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    Schuhe als Waffe

    2016-12-03-photo-00000291Das Phänomen der Fußballschuhe mit Nägeln oder Schrauben ist besonders im Pustertal verbreitet. Wegen der harten Böden. TAGESZEITUNG Online zeigt nun erstmals Fotos der „präparierten“ Schuhe.

    Von Artur Oberhofer

    Der Fall der Reischacher Spieler, die bei einem Spiel in der 2. Amateurliga Fußballschuhe mit Schrauben trugen, hat für großes Aufsehen gesorgt.

    Ein bekannter Ex-Amateurfußballer sagt nun gegenüber TAGESZEITUNG Online:

    „Das Phänomen ist nicht neu.“

    Insbesondere im Pustertal, aber auch im Vinschgau und im Burggrafenamt, würden Amateurfußballer seit Jahren, ja seit Jahrzehnten, auf die „Fußballschuhe mit Spikes“ zurückgreifen.

    „Besonders im Spätherbst, wenn die Böden hart oder gefroren sind“, so der Ex-Spieler.

    In den meisten Fällen gebe es sogar Gentleman Agreements.

    Das heißt:

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    Die Spieler beider Mannschaften wissen, dass der Gegner mit den Schrauben in den Stollen spielt. „Beide Mannschaften sprechen sich ab, die Spieler beider Teams wissen, dass sie nicht allzu hart reinsteigen sollten“, weiß der Ex-Fußballer.

    Wie funktioniert der gefährliche Spaß?

    „Die Schrauben“, so erklärt der Ex-Spieler, „werden in die Gummistollen hineingebohrt, und dann werden die Schrauben mit einer Flex bearbeitet.“

    In einigen Fällen werden die Schrauben sogar schwarz angemalt, damit der Schiri die Manipulation nicht bemerkt.

    In der Szene hat dieser fiese Operation einen Namen: „Tacchi furbi.“

    TAGESZEITUNG Online veröffentlicht nun erstmals Fotos der mit Schrauben präparierten Fußballschuhe.

    Der Trick funktioniert. Und wie!

    „Als wir in der Oberliga gegen Mannschaften aus der Nachbarprovinz Trient spielten, haben die sich gewundert, warum wir so einen guten Stand hatten“, berichtet der Ex-Fußballer – und schmunzelt.

    Allerdings:

    Die so präparierten Schuhe sind eine Waffe! „Die Gefahr von schwerwiegenden Verletzungen ist natürlich groß“, so der Ex-Spieler.

    Als es vor zehn Jahren einen ähnlichen Vorfall gab wie nun in St. Vigil, reagierte der Schiedsrichterverband umgehend.

    2016-12-03-photo-00000289Damals waren in einem Match zwischen Laas und Rasen-Antholz die Pusterer Spieler mit Nägel-Schuhen aufgelaufen.

    Dieser Vorfall veranlasste den Schiedsrichterverband zu schärferen Kontrollen.

    Die Unparteiischen wurden angewiesen, die Stollen der Spieler vor dem Spiel zu kontrollieren. Und zwar nicht beim Appell in der Umkleidekabine, sondern vor dem Einlaufen.

    „Eine Zeitlang haben wir kontrolliert“, sagt ein Bozner Schiedsrichter, „aber dann hat man eigentlich nichts mehr gehört.“

    Bis zum Fall in St. Vigil

     

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