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    Gottes Räte

    demetz kirchenglockenIn einer Woche werden in Südtirol die Pfarrgemeinderäte neu gewählt. Bis zu diesem Sonntag können sich noch Kandidaten melden. Eine Zwischenbilanz von Reinhard Demetz, Leiter des Seelsorgeamtes der Diözese Bozen-Brixen.

    von Karin Gamper

    Reinhard Demetz drückt sich diplomatisch aus: „Man rennt uns nicht gerade die Türen ein, aber im Großen und Ganzen läuft es.“

    Der Leiter des Seelsorgeamtes der Diözese Bozen-Brixen zeigt sich damit halbwegs zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Kandidatensuche für die Pfarrgemeinderatswahlen, die südtirolweit am kommenden 23. Oktober abgehalten werden.

    Die Gewählten bleiben für die nächsten fünf Jahre im Amt.

    Doch wie groß ist das Interesse an kirchlicher Beteiligung in einer Gesellschaft, die sich immer seltener beim Gottesdienst blicken lässt? In einigen Ortschaften, so heißt es aus allen Landesteilen, sei die Kandidatensuche äußerst mühsam.

    „Das stimmt“, räumt Demetz ein, „allerdings handelt es sich um ein gemischtes Phänomen: „Es gibt Gemeinden, wo es ganz leicht geht und andere, wo sich die Pfarreien schwer tun“.

    Problematisch ist es laut Demetz häufig in Pfarreien, wo die alte Garde abtritt und junge Leute nachrücken sollten. „Junge Menschen müssen oft Familie und Arbeit unter einen Hut bringen, und wenn sie sich zusätzlich ehrenamtlich für volle fünf Jahre verpflichten müssen, dann überlegen sie sich das lange.“ Da ist es in der Kirche nicht anders als in der Politik: Auch bei den letzten Gemeinderatswahlen musste in vielen Ortschaften regelrecht um eine Kandidatur gebettelt werden, um die Listen vollzubekommen.

    Die Mitgliederzahl der jeweiligen Pfarrgemeinderäte hängt von der Einwohnerzahl ab. „Die Wahlordnung sieht mit vier, acht, zwölf und 16 Mitgliedern eine Vierer-Staffelung vor“, erklärt Reinhard Demetz.

    Aktuell schaut die Situation laut Reinhard Demetz so aus: „In allen Gemeinden konnte meines Wissens die Mindestzahl an Kandidaten gefunden werden“. Was aber, wenn z.B. vier Kandidaten für vier mögliche Sitze kandidieren und somit keine wirkliche Wahl möglich ist?

    Reinhard Demetz: „Wir empfehlen dann, die Wahl trotzdem durchzuführen, weil wir der Ansicht sind, dass die Gläubigen auf jeden Fall mit einbezogen werden sollten und damit die Gewählten auch eine Legitimation haben“. Möchte dies eine Pfarrei nicht tun, so empfiehlt die Diözese eine andere Form der Bestätigung: „Dann raten wir dazu, die Kandidaten eine Woche vor der Wahl bekanntzugeben und die Gläubigen dazu aufzurufen, Rückmeldung zu geben“. Sollte es Bedenken gegen einen bestimmten Kandidaten bzw. eine Kandidatin geben, so könnte dies in einem Gespräch offen geklärt werden.

    Wählbar ist jedes getaufte Mitglied der Pfarrgemeinde, das bis zum Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet hat, nicht aus der Kirche ausgetreten ist, ordnungsgemäß zur Wahl vorgeschlagen wurde und der Kandidatur zugestimmt hat.

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    Kommentare (1)

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    • george

      Manche derzeitigen Pfarrgemeinderäte funktionieren teilweise wie in der SVP-Partei. Einige wenige schaffen an, die anderen sind Mitläufer. Wer dazu gehört, wird als Kandidat direkt angesprochen und aufgenommen, die anderen sind als Kandidaten-innen gar nicht willkommen bzw. werden ausgegrenzt.

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