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    Ohne Impfung kein Kindergarten?

    impfen-artioli-stockerEin neues Gesetz der Region Emilia-Romagna schreibt die Impfplicht für Kindergartenkinder vor. Andere Regionen wollen nachziehen. Wäre dies auch in Südtirol denkbar?

    Ohne Impfung kein Kindergarten? In Italien flammt derzeit die Diskussion um eine Impfpflicht erneut auf. Auslöser der neuen Debatte ist ein verabschiedetes Gesetz der Region Emilia-Romagna. Eltern, die ihre Kinder in einen Kindergarten der Region einschreiben wollen, müssen sie zuvor impfen lassen. Damit will die Region der zunehmenden Impfverweigerung entgegenwirken und die Durchimpfungsraten erneut anheben. Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin zeigt sich begeistert über diesen mutigen Schritt. „Man muss Ängste vor mit Impfstoffen verbundenen Nebenwirkungen, die es nicht gibt, aus dem Weg räumen“, so die Gesundheitsministerin. Andere Regionen denken bereits an ähnliche Maßnahmen, wie aus verschiedenen Medienberichten hervorgeht. Triest hat beispielsweise bereits ein ähnliches Gesetz verabschiedet.

    In Südtirol zeigt man sich schockiert über diese strengen Maßnahmen. Immerhin: Laut Daten des Gesundheitsministeriums führt Südtirol italienweit das Ranking der Regionen mit der höchsten Zahl Impfverweigerern an. Bei gerade mal 68 Prozent lag die Impfquote für Masern, Mumps und Röteln in den vergangenen Jahren, mit 90 Prozent (2013) und 86 Prozent (2014) lag sie in Gesamtitalien weit darüber.

    Impfgegnerin Elena Artioli zeigt sich entsetz über dieses Gesetz: „Ich finde, dass dieses Gesetz die Menschenrechte verletzt. Es gibt Kinder, die wahnsinnig starke Reaktionen nach einer Impfung zeigen und ihr gesamtes Leben lang mit Nebenwirkungen kämpfen müssen – eine Institution kann dafür nicht die Verantwortung übernehmen“, sagt die Landtagsabgeordnete des A-Team. Ich müsste mein Kind in eine Privatschule bringen um das Gesetz zu umgehen, merkt die Abgeordnete an.

    „Es geht hier nur um die Pharma-Konzerne und ihr Geschäft und nicht um die Gesundheit der Menschen“, kritisiert Elena Artioli.

    Wäre ein derartiges Gesetz auch im Land der Impfgegner denkbar?

    „Ich weiß, dass Martha Stocker eine Impffanatikerin ist, hoffe aber, dass sie kein solches Gesetz in Südtirol einführt“, sagt Elena Artioli, die im Falle einer Abstimmung die Impf-Gegner im Landtag in der Minderheit sieht.

    Gesundheitslandesrätin Martha Stocker versucht zu beruhigen: „Zu derart drastischen Mitteln möchten wir nicht greifen müssen.“ Man habe in den letzten Jahren bereits einen leichten Anstieg der Impfraten verzeichnet, so Stocker, die hofft, dass man diese Zahlen auch in den nächsten Jahren halten kann.

    Man sehe diesbezüglich ganz klar den kulturellen Unterschied zwischen Südtirol und Italien. „Ich stelle immer wieder fest, dass die Italiener einen komplett anderen Zugang zu diesem Thema haben – für sie ist es ganz normal und es erscheint ihnen auch richtig, entschieden durchzugreifen“, erklärt die Landesrätin.

    Die gesamtstaatliche Vorgabe ist klar, betont Stocker: „Die Durchimpfungsrate muss einen vorgegeben Prozentsatz erreichen – und auch wir müssen diese Raten erreichen, weil laut WHO ein Schutz nur gewährt ist,  wenn eine entsprechende Durchimpfungsrate erreicht wird.“ Dieser Vorgabe könne man nicht widersprechen.

    „Ich gehe aber nicht davon aus, dass wir in naher Zukunft zu so drastischen Mitteln greifen müssen“, betont Stocker.

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