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    Stornierter Auftrag

    3zinnenDer Tourismus im Hochpustertal stellt seinen neuen Namen vor: Drei Zinnen. Warum ein 90.000-Euro-Auftrag an Ex-SMG-Chef Christoph Engl gestrichen wurde.

    von Silke Hinterwaldner

    Die Experten bemühen den amerikanischen Schauspieler Marlon Brando, um zu sagen, worum es geht. Zitat: „Nur wer seinen eigenen Weg geht, 
kann von niemandem überholt werden.“

    Diesen Weg wird am Donnerstagnachmittag Christoph Engl vorzeichnen.

    Im Grand Hotel Toblach spricht er über die Markenstrategie der Dolomitenregion Drei Zinnen. Engl hat zunächst im Auftrag der Liftgesellschaft Sextner Dolomiten diese Markenstudie begonnen. Wie zu erwarten, wurde daraus mehr.

    Aber der Reihe nach: Engl war früher Leiter der Südtirol Marketing Gesellschaft (heute IDM), wechselte aber bereits vor einigen Jahren zu einem deutschen Unternehmen für Managementberatung.

    Bei Brand Trust ist er Mitglied der Geschäftsleitung und als solcher hat er den Auftrag aus Südtirol angenommen. Zunächst wurde eine Markenstudie durchgeführt, die zu einem klaren Ergebnis kam: Namen wie Sextner Dolomiten oder Hochpustertal funktionieren im internationalen Wettbewerb um mehr Gäste nur bedingt. Besser sei es, mit einer einzigen Bezeichnung zu arbeiten, die einen hohen Wiedererkennungswert besitze. Das Ergebnis: „Drei Zinnen – Dolomites“.

    Zuerst wurde die Liftgesellschaft selbst in Drei Zinnen AG umbenannt.

    Weit schwieriger war es, die örtlichen Tourismusvereine davon zu überzeugen, bei diesem Wechsel mitzumachen. Zunächst wurde in den Tourismusvereinen Prags, Niederdorf, Sexten, Innichen und Toblach darüber gesprochen, ob man sich von der Liftgesellschaft vorschreiben lassen soll, wie das gemeinsame Kind heißen soll. Dabei tauchten viele Fragen auf: Können die Sextner auf „Sextner Dolomiten“ verzichten? Können sich die Niederdorfer mit „Drei Zinnen“ identifizieren?

    Reicht es, wenn man auch den italienischen Markt mit dem deutschen Begriff zu überzeugen versucht? Geht das überhaupt?

    Es wurde viel diskutiert, zum Teil auch sehr hitzig. Schlussendlich kam trotzdem ein einstimmiger Beschluss zustande. „Das hat mich selbst erstaunt“, sagt Dieter Wurmböck. Der Hotelier aus Innichen steht jenem Tourismusverband vor, der früher „Hochpustertal“ hieß und sich mittlerweile „Drei Zinnen“ nennt.

    Mit dem Ergebnis all dieser Debatten und mit dem neuen Äußeren ist Wurmböck sehr zufrieden. „Wir treten so gemeinsam stärker auf“, sagt er. Das sei wohl auch im Hinblick auf die Reorganisation der Tourismusorganisationen wichtig. Wenn die Verbände abgeschafft werden und neue Managementeinheiten errichtet werden, sei es umso wichtiger, direkt vor Ort einen starken Auftritt hinlegen zu können. In Alta Badia oder Gröden habe man das lägst begriffen und umgesetzt. Dieter Wurmböck hat immer noch Bauchweh, wenn er daran denkt, dass der eigene Verband bald schon nicht mehr existieren wird.

    Wie oft die Touristiker in den Dörfern des Hochpustertales in den vergangenen Monaten die Klingen gekreuzt haben, zeigte sich in der Debatte um das leidige Geld. Wie gesagt: Die Marketingstudie selbst hat die Liftgesellschaft in Auftrag gegeben und in der Folge auch bezahlt. Wie hoch dafür das Honorar war, ließ sich gestern leider nicht in Erfahrung bringen.

    Für die neue Linie bei Drucksorten, Online-Auftritte und ähnlichem teilen sich die Mitglieder des Verbandes die Spesen auf. Das heißt: Jeder Verein zahlt aufgeschlüsselt nach Nächtigungszahlen seinen Beitrag, die Liftgesellschaft (selbst auch Mitglied im Verband) zahlt gleich viel wie der stärkste Verein, in diesem Fall Sexten. So weit war man sich recht einig.

    Dann aber sollten die Tourismusvereine noch einmal zur Kasse gebeten werden. Man wünschte sich eine Folgeberatung durch Christoph Engl und sein Team. Kosten: 90.000 Euro. „Das war dann manchen doch zu viel“, sagt Silvia Wisthaler, Direktor im Tourismusverband, „man entschied sich, das selbst in die Hand zu nehmen und den Auftrag für das Unternehmen zu streichen.“

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    Kommentare (2)

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    • dr.sheldoncooper

      was mich mal intressiert:
      Christoph Engl tritt im deutschsprachigen Ausland so gerne als „Doktor“ auf.
      Darf er das?

    • andreas

      Die Liftgesellschaft erteilt einen Beratungsauftrag und bezahlt diesen.
      Die anschließende Umsetzung wird von allen Beteiligten gut geheißen und auch bezahlt.
      Nun wünscht sich jemand einen Folgeauftrag für Engl, welchen die Tourismusvereine ablehnen, da sie es selbst machen wollen, ein legitimes Handeln.
      Wo wurde da ein Auftrag storniert?
      Ich verstehe nicht recht, was der Artikel eigentlich aussagen möchte.

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