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    Gerettete Mahlzeiten

    Supermärkte und Gasthäuser, die ihre Lebensmittel nicht wegschmeißen, sondern an wohltätige Vereine spenden, zahlen ab jetzt weniger Steuern. Renate Gebhard findet lobende Worte.

    Von Matthias Kofler

    Seltene Einigkeit im römischen Parlament: Ein von der PD-Abgeordneten Maria Chiara Gadda eingebrachte Gesetzentwurf gegen die Lebensmittelverschwendung wurde einstimmig von allen Parteien gutgeheißen. Damit tritt das neue Gesetz im September in Kraft.

    Die Verschwendung von Lebensmitteln kostet die italienische Wirtschaft jährlich 12,6 Milliarden Euro. 5,1 Millionen Tonnen an Lebensmitteln werden pro Jahr weggeworfen – das entspricht 15,4 Prozent des jährlichen Lebensmittelverbrauchs der Italiener. Neue Steuererleichterungen sollen dieser Verschwendung Einhalt gebieten und die Bürger zum Spenden motivieren.
    Der Appell richtet sich insbesondere an Supermarktbetreiber und Gasthausinhaber, die dazu motiviert werden, nicht verkaufte Lebensmittel für wohltätige Zwecke spenden. Die Geschäfte seien aufgefordert, nicht verkaufte Lebensmittel an wohltätige Organisationen oder Tafeln zu spenden. Im Gegenzug winken Müllsteuererleichterungen.

    „Wir machen es Unternehmen einfacher, zu spenden anstatt wegzuwerfen“, erklärt Italiens Landwirtschaftsminister Maurizio Martina. Auch bereits abgelaufene Lebensmittel dürfen gespendet werden.

    Italien nimmt sich mit dem neuen Gesetz ein Beispiel an Frankreich: Der Nachbarstaat verabschiedete bereits Anfang Februar ein Gesetz, das es großen Supermärkten untersagt, noch genießbare Lebensmittel wegzuwerfen. Frankreich wurde mit dieser Entscheidung zum ersten Land der Welt, das dieses Verbot gesetzlich verankerte. Im Gegensatz zu Italien drohen gemäß dem französischen Gesetz bei Verstößen hohe Geldstrafen.

    Die SVP-Abgeordnete Renate Gebhard begrüßt das neue Gesetz: Es handle sich dabei um einen „guten Ansatz“, mit dem die Verschwendung reduziert und der Konsum optimiert werde. Dies sei auch aus umweltpolitischer Sicht begrüßenswert. Das Thema Lebensmittelverschwendung wird laut der SVP-Politikerin immer aktueller. Positiv am neuen Gesetz sei vor allem der Ansatz, dass die Lebensmittel den bedürftigen Menschen zugute kommen. In Südtirol könnten davon die Tafeln in Schlanders und Auer profitieren.

    Eine Lebensmittelkette, die ihre Produkte nicht entsorge, sondern verschenke, spare sich dadurch nicht nur die Entsorgungskosten. Bis zu einem Wert von 15.000 Euro müsse die Spende auch nicht mehr steuerlich erklärt werden. Bei höheren Summen reiche eine Sammelerklärung.

    Weiters wolle man das Mitnehmen von im Restaurant nicht verzehrten Speisen fördern. Renate Gebhard verweist in dem Zusammenhang auf den bekannten Pizzakarton.

    Das Gesetz sieht auch Geldmittel für Sensibilisierungskampagnen in Schulen, Krankenhäusern oder Provinzen und Regionen vor. Renate Gebhard will sich in ihrer Funktion als SVP-Landesfrauenchefin mit Landesrätin Martha Stocker absprechen, um zu überprüfen, inwieweit auch das Land an Sensibilisierungskampagnen gegen die Lebensmittelverschwendung interessiert ist.

    Die SVP-Abgeordnete hofft, dass das neue Gesetz zu einem verantwortungsvolleren Umgang jedes einzelnen Bürgers mit den Ressourcen beitragen kann.

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    Kommentare (1)

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    • einereiner

      Auch bisher ist in Italien noch niemand verhungert. Somit folgt aus dem Nicht-weg-werfen von 15% der Lebensmittel, dass in Zukunft 15 % weniger produziert werden. Somit werden 15% der Bauern aufgeben oder entspechend weniger anbauen.
      Bei einer nationalen Missernte wird man die dann fehlenden Lebensmittel leicht importierten können. Aber was machen wir bei überregionalen Missernten….wenn wir dann keine Reserven (die 15%-weggeschmissenen) haben?
      Man sollte mal folgenden Ansatz überlegen: jeder soll in Zukunft nicht nur 15%, sondern 30% wegwerfen. Somit steigt die Nachfrage und die Landwirtschaft wird gestärkt. Kommt dann eine Missernte, haben wir 30% Reserve. Und die Unruhen wie in Mexiko wegen steigender Maispreise würden nicht entstehen.

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