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    Der Lebensretter

    Fotoquelle: Bericht von dolomitenstadt.at

    Fotoquelle: Bericht von dolomitenstadt.at

    Helden des Alltags: Warum Roberto Folli aus Innichen vom Tiroler Landeshauptmann die Lebensrettungsmedaille bekommen hat.

    von Silke Hinterwaldner

    Vor genau einem Jahr und drei Tagen machte sich Roberto Folli nach einem unspektakulären Arbeitstag auf den Weg nach Hause. Da passierte etwas, das ihm wohl für immer in Erinnerung bleiben wird.

    Roberto Folli ist 28 Jahre alt und in Innichen aufgewachsen. Aber seit mittlerweile eineinhalb Jahren lebt er im nahen Osttirol. Erst war er in eine Wohnung nach Sillian gezogen, wenig später beschloss er zusammen mit seinem Bruder, ein Wohnhaus in Kartitsch zu kaufen. „An und für sich“, sagt Folli, „wollte ich schon in Südtirol bleiben. Aber dort ist alles so teuer. Als wir das Haus in Kartitsch gesehen haben, mussten wir zugreifen.“

    Das ist jetzt über ein Jahr her. Damals, am 7. September 2015, wohnte Roberto Folli mit seiner Lebensgefährtin erst seit wenigen Wochen im neuen Haus. Von seiner Arbeitsstelle beim Kekshersteller Loacker in Heinfels ist es nicht weit bis zum Wohnort. Folli stieg wie jeden Tag ins Auto, aber beim Bahnübergang Tassenbach bemerkte er schnell, dass Handlungsbedarf besteht.

    Ein Kastenwagen mit slowenischem Kennzeichen war mitten auf den Bahngleisen zum Stehen gekommen, der Fahrer versuchte vergeblich das Fahrzeug wieder in Schwung zu bringen. „Er sprach nur Englisch“, sagt Folli, „aber wir konnten uns darauf verständigen, dass wohl die Bremsen blockiert sind und ein Weiterfahren nicht möglich ist.“

    Der Slowene hantierte am Kleinlaster weiter und war sich wohl der Gefahr nicht bewusst, in der er schwebte. Roberto Folli aber wusste, dass um diese Uhrzeit ein Zug vorbeikommt: Kaum schließen die Bahnschranken, naht auch schon der Zug. Die Zeit drängte. Zwar hatte Folli noch versucht, die Polizei zu verständigen, um den Zug anhalten zu lassen. Vergeblich.

    So blieb nur noch ein Ausweg: Den Mann von den Bahngleisen zerren, um ihm das Leben zu retten. „Er stand unter Schock“, sagt Roberto Folli heute, „er hat wohl geglaubt, das Auto um jeden Preis in Sicherheit bringen zu müssen.“ Als dann aber der Zug anrollte, den Kastenwagen mit voller Wucht erwischte und in zwei Teile riss, war auch dem Mann aus Slowenien unmittelbar klar geworden, in welche Gefahr er sich begeben hatte.

    „Noch heute“, erklärt Folli, „stehen wir in Kontakt zueinander. Der Mann lebt in Wien und schreibt immer wieder Mal.“

    Vor einem Monat schließlich ist Roberto Folli für seine beherzte Tat ausgezeichnet worden. Er hat vom Tiroler Landeshauptmann Günther Platter die Lebensrettungsmedaille verliehen bekommen. Für dieselbe Tat ist auch ein Feuerwehrmann aus Osttirol ausgezeichnet worden, was im Rahmen der Verleihung für einige Verwirrung gesorgt hat.

    Aber Polemik hin oder her. Roberto Folli sagt dazu nur: „Ich weiß, was ich getan habe. Die Verleihung der Medaille war ganz cool, aber wenn ich keine Auszeichnung bekommen hätte, wäre mir das auch egal gewesen. Was zählt, ist schließlich die Tat selbst.“

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