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    „Haarsträubende Erfindungen“

    Brenner Demo Sven KnollSven Knoll von der Süd-Tiroler Freiheit über die (Un-)Möglichkeit einer pragmatischen Lösung der Ortsnamenfrage.

    TAGESZEITUNG Online: Herr Knoll, der LH arbeitet an einer politischen Lösung der Toponomastik-Frage, und Sie pfuschen ihm ständig ins Handwerk?

    Sven Knoll: Im Gegenteil, er hat den Antrag für gut befunden und dafür gestimmt …

    Nur für einige Punkte …

    Ja, weil die Prämisse war offenbar zu scharf formuliert, obwohl wir nur eine UN-Resolution zitiert haben.

    Warum gehen Sie nicht von Ihren Extrempositionen ab?

    Es sind, erstens, keine Extrempositionen. Seitens ging es (am Mittwoch) im Landtag nicht um die Lösung der Toponomastik-Frage, sondern um die 48 Wissenschaftler der Accademia della Crusca, die eine Petition an den Staatspräsidenten und andere Institutionen gerichtet haben. Sie behaupten, die von Tolomei erfundenen Namen seien aufgrund von wissenschaftlichen Fakten entstanden und somit Kulturgut. Dem musste man widersprechen.

    Warum nicht einfach ignorieren?

    Weil diese Mitteilung an maßgebliche Institutionen gegangen ist. Auch wenn wir oft glauben, der Nabel der Welt zu sein: Der Staatspräsident und viele andere wichtige Vertreter in den Institutionen haben wenig Ahnung von der Toponomastik, und ich gehe davon aus, dass diese ihnen auch ziemlich wurscht ist. Zum Problem wird es, wenn diese Institutionen einseitig informiert werden. Im Fall der Accademia della Crusca hat sich sogar der ehemalige römische Bürgermeister Alemanno dafür stark gemacht. Bevor wir über eine Lösung der Frage reden, wollten wir klarstellen, dass es sich bei den italienischen Ortsnamen um faschistische Namen handelt, die nicht aufgrund von wissenschaftlichen Fakten entstanden, sondern teils haarsträubende Erfindungen von Tolomei sind.

    Eine pragmatische Lösung könnte aussehen?

    Die historische Lösung! Mit dieser würden viel mehr italienische Namen amtlich bleiben als mit der Prozentlösung der Freiheitlichen. Zum Beispiel Martello: In Martell gibt es 0 Prozent Italiener, mit unserer Lösung würde der Name Martello bleiben, weil historisch gewachsen.

    Bewegt das Toponomastik-Thema die Menschen noch?

    Ich war vor zwei Monaten in Aosta, dort gibt es seit 1987 außer dem Hauptort Aosta nur mehr die französischen Ortsbezeichnungen. Dieser Prozess wurde ohne Auseinandersetzungen durchgezogen. Wenn es in Aosta möglich war, warum nicht auch bei uns?

    Interview: Artur Oberhofer

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    Kommentare (3)

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    • politikverdrossener

      Ob der Berg jetzt Katzenberg oder monte del c…. heißt geht mir am A,,,, vorbei. Es gibt wichtigere Sachen.Geats amol arbeiten,statt olm lei ummerplärrn,weil für des seid ihr nit gewählt worden.

    • erich

      Das ist der Lebensnerv von der STF, so haben sie Gelegenheiten sich bemerkbar zu machen. Diese Toponomastik geht den allermeisten am A… vorbei. In Osttirol haben sie Übersetzungen gemacht um dem italienischem Gast sympathisch zu sein. Besser die Zeit für etwas Fruchtbringendes einzusetzen aber das geht der STF am A… vorbei.

    • devilhard

      Die sog. „Rückübersetzung“ der Ortsnamen von Tolomei stellt eine zentrale Maßnahme der faschistischen Italianisierungspolitik dar.

      Es stellt sich somit die Frage, ob Faschismus & Nationalsozialismus Verbrechen waren & sind, dessen Auswüchse (wie eben die bis heute noch nicht zurückgenommenen toponomastischen Maßnahmen zur Italianisierung des Alto Adige) auch heute noch entschlossen bekämpft werden sollten. Oder ob ein „Faschismus light“, trotz der damaligen Verbrechen, heute – wie beispielsweise von Casa Pound und anderen italienischen Rechtsparteien proklamiert – vertretbar ist; und solche faschistische „Errungenschaften“ als Teil der nationalen Kultur akzeptiert werden sollten.

      Ich für meinen Teil bin für eine klare Abgrenzung, viel zu viele Akteure im unseren Land leider nicht.

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