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„Keine gute Nachricht“

palermoWie Senator Francesco Palermo, einst Opfer einer „Dolomiten“-Kampagne, die Übernahme des „Alto Adige“ durch das Verlagshaus Athesia beurteilt.

Von Matthias Kofler

Im Südtiroler Landtag fielen die Reaktionen auf die Übernahme der italienischen Tageszeitung „Alto Adige“ gemischt aus: Während die Opposition die Meinungsvielfalt in Gefahr sieht, lobt die SVP das unternehmerische Geschick von Athesia-Chef Michl Ebner. „Nun sind fast alle Südtiroler Medien in deutscher Hand. Autonomiepolitisch ist das ein großer Schritt nach vorne“, frohlockte der SVP-Fraktionsvize im Landtag, Oswald Schiefer.

Skeptisch zum Mediendeal äußert sich der Südtiroler Senator Francesco Palermo: „Eine Konzentration der Macht ist nie eine gute Nachricht, erst recht nicht in einem so kleinen System wie dem unseren“, sagt Palermo gegenüber der TAGESZEITUNG.

Der Senator war selbst Opfer einer Medienkampagne des Hauses Athesia gegen seine Person. Im November des letzten Jahres waren Palermo in einem „Dolomiten“-Artikel falsche Aussagen zur Autonomiereform in den Mund gelegt. Der Senator, so die Botschaft des Athesia-Blattes, soll auf einer OSZE-Konferenz die Regionalautonomien als Schutzinstrument für Minderheiten als „überholt“ bezeichnet haben. Die SVP-Granden fielen auf die Falle des Tagblatts hinein. Gegenüber der Tageszeitung „Dolomiten“ sagte Obmann Philipp Achammer: „Das Gegenteil, von dem, was Francesco Palermo gesagt hat, ist wahr.“ Und auch Landeshauptmann Arno Kompatscher sah keine Notwendigkeit darin, die Aussagen des Senators erst zu verifizieren und erst dann zu kommentieren: „Wenn Senator Palermo noch mit mir oder der SVP zusammenarbeiten will, dann muss er diese Aussagen zurücknehmen.“

Palermo reagierte auf die Kampagne mit Verwunderung und Enttäuschung: „Ich sage Ihnen ganz ehrlich: In dem Artikel stimmt kein einziges Wort. Ich bin für Kritik offen, aber wenn jemand Blau sagt und dann steht in der Zeitung Grün … Dazu ist nichts mehr zu sagen.“
Heute sagt der Senator: „Vor dem Hintergrund der Machtkonzentration gibt es einen großen Unterschied zwischen dem Ankauf des ,Alto Adige’ und jenem des ,Trentino’.“ Franceso Palermo sieht in dem Mediendeal aber „kein per se ethnisches Problem“: „In Südtirol kann vieles mit der ethnischen Brille betrachtet werden. Doch es liegt an uns, die Trennung nicht weiter hochzuspielen.“

Ein Urteil, wie sich die Übernahme des „Alto Adige“ nun konkret auf die Berichterstattung auswirken wird, erachtet Palermo zum jetzigen Zeitpunkt für verfrüht: „Die Auswirkungen werden wir erst über einen längeren Zeitraum sehen. Niemand will, dass die Information in italienischer Sprache ,normalisiert’ wird – zumindest nicht kurzfristig.“

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