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Trumpianer

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Die Vereinigten Saaten von Amerika haben einen neuen Präsidenten: Donald Trump. Ganz plötzlich bekennen sich viele als Trumpianer. Ein Leitartikel von Arnold Tribus. 

Die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika hat Europa und nicht nur aufgewühlt. Wurde die Wahl von Barack Obama zum ersten schwarzen Präsidenten der USA nur wohlwollend zur Kenntnis genommen, wird Trumps Wahl in allen Medien sehr kontrovers diskutiert. Viele fürchten, dass damit jene Werte in Frage gestellt werden, die die Basis der Europäischen Einheit ausmachen, Demokratie, Freiheit, Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen, unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung. Andere sehen darin einen notwendigen Paradigmenwechsel: Das Ende der Macht der Eliten, der Banken, des Raubkapitalismus und der Globalisierung. Kurz: Der Anfang einer Revolution. In den TV-Talks wird nächtelang darüber debattiert, plötzlich sind wir ja alle Experten in Außenpolitik und Amerikanologie und auch uns kleinen Provinzschreibern bietet sich die einmalige Gelegenheit, über die große weite Welt zu sinnieren, sind wir sonst ja verdammt, uns mit den Niederungen der Politik einer Provinz auseinanderzusetzen.

Interessant zu beobachten ist, dass es nach dem Wahlsieg des Blondschopfes nun auch bei uns jede Menge Trumpianer gibt. Plötzlich haben sehr viele gewusst, dass Trump gewinnen wird, die einen waren sich sicher, die andern hatten zumindest ein Bauchgefühl, das ihnen sagte, Trump werde gewinnen. Alles Böse, was über ihn gesagt wurde, dass er verlogen sei, dumm, arrogant, hochnäsig, rassistisch, xenophob, frauenfeindlich und ein Waffennarr zudem, ist vergessen. Auch Toni Ebner hat ihm seine Ausrutscher verziehen, Trump freue sich, er hat im Weinbergweg einen neuen Verbündeten. Die Meinungsforscher und die internationalen Medien waren sich ja sicher, dass so einer nie gewinnen kann, man war überzeugt, dass sich die Amerikaner schämen würden, so eine Figur zum Präsidenten zu wählen.

Seine Auftritte ließen jede politische Korrektheit missen, seine Sprache war vulgär wie seine Gesten, die Frisur ein Witz. So einer konnte es nicht werden. Da war wieder einmal der Wunsch der Vater des Gedankens, was man nicht will, darf nicht sein. Man hat wohl vergessen, wie schnell das Volk auf Agitatoren dieser Art hereingefallen ist, gerade in Europa. Wenn wir uns die Filme von Benito Mussolini heute ansehen, dann wirkt er wie ein Clown, ganz zu schweigen von Adolf Hitler, der wie ein miserabler Schauspieler wirkte, ein Marktschreier.

Und trotzdem lagen ihnen Millionen in ganz Europa zu Füßen. Auch Millionen Amerikaner haben Trump geglaubt, weil er ihnen aus der Seele sprach, weil er so sprach wie der Stammtisch, weil er den Unzufriedenen, den Verlierern, den Getretenen, der enttäuschten Arbeiterschaft neue Hoffnung gab.

Weil er das Establishment beschimpfte, weil er Hillary Clinton monatelang als Lügnerin bezeichnete, im Dienste des Großkapitals und der Banken. Und so wurde der Milliardär zum Anwalt der Armen. Auch das ist Amerika. Und er hat die „Political correctness“ über Bord geworfen. Man darf wieder alles laut sagen, was man denkt, man darf schlüpfrig über Frauen reden, ihnen auf den Arsch greifen, Schwulenwitze machen, Muslime ausweisen, Mexikaner aussperren. Und in Europa wollen es ihm nun viele gleichmachen.

In Italien haben wir schon die Lega und Beppe Grillo, die überzeugt sind, in Bälde die Trumpsche Revolution in Italien umsetzen zu können, was ja nicht ausgeschlossen ist. Immerhin haben sie schon 40 Prozent der Stimmen, die nächste Regierung könnte eine 5-Sterne-Lega-Regierung sein. Salvini will aus dem Euro austeigen, Grillo ist immer eurokritisch gewesen.

Auch in anderen Staaten freuen sich die Rechten, Putin, Erdogan, Le Pen, Orban, Strache etc.. Es könnte in der Tat ein autoritäres Zeitalter von Volkes Gnaden beginnen, gegen die Mächtigen, Wutbürger an die Macht. Ausländer raus.

Ist Europa zu retten? Ich setze meine Hoffnungen in Angela Merkel.

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