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    Im Namen des Sohnes?

    pfalzen-sportplatzDie Gemeinde Pfalzen will einen neuen Kunstrasenplatz für die Fußballer und kauft zu diesem Zweck ein zu großes und zu teures Grundstück. Der Zufall will, dass es dem Vater des Vize gehört.

    von Silke Hinterwaldner

    Siegfried Gatterer geht sofort in Deckung.

    „Ich gehe bei jeder Abstimmung und in jeder Diskussion zum Thema hinaus“, sagt der Vizebürgermeister von Pfalzen.

    Das Problem: Seit Vater, Franz Gatterer, 85 Jahre alt und auf dem Papier immer noch Besitzer des Starkl-Hofes in Pfalzen, wickelt gerade einen Grundstücksdeal mit der Gemeinde ab, bei dem es um viel Geld geht.

    Das Grundstück ist ein 6.142 Quadratmeter großer Acker, der an die Sportzone grenzt. Das Gelände ist sumpfig und im Grunde nicht besonders attraktiv. Im Grundbuch eingetragen ist das Feld als Wald und Wiese, also landwirtschaftliches Grün.

    Dabei muss man wissen: Seit vielen Jahren hadert der Sportverein Pfalzen mit Platzproblemen, genauer gesagt mit Fußballplatzproblemen. Es gibt zwar einen schönen Platz und einen angrenzenden Sandplatz, aber es gibt gleichzeitig viele Teams, die gern trainieren. Der Wunsch der Sektion Fußball ist es, zum bestehenden Platz zusätzlich einen Kunstrasenplatz zu realisieren. Ursprünglich wollte man zwar einfach den bestehenden Platz mit widerstandsfähigem Kunstrasen auslegen, aber diese weit kostengünstigere Variante lehnt der Sportverein mittlerweile ab.

    Da kommt das Grundstück von Franz Gatterer, dem Vater des Vizebürgermeisters, ins Spiel. Er zeigte sich bereit, das Feld zu verkaufen, um die Erweiterung der Sportzone zu ermöglichen. Aber er stellte eine Bedingung: Der Starkl-Bauer möchte nicht lediglich die kleine Fläche für den neuen Kunstrasenplatz veräußern, sondern alles. Das bedeutet: Die Gemeinde muss ein über 6.000 Quadratmeter großes Grundstück kaufen, für das sie nur bedingt Verwendung hat.

    So etwas kostet. Bürgermeister Josef Gatterer hatte bereits im Vorfeld errechnet, dass die Gemeinde mit Spesen über 375.000 Euro rechnen müsse. Trotzdem sprach er sich ganz klar für diesen Weg aus. Mit ihm zog eine Mehrheit der Gemeinderäte an einem Strang. Im November wurde der Ankauf der Wiese genehmigt, fünf SVP-Gemeinderäte aber hielten dagegen. In ihren Augen stimmte die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht. Außerdem stand immer wieder die Frage im Raum: Tut man dem Grundbesitzer oder dessen Sohn, dem Vize, damit nur einen Gefallen? Ist das im Sinne einer verantwortungsbewussten Gemeindeverwaltung?

    Zurück zum Fußballplatz und dem leidenschaftlichen Fußballer und Vizebürgermeister Siegfried Gatterer. Er weiß freilich, das ihm vorgeworfen wird, seine Familie mache mit diesem Deal ein allzu gutes Geschäft. Aber er geht auf Distanz und sagt: „Ich mische mich nicht in die Geschäfte meines Vaters ein.“ Und weiter: „Wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätte ich nicht das ganze Grundstück verkauft. Aber das ist seine Sache, das ist die Angelegenheit meines Vaters und nicht meine.“

    Das klingt nach einer klaren Ansage. Gleichzeitig muss man aber wissen, dass Siegfried Gatterer schon seit vielen Jahren den Hof seines Vaters bewirtschaftet.

    Nach dem Beschluss des Gemeinderates im November ging jetzt alles ganz schnell. Die Gemeinde beauftragte den Immobilienmakler Dietmar Niederkofler mit der Erstellung eines Schätzgutachtens. Das kommt dem Angebot des Grundbesitzers überraschend nahe, obwohl der Durchschnittspreis für ein solches Feld in Pfalzen normalerweise deutlich darunter liegt.

    Für einen Quadratmeter Wiese zahlt man in Pfalzen rund 25 Euro. Im Normalfall. Franz Gatterer aber bekommt für das Grundstück nahe der Sportzone das Doppelte. Schätzgutachter Niederkofler hat einen raffinierten Umweg gewählt, um diesen Preis erzielen zu können. Noch bevor das Grundstück umgewidmet ist, teilt er es auf in Parkplatz und Sportplatz, dabei kostet ein Quadratmeter Sportplatz 80 Euro (insgesamt 3.142 Quadratmeter) und ein Quadratmeter Parkplatz 25 Euro (insgesamt 3.000 Quadratmeter).

    Unterm Strich kommen auf diese Weise 318.550 Euro heraus, die von der Gemeinde aufzubringen wären. Weil aber das Angebot des Bauern Gatterer um einige tausend Euro günstiger ausfiel, rät Niederkofler zum Kauf. Im Schätzgutachten heißt es, das Angebot sei „mehr als angemessen“ und der Ankauf sei „im Interesse der Gemeinde Pfalzen“.

    LESEN SIE IN DER PRINT-AUSGABE:

    • Warum der Starkl-Bauer Franz Gatterer es in den vergangenen Jahren schon einmal zu medialer Berühmtheit gebracht hatte.

     

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