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    Prost, Tageszeitung!

    Prost, Tageszeitung!

    So, jetzt sind wir dran mit dem Feiern. Nach dem ältesten Südtiroler, Herrn Ötzi, dem Herrn Ex-Landeshauptmann i. D., der in der ihm eigenen Frische stolze 75 wurde, und kein bisschen leiser, sind wir an der Reihe, ein kleines Provinzblättchen, das auch schon 20 wird.

    von Arnold Tribus

    Wir sind volljährig geworden, mehr als volljährig, auch wenn man das oft gar nicht merkt, weil die Tageszeitung sich ja ab und zu immer noch verhält wie eine ungezogene Rotzgitsch, unartig und unkeusch. 20 Jahre sind aber eine lange Zeit, vor allem wenn man, wie ich, 20 Jahre dabei ist und nicht wahrhaben will, dass ich älter und grauer geworden bin, auch abgeklärter und abgehobener. Die ärgsten Kinderkrankheiten haben wir überwunden, wir haben uns in jeder Hinsicht stabilisiert, auch finanziell einigermaßen, auch wenn wir immer noch auf den Staatsbeitrag angewiesen sind. Unser Ziel bleibt aber die ökonomische Unabhängigkeit. Da bleibt noch viel zu tun, vor allem müssen wir die vielen TrittbrettleserInnen, die uns fleißig in der Bar lesen, davon überzeugen, dass sie uns auch kaufen, weil das ein wichtiger Beitrag zum Überleben und auch für den Medienpluralismus im Lande ist. Die Freiheit kostet eben, zum Nulltarif ist sie nicht zu haben.

    Wir schauen mittlerweile recht hübsch aus, schließlich waren wir ja auch die erste Zeitung der Republik, die voll in Farbe erschien. Ein Riesenfortschritt, wenn ich an die Gründerzeit denke. Da war es ja jeden Tag ein Abenteuer, dass wir überhaupt herauskamen. Wir druckten mal in Verona, dann in Österreich, und der Herr Besitzer Christoph Lentsch fuhr in den Morgenstunden über den Brenner und holte das Produkt ab. Dann druckten wir lange in Vicenza, nun bei Varesco in Auer. Seither hat die Zeitung ein neues Gesicht bekommen, vorher glichen wir oft einem Blättchen aus dem Untergrund, Fotos verschwommen, das Papier war oft miserabel und nach dem Lesen hatte man die Hände voller Druckerschwärze.

    Trotzdem hat die Tageszeitung, die ja als Tagesprofil geboren wurde, bis uns die großen Brüder in Wien den Namen entzogen, einen zwar kleinen, aber eingeschworenen Leserkreis angesprochen. Immer wieder melden sich Leute, die nicht ohne Stolz sagen, dass sie entweder Abonnenten oder LeserInnen seit der ersten Nummer sind. Sie haben uns lange die Treue gehalten, auch wenn sie nicht immer mit allem einverstanden waren. Und dann gab es auch die, die aus Protest gekündigt haben, erbost und gekränkt, so nicht, Herr Tribus. Die Toleranz hat eben auch ihre Grenzen. Die Tageszeitung hat viele begeisterte Leser, es gibt sehr viele Menschen im Lande, die sich täglich auf die Tageszeitung freuen, weil sie gespannt sind. „Was werden sie heute schon wieder bringen.“

    Viele Intellektuelle und Feingeister, viele Klugscheißer haben uns immer verachtet. Die waren schon vor 20 Jahren überzeugt, dass wir eh nicht überleben werden, dass wir alles falsch gemacht haben, dass die Zeit nicht reif war. Wir haben nicht auf bessere Zeitungen gewartet, wir haben sie gemacht, sehr zum Leidwesen der üblichen Besserwisser, für die der Zeitpunkt natürlich der falsche war, die von einer Totgeburt sprachen. So sei das Produkt zum Scheitern verurteilt, sagte man mir ganz offen und belächelte das armselige Produkt, das wirklich lange im Brutkasten lag, weil es schwach und klein war. Man gab uns zwei Monate, maximal ein Jahr, dann werde die Luft ausgehen und vor allem die Kohle.

    Denen, die nur redeten, waren wir zu schäbig, zu billig, mieser Boulevard, eine schlechte Kopie der Bild-Zeitung, niederer Journalismus. Ich habe aber gelernt, damit zu leben. Diese Überheblichkeit lässt mich heute kalt. Auch die, die die Zeitung von A bis Z lesen, ja sogar die Annoncen der Masseusen, die seit einiger Zeit die Zeitung zieren und viele verärgern, die sagen dann, „ab und zu lese ich euch ja“, um ja nicht in den Verdacht zu kommen, ein so billiges und niederes Produkt zu lesen. Umso mehr freut es mich dann, wenn ich immer wieder, wenn ich mich im Land herumtreibe, großen Zuspruch erfahre: „Machen Sie ja weiter!“

    Es war alles andere als leicht, das muss ich sagen. Nicht vergessen habe ich das erste Jahr, wo uns unbekannte Hände den staatlichen Beitrag streitig machen wollten. Mit einer kleinen Abänderung des Mediengesetzes für Minderheitenzeitungen sollte der Beitrag an die Zeitung mit der größten Auflage gehen. Verstanden? Marco Boato, der Grüne Abgeordnete, hat uns damals vehement geholfen, und viele Parlamentarier aus beiden Lagern, vielleicht auch jene der Volkspartei, aber die durften das nicht laut sagen. Allen sind wir ewig zu Dank verpflichtet. Ich vergesse das nicht. Vergessen darf man natürlich auch nicht die klugen Unternehmer Christoph und damals auch noch Peter Lentsch, die erst die Voraussetzungen für dieses Unternehmen geschaffen haben. Ihnen sei an dieser Stelle gedankt.

    Dass das Wollen nicht ausreicht, sondern durchaus Können hinzukommen musste, um aus der Tageszeitung das zu machen, was sie heute ist, eine Institution mit wenig Geld, aber viel Geltung, dazu haben im Laufe der Jahre sehr viele Redakteurinnen und Redakteure und freie MitarbeiterInnen beigetragen. Ohne sie wären wir nicht, was wir sind, jede/r ist auf seine Art einzig und wertvoll. Ich mag sie fast alle und danke ihnen, dass sie mich aushalten. Und so versuchen wir weiterhin fünfmal in der Woche, eine Gazette zu machen, die Spaß macht beim Lesen, eine tatsächlich unabhängige, von keiner gesellschaftlichen Organisation getragene, liberale Tageszeitung mit dem Mut zu unbequemen Meinungen. Was die Tageszeitung zur Tageszeitung gemacht hat, ist die banale Tatsache, dass wir Themen behandeln, die andere nicht behandeln, dass wir an die Öffentlichkeit bringen, was ohne uns nicht an die Öffentlichkeit gelangt wäre. Das legitimiert ihre Existenz.

    Liebe Leserinnen und Leser, ich danke Ihnen, dass sie uns die Treue gehalten haben und auch viel Verständnis für unsere Mängel gezeigt haben. Wir haben Ihre Geduld oft arg strapaziert, ich weiß.

    Prost, Tageszeitung!

     

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    Kommentare (6)

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    • tottele

      Geschätzter Herr Tribus ich habe alles was Sie da geschrieben haben sehr konzentriert durchgelesen und ich bin erstaunt , Sie haben schon vor über 35 Jahren einige Ihrer Schüler mit Ihrer Ausdrucksweise und Formalitäten zum Lernen angespornt ! Ich glaube , dass Sie sich nicht viel verändert haben , außer unser graues Haar . Ich wünsche Ihnen und Ihren Mitarbeitern weiterhin viel Erfolg und bleibt bitte so wieihr bis gestern gewesen seit . ALLES GUTE ZUM GEBURTSTAG !

    • george

      Eure liberale Haltung in Ehren, sprachlich allerdings könnt ihr euch noch viel verbessern. Und Arnold Tribus ist oft zu viel Durnwalder lastig. Ja. ja. mit den „Großkopfeten und Machtprotzen“ lässt es sich halt leichter leben.
      Eine ernst zu nehmende Konkurrenz zur Athesiazeitung seid ihr jedoch allemal,
      herzlichen Glückwunsch.

    • marting.

      ein echt unabhängiges neutrales blatt, das wäre etwas. vielleicht in 20 jahren

    • issy

      Ich kritisiere gerne Journalisten.
      Aber es ist nicht, weil ich speziell was gegen Euch hätte, sondern meine ist eher eine allgemeine Kritik am heutigen Journalismus.

      Ich finde, dass Ihr als Gegenpool zur Dolomiten wichtig seids.
      Deshalb werde ich auch nie auf Athesia – Medien Kommentare abgeben, allein schon deshalb, weil ich nicht will, dass Athesia auch nur einen Cent damit verdienen könnte.
      Wobei ich natürlich keine Ahnung habe, ob Online-Medien überhaupt etwas an Kommentaren verdienen. Ich persönlich jedoch lese vorzugsweise Medien, von denen ich weiß, dass interessante Kommentare zu erwarten sind…

      Aber ich weiche ab, es ist ja Euer Feiertag.

      Jedenfalls Gratulation zu Eurem runden Geburtstag!

    • franz

      Herzlichen Glückwunsch. !

    • wollpertinger

      i.D bedeutet „im Dienst“. Ich weiß nicht, ob Herr Tribus dies nur als ironische Stilmittel gebraucht hat, indem er den ehemaligen Landeshauptmann, der offiziell natürlich a.D., also außer Dienst ist, auf diese Weise tituliert hat, oder ob er wirklich nicht weiß, was i.D. bedeutet. Möglich wäre beides. Auf jeden Fall sollte man es bei der TZ zumindest einmal versuchen, die Regeln der deutschen Rechtschreibung, Grammatik und Syntax anzuwenden. Das wäre doch eine sinnvolle Geistesübung zum 20.

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