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    Senfters Plan

    imageDie Aktionäre der Liftgesellschaft Drei Zinnen AG haben entschieden: Sie wollen eine beachtliche Kapitalerhöhung in Angriff nehmen, um den Ausbau der Skigebiete zu finanzieren. Wird die Gemeinde Innichen da mitziehen?

    von Silke Hinterwaldner

    „Wir sind sehr glücklich“, sagt Kurt Holzer, „dass so viele gekommen sind, dass es große Solidarität gibt und dass alle begeistert mitziehen.“

    Holzer ist ein wichtiger Mann innerhalb der Sextner Dolomiten AG, die sich seit kurzem Drei Zinnen AG nennt. Als Privatperson hält er über elf Prozent der Aktien, dazu kommen weitere sechs Prozent, die seiner Gesellschaft Berghotel GmbH gehören. Der stärkste Aktionär ist aber freilich Franz Senfter, dessen Holding über 21 Prozent der Aktien ihr Eigen nennt.

    Nun weiß man schon lange, dass Senfter und Holzer die Skigebiete im Osten des Landes ausbauen wollen. Einerseits planen sie den Zusammenschluss der Skilifte mit Padola hinter dem Kreuzbergpass. Andererseits arbeiten sie schon lange an der Skischaukel in Richtung Osttirol. Beide Projekte bedeuten große Einschnitte – wirtschaftlich, finanziell und ökologisch.

    Nachdem die Vorbereitungszeit nun schon einige Jahre andauert, will man jetzt Nägel mit Köpfen machen. Am Freitag trafen sich die Aktionäre der Drei Zinnen AG zur Versammlung, um über eine Kapitalerhöhung beträchtlichen Ausmaßes abzustimmen.

    Dabei darf man nicht vergessen: Neben den großen Aktionären gibt es 418 meist private Kleinaktionäre, die in Summe ebenfalls einen stattliche Anteil an der Liftgesellschaft halten. Umso mehr wurde das Ergebnis der Abstimmung mit Spannung erwartet. Sind die Privaten bereit, noch einmal eine stattliche Summe zu investieren? Oder ziehen sich viele zurück, weil ihnen das doch alles zu kostspielig wird?

    Am Freitag haben sie ein deutliches Signal gesendet. Nur ein anwesender Aktionär hat offen gegen die Kapitalerhöhung gestimmt. Damit ist sie genehmigt. Wenn dann im März die erste Rate fällig ist, wird sich zeigen, wer tatsächlich mitzieht.

    Bereits 2013 mussten die Aktionäre ihre Brieftaschen öffnen. Damals ging es um die Finanzierung des Zusammenschlussens von Helm und Rotwand, der rund 30 Millionen Euro gekostet haben soll. Jetzt geht es um weit mehr. Die beiden Skiverbindungen sollen insgesamt 90 Millionen Euro kosten. 30 Millionen Euro erwartet man vom Fondo Brancher, ein Topf aus dem Grenzregionen schöpfen können. Das Gesellschaftskapital der Drei Zinnen Ag wird zusätzlich von 7,4 auf 18,6 Millionen Euro aufgestockt. Wer mitzieht, muss also tief in die Tasche greifen.

    Um deutlich zu machen, wie viel so etwas kosten kann, hier die Gemeinde Innichen als Beispiel: Diese hält gut zehn Prozent der Anteile. Wenn sie bei der Kapitalerhöhung mitzieht, werden insgesamt knapp 1,2 Millionen Euro fällig. Kann eine öffentliche Verwaltung sich das leisten? Oder umgekehrt: Kann die Gemeinde sich dagegen entscheiden, wenn doch die große Mehrheit der privaten Aktionäre in Innichen selbst das Projekt mitträgt?

    Dazu kommt noch etwas: In Innichen regiert mit Rosmarie Burgmann seit eineinhalb Jahren eine Bürgermeisterin der Bürgerliste, die nie viel von großen Investitionen in neue Pisten und Lifte gehalten hat. Ihr gegenüber sitzt im Gemeinderat eine SVP-Mehrheit, die wohl ganz klar für Senfters Skischaukel stimmen wird.

    Bei der Aktionärsversammlung am Freitag war die Gemeindeverwaltung durch SVP-Vizebürgermeisterin Simone Wasserer vertreten, die gleichzeitig Mitglied im Verwaltungsrat der Drei Zinnen Ag ist. Die Bürgermeisterin selbst weilte zu dieser Zeit auf Besuch in der Partnergemeinde Freising. Offiziell hat die Gemeindeverwaltung also noch keine Entscheidung getroffen.

    Die Zeit drängt: In den nächsten Wochen oder Monaten wird der Gemeinderat darüber entscheiden müssen, ob man bei der Kapitalerhöhung mitzieht. Schwer vorstellbar, dass sich die Gemeinde Innichen da gegen Franz Senfter entscheidet. Auch wenn mit Rosmarie Burgmann eine Frau an der Spitze der Gemeinde sitzt, die mit den Ausbauplänen ganz bestimmt keine Freude hat.

    Bei Kurt Holzer herrscht auf jeden Fall Aufbruchstimmung. In der abgelaufenen Saison hatte man nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer stattliche Zuwachsraten im Einzugsgebiet. Nicht nur die Erwartungen steigen, sondern auch der finanzielle Druck.

     

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