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    Ozon vs. Allen

    Die Tageszeitung ist letzte Woche 20 geworden. Der Sonntagsfilm wird 2017 Geburtstag feiern – er wird zehn 

    von Renate Mumelter

    Manchmal geht es im Kino schwuppdiwupp. Da war ein Film gerade noch im Programm, und schon ist er wieder weg. Zu wenig Publikum, zu wenig Mundpropaganda, zu viel Druck von den Verleihern, zu wenig Geduld. Manchmal echt schade.

    Auch „Frantz“ von François Ozon wäre fast hinausgeflogen aus dem Programm. Dann durfte er  doch bleiben und an seiner Stelle musste Seidls „Safari“ weichen. Auch schade. „Frantz“ ist jedenfalls  einen Kinobesuch wert und mit Sicherheit  interessanter als Woody Allens „Café Society“. Dieser Fließband-Allen ist neu in den Kinos. Einmal im Jahr liefern Altmeister Allen und  sein Team ab. Diesmal ist das Produkt wenig interessant, nach gängigen Standards gut gemacht, aber steril.

    „Frantz“ ist schon allein wegen seiner Atmosphäre sehenswert, die geprägt ist vom Gehen einer  jungen Frau in schönen, alten Kleidern und dezenten Stöckelschuhen. Anna (Paula Beer) geht täglich auf den Friedhof zu ihrem Verlobten Frantz. Der blutjunge Deutsche ist im Ersten Weltkrieg durch die Hand eines wohl auch blutjungen Franzosen getötet worden. Das ist der Ausgangspunkt der komplexen Geschichte, die das Leben geschrieben haben könnte.

    „Frantz“ spielt zwar in alten Zeiten, stellt aber Fragen, die aktueller denn je sind. Die Frage danach, wie Krieg auf der jeweils anderen Seite gesehen wird, jene danach, was Liebe und Elternliebe aushalten können, und jene danach, wie ein Weiterleben möglich wird.

    „Frantz“  überrascht, nimmt  mit und bleibt spannend bis zum Schluss. Formal spielt Ozon mit den zwei (verfeindeten) Sprachen Deutsch und Französisch und mit der Farbgebung; die fällt ins Schwarzweiße zurück, kommt aber ab und zu wieder in der Farbe an – weil die Welt nach Frantz nicht mehr eine einzige ist.

    Frantz (F/D 2016), 113 Min., Regie: François Ozon, mit Pierre Niney, Paula Beer. Bewertung: Sehenswert

    Was es sonst noch gibt: Je zwei Filme aus der „Settimana della Critica“ von Venedig (MO, DI), Film in der Reihe Female Views (MI)

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