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    „Die Wundersüchtigen“

    salvatore-und-schrott-balthasarBalthasar Schrott, bis vor kurzem Leiter des Referates für Weltanschauungen in der Diözese, über Salvatore Caputa, den Umgang der Kirche mit derlei Phänomenen und Geldmacherei.

    TAGESZEITUNG Online: Herr Schrott, wie bewerten Sie die Erscheinungen von Salvatore Caputa?

    Balthasar Schrott: Auch wenn die Aufmerksamkeit nicht so groß ist wie damals als Salvatore Caputa in Völser Aicha zu Gast war, läuft es immer in derselben Richtung weiter. Die Anhänger haben sich mittlerweile nur in privatere Bereiche zurückgezogen.

    Weiß man wo und wann derlei Veranstaltungen stattfinden?

    Der liebe Herr Caputa sieht immer noch die Muttergottes in einem klar definierten Rhythmus. Man weiß nicht genau warum, aber sie erscheint ihm angeblich immer zwei Mal im Jahr an einem bestimmten Ort. In letzter Zeit war er immer wieder im bayrischen Walpertskirchen zu Gast. Aber mittlerweile gab es eindeutige Reaktionen aus kirchlichen Kreisen. Auch jener Pfarrer, der mit Salvatore Caputa sympathisierte, bekam den Auftrag sich zu distanzieren. Man hatte sich zwar bei einer privaten Kapelle getroffen, in der Folge hat man diese Zusammenkünfte dort aber doch lieber sein lassen. Bekannt ist auch, dass viele Anhänger nach Kärnten pendeln, auch von Südtirol aus. Dort trifft man sich in St. Leonhard auf einem Hügel mit einer Burgruine. Auch wenn sich die Kirche in offiziellen Stellungnahmen in Kärnten negativ geäußert hatte, ließ der Bürgermeister wissen, dass diese Treffen durchaus touristischen Wert hätten.

    Wecken diese angeblichen Erscheinungen ein wachsendes Interesse?

    Die Teilnehmerzahl geht eher zurück. In Kärnten etwa sprach man anfangs von rund 200 Teilnehmern, jetzt soll es noch rund die Hälfte sein.

    Und in Sexten?

    In Sexten haben wir eine ähnliche Situation. Die Veranstaltung findet in einer privaten Kapelle statt. Der Ablauf ist immer derselbe: Salvatore Caputa spricht von seinen Visionen, die allerdings nicht ernsthaft belegbar sind. Ich habe den Pfarrer in Sexten kontaktiert, und auch er meinte, dass man sich wohl besser nicht einmischen sollte. Das hier kann man laufen lassen, auch weil nicht Kirchen beansprucht werden, wie es etwa damals in Völser Aicha passiert ist, und weil nicht Werbung für diese Treffen gemacht wird. Einfachen Marienkult kann man tolerieren.

    Haben Sie keine Angst, das alles könnte eine größere Dimension annehmen?

    Freilich, so etwas spricht sich immer herum und die Wundersüchtigen und Neugierigen kommen dann ganz bestimmt schauen. Aber dabei wird es wohl bleiben. Die Anzahl jener, die immer wieder kommen, bleibt überschaubar. Die Kurie hat sich von Anfang an immer wieder eindeutig distanziert: Es mag zwar ein persönliches Erlebnis geben, das Salvatore Caputa empfindet, aber eine objektive belegte Erscheinung gibt es nicht.

    Waren Sie schon einmal bei einer solchen Veranstaltung dabei?

    Salvatore Caputa habe ich noch nicht live erlebt. Aber in Prad habe ich mir das Phänomen angeschaut: Elisabeth Gurschler mag in ihrer Frömmigkeit durchaus etwas erleben, das kann man niemandem absprechen. In Prad habe ich jedoch auch gemerkt, dass viele Leute darüber schmunzeln. Trotzdem gibt es eine gewisse Toleranz, solange es keine Spannungen verursacht. In Tschengls etwa wurde eine riesige Madonnenstatue aufgestellt. In Gottes Namen, hier wird niemandem etwas zuleide getan.

    Sehen Sie darin keine Gefahr für die Kirche?

    Es wird immer Leute geben, die auf außerordentliche Erlebnisse harren. Aber solange sich das alles in privatem Rahmen abspielt, kann man es schon gelten lassen. Auch Salvatore Caputa wird immer Sympathisanten haben, die ihn einladen. Aber die Botschaften haben keinen öffentlichen Verkündigungswert.

    Kann es nicht sein, dass solche Veranstaltungen auch einen kommerziellen Hintergrund haben?

    Es hat zwar Versuche gegeben Amulette zu verkaufen, die von Maria gesegnet sein sollen, aber das steht hier gar nicht im Vordergrund. Im Lavanttal gibt es eine Wasserstelle, die heilig sein soll, aber als man damit versuchte Geschäfte zu machen, hat das nicht wirklich gut funktioniert.

    Gibt es noch andere, ähnliche Ereignisse in Südtirol?

    In Tschengls trifft sich eine private Gebetsgruppe rund um Elisabeth Gurschler. Aber Wallfahrten gibt es mittlerweile keine mehr. Abgesehen davon erkenne ich momentan eher die Tendenz zu neuspirituellen Gurus. Darunter fallen für mich Leute, die neue Lebensformen anbieten, etwa um glücklich zu werden. Hier kann ich nur raten: Passt bitte auf, was euch geboten wird! Reagiert mit gesundem Hausverstand! Lasst euch nicht einsacken! Bei solchen Angeboten geht es oft ums Geld. Diese Leute schwirren überall herum, auch in unseren Bildungshäusern. Hier musste ich bereits des Öfteren intervenieren. Man muss vorsichtig sein. Wir haben eine bunte Anschauungswelt, das ist im Grunde nicht schlecht. Aber man sollte nicht gleich viel Geld investieren.

    Interview: Silke Hinterwaldner

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