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    „Ich bin tief enttäuscht“

    edelweiss in the mountain

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    Martin Krautgasser, Noch-Obmann der SVP in Percha, über seinen Rückzug und die Fehler der Partei.

    TAGESZEITUNG Online: Herr Krautgasser, Sie wollen nicht länger SVP-Ortsobmann von Percha bleiben. Warum?

    Martin Krautgasser: Wir haben keine Kandidatenliste, sondern werden am Sonntag eine offene Wahl durchführen. Jeder kann wählen, wen er möchte. Dann schauen wir weiter. Aber es stimmt schon: Ich werde sicher nicht länger den Obmann machen.

    Gibt es dafür einen konkreten Grund?

    Das ist schwierig in Worte zu fassen. Es gibt eine tiefe Enttäuschung.

    Sind Sie von der Politik im Allgemeinen enttäuscht oder von der Gemeindepolitik in Percha selbst?

    In erster Linie geht es um die Politik: Der kleine Mann zählt nicht mehr viel, es geht immer nur um persönliche Interessen. Die Partei lässt zu, dass sie als Sprungbrett für einige Wenige missbraucht wird. Dabei wird viel zu wenig auf die echten Bedürfnisse der Menschen geschaut. Nach und nach hat sich in mir dieses ungute Gefühl breitgemacht.

    Sie haben 2015 auch als Bürgermeister kandidiert. Aber die Wahl hat ein anderer gewonnen…

    Ich habe kandidiert, damit die Wähler eine echte Wahl haben. Mir ging es mehr darum. Unser Ortsausschuss war anfangs sehr engagiert, wir haben viel gearbeitet. Bei öffentlichen Anlässen habe ich immer wieder darauf hingewiesen, dass die Partei wieder ein Gefühl der Gemeinschaft schaffen muss. Ansonsten hat man als einfacher Mensch keinen Grund mehr, zur Partei zu gehen. Da ist man bei der Feuerwehr oder beim Sportverein besser aufgehoben.

    Hat die Zusammenarbeit zwischen Ortsausschuss und Gemeindeverwaltung nicht mehr funktioniert?

    Wir haben den Bürgermeister immer unterstützt, es gab regelmäßige Sitzungen von SVP-Fraktion und SVP-Ortsausschuss. Aber der Ortsausschuss hat wenig Gewicht. Er hat keine echte Aufgabe. Das ist ein Problem.

    Warum?

    In meinen Augen wäre es für die Partei von Vorteil, wenn der Landeshauptmann gleichzeitig den Parteivorsitz haben würde. Genauso sollte der Bürgermeister dem Ortsausschuss vorstehen. Nur so entsteht eine Einheit zwischen dem, was die Partei und dem, was die Gemeindeverwaltung macht. In manchen Gemeinden ist das bereits der Fall.

    Wie wird es jetzt in Percha weitergehen?

    Stellen Sie sich vor: Ich bin der Älteste im Gemeinderat von Percha! Vielleicht schaffen wir es ja auch jetzt bei den SVP-Ortsausschusswahlen viele neue, junge Gesichter hineinzubekommen. Es gibt sehr engagierte Leute, daran habe ich keinen Zweifel.

    Interview: Silke Hinterwaldner

     

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