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    „Das nehmen wir so nicht hin“

    Gestoppte Bagger im Schnalstal

    Gestoppte Bagger im Schnalstal

    Am Dienstag entscheidet das Verwaltungsgericht über die vorläufig gestoppte neue Talabfahrt am Schnalser Gletscher. Die Gemeinde und die Vereine des Tales stellen sich in einem Offenen Brief klar hinter das Vorhaben.

    von Karin Gamper

    Die Vorgeschichte ist bekannt: Die Schnalstaler Gletscherbahnen AG musste Ende August die Arbeiten zum Bau der neuen Talabfahrt und einer Skiverbindung nach Lazaun einstellen. Alpenverein und Dachverband für Natur- und Umweltschutz hatten beim Verwaltungsgericht einen vorläufigen Baustopp erreicht.

    Die Reaktion der Gletscherbahnen folgte umgehend: „Wir haben in Schnals als größter Arbeitgeber in dem von Abwanderung bedrohten Tal sehr viel Lob und Zuspruch erfahren, daher ist die Enttäuschung jetzt groß“, sagte Direktor und Ex-Umweltlandesrat Elmar Pichler-Rolle damals.

    Nun melden sich auch die Gemeinde Schnals und die Vereine des Tales zu Wort. Sie stellen sich in einem Offenen Brief klar hinter die neue Skiverbindung, die als sichtbares Zeichen steigender Investitionsfreudigkeit in einem von Abwanderung bedrohten Landstrich gewertet wird.
    Gezeichnet ist das Schreiben, das an die Medien ging, vom Schnalser Vize-Bürgermeister Peter Grüner für den Gemeindeausschuss und Gemeinderat, von Alexander Rainer (Tourismusverein Schnalstal), Andreas Götsch (HGV Ortsgruppe Schnals), Benjamin Raffeiner (HGJ Schnals), Josef Pföstl (Bauernrat), Hannes Laterner (Ski- und Snowboardschule Schnalstal), Adalbert Weithaler (Sportverein Schnals) und Peter Rainer (Ötzi Alpin Club).

    Die neue Talabfahrt habe laut dem Scheiben alle begeistert: „Endlich würde die 7 km lange Gletscher-Abfahrt allen Skiläufern zugänglich, endlich könnte man der ständigen Gefahr von Lawinen und Steinschlag ausweichen, und man würde endlich auch auf Skiern auf die Lazaun-Seite wechseln können statt zu Fuß. Vor allem hätte man bei schlechtem Wetter am Gletscher endlich auch eine zusätzliche Piste im geschützten Talbereich“.

    Und weiter: „Der Gemeinderat von Schnals hat das Projekt einstimmig (!) genehmigt, und es gab keine Einsprüche – weder von Verbänden noch von Bürgern. Als mit den Bauarbeiten begonnen wurde, war im Schnalstal regelrechte Euphorie spürbar. Doch die Ernüchterung folgte auf dem Fuße.“

    Der Dachverband für Natur und Umweltschutz und der Alpenverein hätten einen Baustopp beantragt und erreicht, gleichwohl alle Gutachten der Landesämter zum Projekt positiv gewesen seien. Zuvor habe es einen negativen Bescheid des Umwelt-Beirates gegeben, doch ebenso habe es auch das positive Gutachten des Amtes für Landesplanung gegeben.

    Jetzt gehe es in einem Rechtsstreit darum, welches Gutachten zählt und welches nicht. „Dachverband und Alpenverein wollen nicht hinnehmen, dass das Nein des Umweltbeirates von der Landesregierung nicht zur Gänze berücksichtigt wurde“, so die Schnalser Verbände.

    Den beiden rekurrierenden Verbänden wird vorgeworfen, realitätsfremd zu sein: „Denken diese Leute auch daran, was in einer Gemeinde geschieht, wenn es keine Perspektiven und keine Arbeit mehr gibt? Keiner dieser Verbände hat jemals uns Schnalser um die Meinung gefragt. Das wollen wir so nicht hinnehmen.“
    Es gehe in diesem Fall nicht um die Zerstörung eines Biotopes, es gehe nicht um die Verbauung eines vom Gesetz geschützten Gebietes und es gehe auch nicht um die Schlägerung von mehreren Hektar Wald. „Es geht um rein verwaltungstechnische Aspekte und darum, wer was bestimmen kann und wer nicht“, heißt es in dem Offenen Brief.

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