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    Was nun, Herr Mayr?

    Hausarzt michael mayrIm Wipptal haben über 1.200 Bürger ab Jahresende keinen Hausarzt mehr, in Brixen klagen Basisärzte gegen das Land. Ressortdirektor Michael Mayr beruhigt die Patienten – und zeigt gegenüber den Hausärzten Härte.

    von Heinrich Schwarz

    Mehr als 1.200 Wipptaler werden ab Jahresende keinen Hausarzt mehr haben. Nach Konrad Wieser wird auch Wilhelm Seppi in den Ruhestand treten. Die Noch-Patienten von Seppi können im Wipptal keinen anderen Hausarzt wählen, da diese die Patientenobergrenze von 1.575 bereits überschreiten oder sich auf eine niedrigere Anzahl sperren haben lassen.

    Der Sprengel Sterzing ist nur der erste Fall dieser Art: In den nächsten Monaten und Jahren wird der Hausärzte-Mangel in ganz Südtirol zu großen Probleme führen, wenn keine Lösung zur staatlich vorgegebenen Patientenobergrenze gefunden werden kann. Im Sprengel Passeier etwa wird der Hausarzt Luca Mair bald nach Lana wechseln. Daneben stehen Pensionierungen an.

    Die Bürger fragen sich: Was nun?

    Michael Mayr, Direktor im Ressort für Gesundheit, sagt: „Die Leute werden sicher nicht ohne Hausarzt bleiben. Es werden Stellen ausgeschrieben und bei jenen, die nicht besetzt werden können, werden wir eine Lösung finden. Wir können provisorische Beauftragungen vergeben, falls jemand eine Stelle noch nicht definitiv annehmen kann, aber über die Voraussetzungen verfügt.“

    Da dies aber erst im Laufe des nächsten Jahres realistisch erscheint, pocht Mayr in der Zwischenzeit auf eine andere Lösung: die Patientenobergrenze für die Wipptaler Hausärzte provisorisch erhöhen. Sie könnten damit weitere Patienten annehmen und würden entsprechend bezahlt.

    Das jedoch dürfte bei den Hausärzte-Gewerkschaften die Wogen hochgehen lassen. Erst vor einer Woche haben sie die Vertragsverhandlungen mit dem Land abgebrochen. Sie sprechen von einer großen Ungleichbehandlung zwischen Hausärzte-Gruppen. Denn in Sprengeln, in denen alle Hausarzt-Stellen besetzt sind, zahlt das Land mit Bezug auf eine staatliche Bestimmung nur noch für 1.575 Patienten, auch wenn ein Arzt mehr Patienten betreut.

    „Die Gewerkschaften müssen auch die Interessen der Patienten vertreten. Denn im Vordergrund muss die Versorgungssicherheit stehen“, betont Michael Mayr.

    Zufälligerweise ist es genau der Nachbarsprengel des Wipptales, jener von Brixen, wo alle Hausärzte-Stellen besetzt sind. Obwohl zu wenige Patienten freiwillig ihren Arzt wechseln, haben die alteingesessenen Hausärzte mit mehr als 1.575 Betreuten ab Dezember beträchtliche Gehaltseinbußen.

    Jetzt haben sechs Brixner Hausärzte und einer aus dem Pustertal eine Klage in die Wege geleitet.

    LESEN SIE IN DER FREITAG-AUSGABE DER TAGESZEITUNG:
    Wie Michael Mayr auf die rechtlichen Schritte der Hausärzte reagiert.

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