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„Ein komisches Volk“

Karl Zeller

Karl Zeller

Auf seinem langsamen Abschied aus der aktiven Politik nimmt sich Karl Zeller kein Blatt vor dem Mund. Der Senator giftet gegen „Zweifelscheißer“ in seiner Partei, gegen den Möchtegern-Zampano Oskar Peterlini. Und er erklärt das Phänomen Renzi.

von Artur Oberhofer

Karl Zeller spricht vom „zachsten Wahlsieg“ seiner über 20-jährigen politischen Karriere.

Und man merkt es dem SVP-Senator an: Auf seinem (langsamen) Abschied aus der aktiven Politik will Karl Zeller noch die eine oder andere Rechnung begleichen. Der Burggräfler Politiker ist zu sehr Alpha-Tier, als dass er den Porzellanladen durch eine Hintertür verlassen könnte.

Der Ausgang des Referendums in Südtirol? „In der Außenpolitik und in Sachen Autonomie glauben die Menschen uns und nicht dem Sven Knoll“, sagt Zeller. Und auch einige Partei-„Freunde“ und sein „Erzfeind“, Altsenator Oskar Peterlini, bekommen in der Euphorie ihr Fett ab.

Die (Bezirks-)Exponenten in seiner Partei, die mit der Renzi-Reform Bauchweh hatten und wesentlich dafür verantwortlich waren, dass die Volkspartei nach außen hin ein Bild der Zaghaftigkeit und Verunsicherung abgegeben haben, nennt Karl Zeller despektierlich „Zweifelscheißer“. Der angehende Polit-Rentner Zeller verrät: „Mit solchen Leuten kann ich einfach nicht mehr.“

Er stehe für eine andere Politik. „Man muss auch mal Kante zeigen“, so das Credo Zellers. Der Senator freut sich insbesondere für den LH. „Arno Kompatscher ist einer, der Kante zeigt.“ Der LH habe riskiert und gewonnen.

Wenn man Karl Zeller aus der Reserve locken will, muss man ihm nur den Namen Peterlini hinwerfen. Oskar Peterlini. „Dass der Oskar nach der schallenden Ohrfeige noch immer nicht die Pappm hält“, kann der Senator nicht verstehen.

Von links: Die südtiroler Senator Karl Zeller und Senator a. D. Oskar Peterlini während der Aussprache

Senator Karl Zeller und Senator a. D. Oskar Peterlini in Wien

Und er giftet weiter: „Der Oskar wollte mit aller Gewalt der große Zampano sein, er hat sich den größten Gegnern der Autonomie angebiedert, doch die Menschen haben diese unheilige Allianz durchschaut, für sie ist der LH der Zampano und nicht der Peterlini,“ so Zeller.

Und wie geht es jetzt in Italien weiter? Was bedeutet der Renzi-Rücktritt für die Südtirol-Autonomie?

TAGESZEITUNG: Herr Zeller, was passiert jetzt in Rom?

Karl Zeller: Ich gehe davon aus, dass wir Anfang der nächsten Woche eine neue Regierung haben werden. Diese Regierung muss ein neues Wahlgesetz machen, weil wir nach dem alten Gesetz nicht wählen können.

Warum nicht?

Mit dem jetzigen Gesetz würde kein Lager eine Mehrheit erreichen. Außerdem hat der Verfassungsgerichtshof vor drei Jahren das Wahlgesetz für den Senat gekillt. Also wäre es ein Risiko, nach diesem Gesetz bzw. auf der Grundlage von Gesetzesinterpretationen zu wählen.

In Sachen Südtirol-Autonomie wird es Stillstand geben?

Die Durchführungsbestimmung zur Übernahme des Landesgerichts und des Verwaltungspersonals wäre fertig, alle Gutachten sind positiv. Es ist durchaus realistisch, dass die neue Regierung diese Durchführungsbestimmung beschließt. Schwieriger wird es mit der Toponomastik.

Was erwarten Sie von der neuen Regierung?

Die Regierung wird ja von der alten Mehrheit gestellt, also wird unser Gewicht nicht geringer. Schwierig wird es nur, wenn im PD der Streit ausbricht, wenn die im PD beginnen, sich zu zerfleischen. Das wäre explosiv.

Sehen Sie dieses Risiko?

Wenn Renzi der Versuchung nicht widerstehen kann, die interne Opposition in seiner Partei für die Niederlage haftbar zu machen, würde die Gegenseite versuchen, ihn politisch fertigzumachen. So ein Krieg würde niemandem nützen. Wenn Renzi sich auf die Wurst konzentriert und den Frieden mit seiner Partei findet, hat er bei den nächsten Wahlen eine gute Chance, sie zu gewinnen. Die Frage ist …

Die Frage ist?

… ob er die brutale Watschn, die er bekommen hat, wegstecken kann. Davon hängt ab, ob er wirklich ein Leader ist oder nicht.

Maria Elena Boschi mit Karl Zeller

Maria Elena Boschi mit Karl Zeller

Sie haben Zweifel?

Ich weiß es nicht. Renzi steht vor einer Bewährungsprobe, man wird sehen, ob er es schafft, den Turbo auszuschalten. Gegen Bersani damals war er ein guter Verlierer. Er hat sich neu aufgestellt und dann abgeräumt.

Renzi ist von den WählerInnen auch wegen seiner Arroganz bestraft worden?

Ja, ganz sicher. Er hat zu viele Leute beleidigt. Andererseits: Wenn man sich die Außenpolitik Renzis anschaut, muss man anerkennen, dass er ein sehr guter Netzwerker war. Er wurde von Obama als letzter Staatschef ins Weiße Haus geladen. Die ausländischen Staatschefs, auch Kanzlerin Merkel, konnten gut mit Renzi, weil er ein Staatschef war, der immer einen lockeren Spruch und einen enormen Schwung drauf hatte, der aber nicht so peinlich war wie Berlusconi. Er hat viel bewegt …

Matteo Renzi und Karl Zeller

Matteo Renzi und Karl Zeller

Und ist dennoch abgestraft worden …

Ja, die Italiener sind schon ein komisches Volk. Sie wollen nicht regiert werden, gleichzeitig jammern sie, dass sie nicht regiert werden. Das ist der ewige Widerspruch, das Dilemma dieses Volkes. Die Italiener wollen auch nicht Kontinuität. Eine Merkel wäre ihnen viel zu langweilig. Die Deutschen wollen eine Ruhe haben, sie wollen arbeiten. Die Italiener wollen Rambazamba, es muss immer aufgehen. Und wenn denn einer in Ruhe arbeiten täte, so wie Letta dies getan hat, ist er ihnen zu langweilig. Auch ein Prodi war den Italienern zu langweilig.

Renzi selbst hat sich gewundert, dass er von so vielen Menschen gehasst wird …

Renzi hat viele Widersacher persönlich beleidigt und plattgemacht. Viele Hunde sind des Hasen Tod. Aber das hat auch mit seinem Naturell zu tun. Er kann nicht anders, als immer aufs Ganze zu gehen, als immer seinen Kopf auf dem Silbertablett zu präsentieren. Die Frage ist, ob er sich ein bisschen zurücknehmen kann.

 

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