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    „Nein zum Massentourismus“

    gesamttiroler-heimatpfleger-in-langtaufersDie Generalversammlung der Heimatpfleger Gesamttirols stand heuer ganz im Zeichen des skitechnischen Zusammenschlusses Langtaufers-Kaunertal.

    Die Obleute und Vorstandsmitglieder der Nord-, Ost-, Süd- und Welschtiroler Heimatpfleger haben sich am vergangenen Samstag in Langtaufers zur 30. Generalversammlung getroffen, die heuer ganz im Zeichen des umstrittenen skitechnischen Zusammenschlusses Langtaufers-Kaunertal stand.

    Die Heimatpflegerinnen und Heimatpfleger Gesamttirols haben bereits vorab die Projektunterlagen der Oberländer Gletscherbahnen AG eingehend studiert, die verschiedenen Stellungnahmen von namhaften Vereinen und Verbänden dazu analysiert und sich nun am Ort des Geschehens noch ein Bild von den geplanten Eingriffen in die Natur- und Kulturlandschaft gemacht.

    Sie sind zu folgendem Ergebnis gekommen:

    • Seit mehr als einem Jahrzehnt wird über die skitechnische Verbindung vom Langtauferertal zum Kaunertaler Gletscherschigebiet gesprochen, ohne dass ein klares Konzept dafür bestanden hätte, welches das Vorhaben schlüssig in langfristige und wirtschaftliche Überlegungen eingebunden hätte.
    • Das Projekt in der vorgelegten Form ist ein massiver Eingriff in eine der wenigen verbliebenen intakten Landschaften Südtirols mit einer Beeinträchtigung des sensiblen Ökosystems, die in überschaubaren Zeiträumen nicht wird rückgängig gemacht werden können.
    • Es ist die einseitige Präjudizierung einer Ausrichtung auf Massentourismus, der keinen nachhaltigen Trend für die Region darstellt.

    Die Gesamttiroler Heimatpfleger sind beunruhigt, zumal das Vorhaben keinerlei Aspekte enthält, die auf die Besonderheiten des Langtauferertales eingehen, sondern einer phantasielosen Fortschreibung bestehender und abgenützter Konzepte nach dem Motto „Mehr vom Gleichen“ entspricht. Völlig unberücksichtigt bleibt, dass nach anerkannten Prognosen der klassische „Aufstiegshilfen-Alpinschitourismus“ international sinkende Tendenz aufweist.

    Damit ist eine Verdrängungswettbewerbssituation, mit einer die Existenz bedrohenden Preisspirale nach unten, vorprogrammiert. Für den Tourenschisektor, der nach Einschätzung der EURAC Bozen mittelfristig eine erstaunliche Wachstumsrate von 5 % pro Jahr aufweist, ist im vorgelegten Konzept hingegen kein Platz.

    Andere Gebiete Südtirols, wie z.B. das Gemeindegebiet von Wengen in Gadertal, haben gezeigt, dass auf der kleinteiligen Ebene von Talschaften oder Gemeinden alternative Konzepte sehr wohl erfolgreich umgesetzt werden können.

    Langtaufers könnte sich mit (auch familientauglichen) Angeboten wie Wandern, Schitourengehen, Naturbeobachtung, Erlebnis- und Bildungsprogrammen als „wahre Wellness Oase – fernab von Jacuzzi und Turkish bath“ profilieren.

    Es mag stimmen, dass mit solchen Konzepten keine Massen angezogen werden. Wenn Langtaufers mit Eigeniniziative und dem Wohlwollen der Landesverwltung, mit „Können“ „Authentizität“ und „Nachhaltigkeit“ in einen zukunftsträchtigen Tourismus investiert, muß das Tal nicht in Investorenhände abdriften.

    Massentourismus ist das letzte, was das Langtauferertal braucht oder verkraften kann, so die Heimatpfleger.

    Wenn in Beherbergungsbetrieben, welche ohne Rücksicht auf die lokalen Gegebenheiten Erweiterungsinvestitionen getätigt haben, Überkapazitäten entstanden sind, so müssen diese betriebswirtschaftlich bereinigt werden. Solche Fehlentscheidungen sind das Risiko des Unternehmers. Sie mit einer nicht tragfähigen Großinvestition abfedern zu wollen, würde die Situation nicht verbessern, sondern lediglich das wirtschaftliche Gefüge einer gesamten Talschaft aufs Spiel setzen.

    Die einzige erkennbare betriebswirtschaftliche Sinnhaftigkeit des Projektes liegt darin, dass damit die lange Zufahrt zur Talstation der Karlesjochbahn im Nordtiroler Kaunertal, die derzeit nur über eine nicht wintersichere Mautstraße umgangen werden kann, erreichbar ist. Das Langtauferertal würde also mit deutlich vermehrtem Verkehrsaufkommen zur Erhöhung der Attraktivität des Kaunertaler Gletscherschigebietes beitragen, dabei aber seine Identität und seine Alleinstellungspotenziale aufgeben, ohne selbst davon zu profitieren. Dass der Handlungsspielraum der lokalen Bevölkerung angesichts der Übermacht eines ausländischen Investors ziemlich eingeschränkt sein wird, dürfte elementar einsichtig sein. Die Eigenbestimmung wird durch dominante Fremdbestimmung ersetzt.

    Die Haltung der Gesamttiroler Heimatpfleger darf nicht als „Fundamentalopposition“ gegenüber Tourismusprojekten verstanden werden. Im gegenständlichen Fall gründet sich die Haltung auf Bedenken gegenüber mikro- und makroökonomisch fragwürdigen Vorhaben, die möglicherweise Interessen einiger Weniger dienlich sein mögen, aber Überlegungen zur Nachhaltigkeit und zur regionalen Entwicklung gänzlich vermissen lassen, und somit im Interesse Südtirols im Allgemeinen und des Langtauferertals im Besonderen abzulehnen sind.

    Die Gesamttiroler Heimatpfleger fordern daher die verantwortlichen Entscheidungsträger In Nord- und Südtirol auf, dieses Vorhaben entschieden abzulehnen! Im Gegenzug soll das Langtauferertal in zukunftsweisenden, nachhaltigen und naturerhaltenden Konzepten unterstützt werden.

     

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    Kommentare (1)

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    • george

      Dazu ist nichts hinzu zu fügen. Die hohe Politik und deren Mitläufer sollten in ihren Entscheidungen die hier gemachten Aussagen endlich ernst nehmen. Heimat und Umwelt ist nicht austauschbar, wir haben nur eine Erde, auf der wir leben wollen und deren Lebensumfeld wir erhalten müssen.

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