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    Alles in Ebners Hand

    ebner-dolomitiMit der Übernahme des „Alto Adige“ kontrolliert der Athesia-Konzern über 80 Prozent des Medien- und Anzeigenmarktes in Südtirol. Wo Michl Ebner überall mitmischt.

    von Artur Oberhofer

    Im Tonfall eines Monsignore erklärte Michl Ebner der Südtiroler Öffentlichkeit am Donnerstagmorgen auf Rai Südtirol den tieferen Sinn der Übernahme der Tageszeitung „Alto Adige“ durch seinen Athesia-Konzern.

    Da das Tagblatt der Italiener im Lande künftig nicht mehr in Mantua, sondern in Bozen (bei Athesia) gedruckt werde, fielen viele Transport-Kilometer weg.

    Soll heißen: Weniger Luftverschmutzung, mehr frische Luft.

    Doch die Menschen in Südtirol sind inzwischen mündig genug und kaufen dem Athesia-Boss das Märchen einer karitativ-ökologischen Operation nicht ab.

    Athesia kontrolliert mit der Übernahme des „Alto Adige“ 80, möglicherweise sogar 90 Prozent des Südtiroler Medienmarktes (siehe dazu den eigenen Info-Kasten).

    Athesia kontrolliert den Tageszeitungs-Markt, den digitalen Markt. Mit der Zett hat Athesia das Sonntags-Monopol. Im Privatradio-Bereich (Südtirol 1, Radio Tirol) mischen die Athesianer ebenso mit wie bei den Bezirksblättern (Vinschger, BAZ, Puschtra).

    Mehr noch: Hatten der Athesia-Konzern und der „Alto Adige“ bereits jetzt den Löwenanteil der institutionellen Werbung – die Inserate der verschiedenen Landesämter und Assessorate – eingestrichen, so dürften künftig ebenfalls 80 bis 90 Prozent der öffentlichen Gelder an Athesia gehen.

    Ein Beispiel: Weil der Gesetzgeber nicht festgeschrieben hat, dass nur ein Medium pro Verlag eine öffentliche Zuwendung bekommt, kassiert Athesia kassiert vom Land Beiträge für alle drei Online-Portale – Stol, Suedtirolnews, Sportnews.

    In Kürze wird Athesia sogar noch mit einem Wirtschaft-Portal online gehen.

    Auf dem Anzeigenmarkt ist es jetzt schon so, dass Wirtschaftstreibende mit Exklusivverträgen an Athesia-Medien gebunden werden – nach dem Motto: 20 Prozent Skonto, wenn Sie bei den anderen (TAGESZEITUNG, „ff“) nicht werben.

    Und die meisten Agenturen trauen sich erst gar nicht, ihren Kunden Inserate in anderen Medien anzubieten, um die Athesianer bloß nicht zu erzürnen.

    In der Vergangenheit kam es öfters vor, dass Gemeindeverwaltungen, die es gewagt hatten, amtliche Kundmachungen in der TAGESZEITUNG oder in der „ff“ zu platzieren, geharnischte Protestbriefe aus dem Weinbergweg bekommen haben.

    Mit der Übernahme des „Alto Adige“ verfügt Athesia nun auch politisch über eine enorme Stoßkraft. Demokratiepolitisch fällt Südtirol um Jahrzehnte zurück.

    Denn in Hinkunft wird der „Alto Adige“ sicher keine Mega-Kampagnen gegen Polit-Rentner mehr fahren, weil der Chef im Haus, Michl Ebner, selbst mehrfacher Polit-Rentner ist. Der ehemalige Kammerabgeordnete (von 1979 bis 1994) und EU-Mandatar (von 1994 bis 2008) kassiert eine monatliche Politikerrente von 10.000 Euro netto im Monat. Dazu bekommt er als Handelskammerpräsident 80.000 Euro netto im Jahr.

    In der letzten veröffentlichen Steuererklärung scheint bei Michl Ebner ein Jahreseinkommen von knapp einer Million Euro auf.

    tabDie Übernahme des „Alto Adige“ durch Athesia sagt auch viel über den Zustand und über das Unbehagen der italienischen Sprachgruppe in Südtirol aus. Müssen sich die Italiener jetzt schon mit einem LH-Stellvertreter abfinden, der – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht auf Augenhöhe mit der SVP verhandeln kann, so haben sie jetzt auch noch „ihre“ Zeitung verloren.

    Bezeichnend ist, dass SVP-Politiker wie Oswald Schiefer die Übernahme des „Alto Adige“ als ethnopolitische Säuberung interpretieren, nach dem Motto: Gut so, jetzt haben die „Walschen“ kein Sprachrohr mehr!

    Zu seinen Glanzzeiten war der „Alto Adige“ nicht das autonomiefreundliche Blatt, als das Michl Ebner das Tagblatt jetzt hätschelt, sondern die Speerspitze der Italianitá in Südtirol – ein ethnopolitisches Kampfblatt. Legendär sind die Stellungskämpfe, die sich der „Alto Adige“ und Josef Rampold geliefert haben. Das „Deutsche Blatt“ im „Alto Adige“ war viele Jahre lang die einzige deutsche Gegenstimme im Südtiroler Pressewald.

    Nun aber sagt Michl Ebner: Athesia und „Alto Adige“ seien Brüder im antifaschistischen Geiste, es komme zusammen, was zusammen gehöre …

    In Hinblick auf die Landtagswahlen 2018 ziehen dunkle Wolken auf. Denn für Athesia wird es mit dieser geballten Kraft ein Leichtes sein, Kandidaten ihrer Wahl zu pushen – und unliebsame Politiker ins Abseits zu stellen.

    Der Druck auf die Politik wird zunehmen. ‚Auf allen Ebenen. Es gibt nämlich keinen Bereich mehr, in dem Michl Ebner seine Finger nicht mit im Spiel hat.

    Neben den knapp 20 Medienprodukten mischt Athesia in der Brennercom mit. Im Energiesektor (Athesia Energy GmbH, KPV Projekt III GmbH, Budrio GFE 125 GmbH usw.). Im Tourimusbereich ist Athesia tätig (Hotel Therme Meran, Schnalstaler Gletscherbahnen, Reisebüro Alpina Tourdolomit). Athesia ist an Verlagen und Druckerunternehmen beteiligt (Tyrolia Druck GmbH, Verlagsanstalt Tyrolia, Mediafin Digital Medienservice Gmbh in der Schweiz usw.). Außerdem hat Athesia Beteiligungen an der Raiffeisenkasse Bozen, an der Südtiroler Sparkasse und an der Südtirol Volksbank.

    Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Athesia einen Umsatz von knapp 70 Millionen Euro. Der Konzern erwirtschaftete einen Gewinn von über 2 Millionen Euro nach Steuern.

     

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    Kommentare (8)

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    • rota

      ….folglich mein Vorschlag, schaffen wir in Südtirol den Landtag Rai Tageszeitung Benko Gericht und Kirche ab, setzen Michl dem Ersten eine Krone auf lassen vom Weinberg, bzw Verdiplatz aus bestimmen was bei uns Sache zu sein hat. Die ersparten Steuergelder könnten sozial aufwertend Verwendung finden.
      Es wäre doch schön mal ohne der Qual der Wahl nach dem Wort zum Tage aus Dolomiten und Alto Adige zu leben .

    • watschi

      Da wird einem nur mehr schlecht

    • andreas69

      Die Bürger die in einer Demokratie aufgewachsen sind müssten laut Lehrbuch eigentlich mündige Bürger und Bürgerinnen sein. Es ist wahr dass die „vierte Gewalt“ des Staates sprich Medien und Presse nicht in die Hände Einzelner gehören, denn das widerspricht den Grundprinzipien der Demokratie und der Freiheit. Wenn einer gelobt er sei Demokrat und „unabhängig und unparteiisch“ und auf der anderen Seite hält er 80% der Medienlandschaft eines Landes, muss es schon erlaubt sein zu sagen: „Da stimmt etwas nicht ganz zusammen“. Gut, um wieder zum ersten Satz zurückzukommen, man muss ja nicht alles kaufen was einem angeboten wird. Auch der Markt kennt Gesetze. Schlusswort: Machtkonzentration, in welcher Form auch immer, tut der Demokratie und der Bürgerschaft nie gut!

    • einereiner

      Nennen wir die Athesia mal einen Feind.
      Wenn jetzt ein kleiner Feind mir hilft einen größeren Feind zu bekämpfen, dann ist er zeitweise mein Freund.
      Der größere Feind ist für mich die Italianità Südtirols und die Zugehörigkeit zu Italien. Willkommen du lieber kleiner Feind/Freund, ich hoffe von dir nicht enttäuscht zu werden.

    • goggile

      wenn ich den namen aufsichtsbehòrde lese dann muss ich nur lachen. wo werden sie aktiv? in den letzten Jahrzehnten weis jeder wer von den auflagenstärksten Tageszeitung suedtirols totgeschwiegen wurde und somit mundtot gemacht wurde sobald etwas nicht genehm war. bin zwar ein Patriot aber es sollte gesetzlich auch eine eigne italienische und ein Ladinische und wenmanschon so dumm wàhlt dass so viele neue mitbuerger hier sind frisch auch eien auslànderzeitung herausgeben. das wàre gerecht. wenman die svp-befragten im Video zuvor anhòrt, hòrt und sieht mand mehr als deutlich dass sie gutes gesicht zum bòsen spiel machen weil sie keine andere Wahl haben. wenn schon mit milionenbeitràgen staatlichen solche Zeitungen gefòrdert werden jährlich, so muss eine neutraitàt gewehrleistet werden die es aber nicht gibt. poitiker die nicht die richtigen Gesetze erlassen oder beamte die ihren aufgaben nicht nachkommen.
      auserdem sind die horrenden inseratspesen in der heutigen zeit wo es verbraucherschuetzer gibt und x-eu Regelungen zu hinterfragen.

    • tiroler

      Wo ist das Problem?
      Das ist die freie Marktwirtschaft. Kaufen und verkaufen. Das war schon immer so.
      Es muss ja niemand Athesiamedien konsumieren

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