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    Ken Loach

    Der 80jährige Ken Loach ist ein harter Knochen. In seinen Filmen erzählt er trocken und schonungslos von den unguten Seiten unserer Wirklichkeit.

    von Renate Mumelter

    Von Altersmilde kann bei Ken Loach keine Rede sein, das macht sein in Cannes preisgekrönter Film „I, Daniel Blake“ sehr deutlich. Loach schaut sich das absurde Funktionieren unserer Gesellschaft genau an und erzählt davon. In Loachs Filmen gibt es weder Pistolen noch Schläge oder Blut zu sehen. Die Gewalttäter sind Angestellte, die in Agenturen ausführen, was andere in jene Bestimmungen geschrieben haben, die Gesetze durchführen, welche wieder von anderen zusammengebastelt wurden, möglicherweise sogar in gutem Glauben.

    Im Mittelpunkt der Geschichte steht Daniel Blake, ein 59jähriger Tischler mit viel Berufserfahrung, der nach einem schweren Herzinfarkt vorerst nicht mehr arbeiten darf. Er muss um Krankengeld ansuchen, aber das erscheint im Dschungel sich widersprechender Bestimmungen fast unmöglich.

    Bei seinen endlosen Ämtergängen lernt er andere Menschen kennen, denen es auch nicht besser geht. Er trifft auf die junge alleinerziehende Katie, die ohne eigenes Verschulden obdachlos war, jetzt wieder ein Dach über dem Kopf hat, aber weder Arbeit noch Geld.

    Auch Katie verzweifelt am Dschungel der Bürokratie, in dem die Ausführenden zu kaltherzigen Wesen mutieren, weil sie sonst an ihrem Job verzweifeln müssten. Augen zu und durch.

    Es kommt zwar immer wieder Hoffnung auf, dass Katie und Daniel, oder zumindest einer von beiden es schaffen könnte, aber die ist meist von kurzer Dauer. Was die beiden verbindet, ist ihr Anspruch auf Gerechtigkeit, Menschenwürde und Hausverstand, Dinge, die verloren gegangen sind im Dschungel der Bestimmungen, in den Warteschleifen der Callcenter, in der Zwangsdigitalisierung aller Vorgänge.

    Loachs Film schildert zwar Szenen aus der englischen Unterschicht, so weit weg sind seine Geschichten aber nicht denn Loach erzählt von einer Gesellschaft, der die Menschlichkeit im Optimierungswahn mehr und mehr abhanden kommt.

    I, Daniel Blake (GB/FR 2016), 100 Min., Regie Ken Loach. Bewertung: Kein Feelgoodfilm, aber unbedingt anzusehen

    Was es sonst noch gibt: Burg Schreckenstein (gedreht auf Schloss Taufers), SMS für dich (Meran)

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