück: Die Kontrolle freilebender Katzen bleibt den Gemeinden überlassen – im Stich gelassene Tiere und Tierfindlinge sollen beim Fundamt abgegeben werden. Ein Protest gegen Landesrat Arnold Schuler.

    von Heinrich Schwarz

    Die Motivation der Südtiroler Tierschutzvereine ist am Boden. „Wir haben die Nase voll“, sagt Walter Pichler, Präsident des Südtiroler Tierfreundevereins. „Landesrat Arnold Schuler ist auf keine unserer Forderungen eingegangen. Dann kann er aber auch nicht mehr sagen, dass ihm der Tierschutz am Herzen liegt“, so Pichler.

    Sechs Südtiroler Tierschutzvereine haben Schuler im Herbst ein Ultimatum gestellt. Jetzt machen sie ihre Drohung wahr und stellen einen Großteil ihrer Tätigkeiten ein. Neben dem Tierfreundeverein haben sich die Tierschutzvereine Bruneck-Gadertal, Leuchtenburg, Oberpustertal und Überetsch-Unterland sowie die Initiative Tierrechte Südtirol angeschlossen.

    Richtig Fahrt aufgenommen hat der Streit mit dem Landesrat im Oktober: Auf einer Pressekonferenz forderten die Vereine und die beiden Tierheime von Naturns und Vintl eine 100-prozentige Rückvergütung der anfallenden Spesen. Das Land übernehme nämlich nur 36 Prozent der jährlichen Kosten von 822.000 Euro. Da die Spenden rückläufig sind, müssen die Vereinsverantwortlichen immer öfter selbst in die Tasche greifen.

    Anfang Dezember lud Arnold Schuler die Vereine zu einer Aussprache ein, die Letztere als Anlass für eine Demonstration auf dem Bozner Silvius-Magnago-Platz mit anschließendem Protestmarsch zu Schulers Büro nutzten.

    Der Landesrat legte den Vereinen verschiedenste Daten vor. Kein Land in der Umgebung zahle so viel für den Tierschutz wie Südtirol. Zudem wies Schuler auf die verhältnismäßig hohen Ausgaben der Vereine hin – vor allem im Vergleich mit dem öffentlichen Tierheim Sill. Einer 100-prozentigen Kostenrückerstattung erteilte Arnold Schuler eine Absage – er schlug den Vereinen aber vor, die Anzahl der Kastrationen von Katzen in der Sill zu verdoppeln und die Transportkosten zu übernehmen.

    Arnold Schuler

    Arnold Schuler

    Ein Vorschlag, der den Vereinen zu wenig ist – und mit dem sie ohnehin nicht sonderlich glücklich wären: „Für ein Tier ist es natürlich purer Stress, wenn es etwa vom hintersten Passeiertal nach Bozen und wieder zurück gebracht wird“, sagt Walter Pichler.

    Deshalb nun der Schlussstrich der sechs Vereine:

    „Aufgrund der geringen Wertschätzung, die uns entgegengebracht wird und da bewusst oder unbewusst seitens des zuständigen Landesrates Falschinformationen an die Medien und somit an die Bürger gegeben worden sind, beschränken wir unsere Tätigkeit künftig auf die tierärztliche Behandlung und die Pflege verunfallter Tiere durch Freiwillige – im Rahmen der erhaltenen Spenden seitens der Bevölkerung – und auf die Öffentlichkeitsarbeit.“

    Die Kontrolle der freilebenden Katzen wird den Gemeinden überlassen. Laut italienischem Rahmengesetz Nr. 281/91 und dem Landesgesetz Nr. 9/2000, so Walter Pichler, seien nämlich die Gemeinden mit dem betrieblichen tierärztlichen Dienst dafür zuständig, streunende Tiere zu versorgen.

    Im Stich gelassene Tiere und Tierfindlinge hingegen sollen von den Bürgern bei der jeweiligen Gemeinde abgegeben oder von der Gemeindepolizei oder der Feuerwehr eingesammelt werden, wie die Vereine erklären.

    „Die Gemeinden erkennen unsere Arbeit zwar an, sie stellen aber kein Geld und auch sonst nichts zur Verfügung, obwohl wir die Aufgaben der öffentlichen Hand übernommen haben“, ärgert sich Walter Pichler.

    Er erklärt, dass der Tierfreundeverein aufgrund der drastischen Einschränkung der Tätigkeiten nicht mehr um Landesgelder ansuchen wird: „Die Pflege verunfallter Tiere können wir mit Spendengeldern finanzieren.“

    Die anderen Vereine könnten ebenfalls auf eine Landesförderung verzichten. „Vielleicht bekommen ja dann die Tierheime von Naturns und Vintl dieses Geld“, meint Pichler. Die beiden privaten Tierheime setzen ihre Tätigkeit fort.

    LESEN SIE AM MITTWOCH IN DER TAGESZEITUNG:
    Wie Landesrat Arnold Schuler reagiert.

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    Kommentare (4)

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    • ahaa

      Stimmt es das“ nur“ Tierheime das jährliche Fördergeld von 1800 Euro pro Hund erhalten? In Italien ist es angeblich so.
      Fördergeld klingt gut und beschreibt es treffend.Den anscheinend bekommt man diese Hunde nicht vermittelt geschweigeden man darf zu ihnen.
      Wenn das stimmen sollte ist es doch der Hammer!
      Was hat das mit Tierliebe zu tun?
      Eher wohl ein Geschäft.Denn unter diesen Bedingungen kostet ein Hund keine 200 Euro im Jahr!

      • yannis

        Es drängt sich bei diesen Dingen mehr denn je die Frage auf, was steht wirklich im Vordergrund, Hund & Katz oder das Geschäft. Ich neige da eher zum Geschäft, wie bei anderen „Wohltätigkeiten“ auch, gibt es nichts wovon nicht der ein oder andere NICHT Betroffene profitiert.

    • richard

      Man kann nur lachen, überhaupt zu glauben, dass einem Herrn Schuler auch nur ein Tier am Herzen liegt. Er Produziert jährlich hunderte Tierterroristen, lässt auf Fuchsmütter und Kinder vor den Bauerhöfen schießen, zerstört unzählige Tierfamilien in der Flur und auf den Almen. Lässt auf geschützte Tiere schießen und fördert diesen Terror mit unseren Steuergeldern.
      Welcher wahre Tierschützer glaubt denn an solche Menschen und hegt dann auch noch Hoffnungen?

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