Du befindest dich hier: Home » Südtirol » Gestörte Beziehung?

    Gestörte Beziehung?

    Die grünen Abgeordneten Hans Heiss, Brigitte Foppa und Riccardo Dello Sbarba

    Die grünen Abgeordneten Hans Heiss, Brigitte Foppa und Riccardo Dello Sbarba

    Die Grünen fragen sich: Ist der Milchkrieg ein Symptom für gestörte Beziehungen in der Euregio zwischen Tirol und Südtirol?

    Auch wer große Hoffnungen in die Euregio setzt, sieht aktuell die Beziehungen zwischen dem Bundesland Tirol und Südtirol nicht in Bestform, ja sogar auf einem Tiefstand, stellten die Grünen am Freitag in einer Aussendung fest.

    Hans Heiss, Brigitte Foppa und Riccardo Dello Sbarba listen auf:

    Die unterschiedliche Haltung beim Thema des Sektoralen Fahrverbot mit der Klage der Handelskammer Bozen, die chronisch offene Frage von Flüchtlingen und Grenzkontrollen und nun der Versuch des faktischen Importverbots für Vieh aus Tirol durch Bergmilch Südtirol sind Belastungen, die nicht zu beschönigen sind.

    Bergmilch und ihr Präsident Joachim Reinalter hatten angekündigt, dass Mila-Mitglieder Abschläge beim Auszahlungspreis der Milch hinnehmen müssten, falls der Anteil „ausländischer Kühe“ in ihren Ställen 10 Prozent übersteige. Diese drohende Kürzung richtete sich auch gegen den Viehverkauf aus Nord- und Osttirol, wo die Viehpreise wegen des abstürzenden Milchpreises in den Keller gefallen sind.

    Die Grünen schreiben dazu:

    „Die bereits im Frühjahr 2016 geäußerte Drohung des Präsidenten mag betriebswirtschaftlich nachvollziehbar sein, um Milchüberproduktion und fallende Preise auch südlich des Brenners zu verhindern, sie belastet jedoch die Zusammenarbeit zwischen Tirol und Südtirol, die Euregio und ist ein krasser Verstoß gegen EU-Recht.

    Obwohl die Sanktion bisher nicht greift und nur dann eintreten soll, wenn die angelieferte Milchmenge von Oktober bis Dezember 2016 die der letzten beiden Jahre übersteigt, ist eine derartige Diskriminierung jedoch Gift für die Beziehungen. Zudem droht damit der Bruch von Unionsrecht – wie der auch südlich des Brenners geschätzte Europarechtsexperte Obwexer betont – und eine Beschwerde an die EU-Kommission in Brüssel wäre durchaus aussichtsreich.

    Obwohl Landesrat Schuler abwiegelt und im Gespräch mit seinem Kollegen, Landesrat Josef Geisler, ein Einvernehmen gesucht hat, ist die Verstimmung nördlich des Brenners jedoch ebenso mit Händen zu greifen wie von anhaltender Wirkung, zumal ja auch im Vinschgau seit geraumer Zeit ein faktisches Importverbot von Milch aus dem Tiroler Oberland besteht. Der Verweis auf gute Zusammenarbeit im Bereich des Milchhofs Sterzing allein kann die Missstimmung nicht ausräumen.

    Zudem ist bei einer Gesamtbetrachtung der Beziehungen zwischen Tirol und Südtirol unser Land in vieler Hinsicht (etwa im Studienbereich) Empfänger und Vorteilsnehmer, sodass der Bereich der Vieh- und Milchimporte bei weitem kein Detailproblem ist, sondern auf grundlegende Belastungen und dringende Verbesserung hinweist.“

    Die Grünen haben nun folgende Fragen an die Südtiroler Landesregierung gerichtet:

    „Wie beurteilt die Landesregierung den Versuch der Bergmilch Südtirol, den Import von „ausländischem Vieh“ durch Festlegung von Obergrenzen zu stoppen?
    Liegt hier nicht – über die Störung der Beziehungen zwischen Tirol und Südtirol – ein Verstoß gegen EU-Recht vor?
    Welche genaue Botschaft enthält der Appell von LR Geisler und Tirols Bauerbundpräsident Hechenberger an die Landeshauptleute Platter und Kompatscher (um Aushändigung einer Kopie wird ersucht)?
    Wäre es nicht an der Zeit, in einer grundlegenden Aussprache zwischen den Landesregierungen zu versuchen, offene Fragen und Probleme auf vielen Ebenen (Transit, Flüchtlinge, Landwirtschaft) auf lange Sicht abzuklären?“

    Clip to Evernote

    Kommentare (1)

    Lesen Sie die Nutzerbedingungen

    • saustall_kritiker

      Das ist eben der Unterschied. Nordtiroler Politiker werden in Zusammenhang mit Südtirol nie von Ausland sprechen…. ganz im Gegensatz zu den Südtiroler maßgeblichen Politikern, deren Taschenträgern und Steigbügelhaltern. Hier sieht man wieder mal ganz klar und deutlich, dass den maßgeblichen (SVP-)Politikern hierzulande nichts und schon gar nichts an der Europaregion Tirol liegt. Kein Wunder, dass sich Innsbruck mittlerweile in vielen Belangen eher mit Trient als mit Bozen zusammentut. Selber Schuld Reinalter, Handelskammer-Ebner, Kompatscher und co., kann man da nur sagen!!!!
      Was soll das dumme Geschwätz mit den „ausländischen Kühen“ aus Nordtirol? So ein Stumpfsinn! Wenn mir die Bürger der Europaregion näher sind, spreche ich wohl eher dann von ausländischen Kühen, wenn sie von außerhalb dieser Region, z.B. aus der Lombardei oder anderswo IMPORTIERT werden. Diese SVP-Politiker sind schon sehr zu bedauern, haben sie doch noch gewaltig die alten Grenzen im Kopf, die wie unüberwindliche Bretter VOR ihren Köpfen wirken.

    Kommentar abgeben

    Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

    2013 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | AGB | Kontakt

    Nach oben scrollen